Körperliche Attacken sind Ausnahme: Feuerwehr, Polizei und DRK bewerten Angriffe auf Einsatzkräfte unterschiedlich

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In der vergangenen Silvesternacht kam es bundesweit zu zahlreichen Angriffen auf Rettungskräfte und Polizisten. Schon seit Längerem häufen sich die Nachrichten, dass Bürger die Helfer bei Einsätzen attackieren. In Castrop-Rauxel eskaliert die Situation bislang aber noch nicht.

„Zurzeit ist das zum Glück noch kein Thema“, erklärt Dirk Hering, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Zwar gebe es kleinere verbale Auseinandersetzungen, „aber das ist nichts, was über das normale Maß hinausgeht“. Bestimmte Anlässe, bei denen es eher zu verbalen Angriffen kommt, kann Hering nicht ausmachen. „Das ist von Einsatzsituation zu Einsatzsituation unterschiedlich, und es zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten.“
Falls die Einsatzkräfte attackiert würden, seien sie gut in der Deeskalation aufgestellt, so Hering. Methoden zur Deeskalation sind regulärer Bestandteil der Rettungsdienstfortbildung.
Zu körperlichen Attacken gegenüber den Einsatzkräften sei es bislang nicht gekommen, und auch Einsätze seien nicht behindert worden. „In der Hinsicht ist Castrop-Rauxel noch ein kleines, verschlafenes Dorf.“

Zunahme der Respektlosigkeit

Bei der Polizei beobachtet man seit Langem eine stetige Zunahme der Respektlosigkeit gegenüber den Beamten. „Die Grundstimmung ist anders geworden“, sagt Polizeisprecher Michael Franz und berichtet, dass es immer mal wieder verbale Vorfälle gebe. „Wenn man früher zu einem Einsatzort fuhr, gab es keine Probleme. Jetzt erwarten einen oft direkt Anfeindungen.“
Auch bei der Polizei kann man kein Muster erkennen. „Die Kollegen müssen immer schauen, auf wen sie stoßen“, so Franz. „Oft spielt Alkohol eine Rolle.“
In Einzelfällen käme es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen Einsätze konnten bisher aber immer erledigt werden. „Und wenn es eine prekäre Situation gäbe, hätten wir die Möglichkeit, Kollegen dazu zu rufen.“ Zum Jahreswechsel gab es laut Polizei keine Probleme in Castrop-Rauxel und im Kreis Recklinghausen.

"Völlige Verrohung"

Ebenso wie die Polizei ist das DRK im Kreis im Einsatz, wenn auch nicht in Castrop-Rauxel. Aus den anderen Städten weiß Christoph Behrenspöhler, hauptamtlicher Vorstand des DRK-Kreisverbands, allerdings zu berichten, dass Angriffe gegenüber Einsatzkräften ein „großes Thema“ sind. „Das Klima ist seit zwei, drei Jahren deutlich rauer geworden. Es gibt eine völlige Verrohung.“
Zwar seien körperliche Angriffe Einzelfälle, aber verbale Attacken hätten dramatisch zugenommen. Daher gehöre mittlerweile ein Deeskalationstraining zur Ausbildung der DRKler. „Das hätte man sich früher gar nicht vorstellen können“, so Behrenspöhler.
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