Lange Straße: Leben mit der Baustelle

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Am 2. April fiel der Startschuss für die Umbauarbeiten auf der Lange Straße in Habinghorst.
 
Jörg Binder (r.) von „Möbel und mehr“ und Busfahrer Dieter Eder freuen sich über den neuen Shuttleservice.

Seit einem Monat wird auf der Lange Straße im ersten Bauabschnitt zwischen B 235 und Georgstraße gebaut. Wir wollten wissen, wie sich die Baustelle auf die Kundenfrequenz auswirkt und haben in verschiedenen Geschäften vor Ort nachgefragt.

Für das Eiscafé Claudio an der Ecke zur B 235 bedeutet schon der erste Monat einen erheblichen Rückgang an Kunden. „Wegen der Baustelle kann ich keine Stühle rausstellen, so dass die Leute nur drinnen sitzen können“, erklärt Besitzer Masud Howlader. Er hofft, dass es 2015 wieder besser wird, und will solange durchhalten. „Schließlich habe ich in das Café investiert“, so Howlader.
„Wir spüren noch gar nichts. Die Baustelle ist weit weg“, sagt dagegen Michael Schäper, Filialleiter von Optik Trompeter. Er hoffe, dass die Bauarbeiten zügig vonstatten gehen, „aber wir wollen auch, dass es vernünftig gemacht wird und nicht in einem halben Jahr wieder kaputt ist“. Am wichtigsten sei seiner Meinung nach, dass die Geschäfte zugänglich blieben, auch für Menschen mit Kinderwagen oder Rollator. Für die Zukunft wünscht Schäper sich, dass die Lange Straße optisch aufgewertet wird. „Einige Hausbesitzer sind auf den Zug aufgesprungen und renovieren ihre Fassaden“, freut er sich.
Dies ist die Art von Initiative der Geschäftstreibenden, auf die das Stadtteilbüro setzt. „Es ist wichtig, dass sich die Geschäftsleute nicht nur als Forderer sehen, sondern auch selbst aktiv werden“, erklärt Maik Schumacher und sichert ihnen zugleich die Unterstützung des Stadtteilbüros zu. So gebe es beispielsweise attraktive Leerstände auf der Lange Straße, aber das müsse offen nach außen getragen werden. Außerdem seien positive Nachrichten über die Lange Straße wichtig, so Schumacher. Daher soll es nach Abschluss des ersten Bauabschnitts ein Baustellenfest geben.
Auch den neuen Shuttlebus bezeichnet Schumacher als positive Nachricht. Wie berichtet, hat die Interessen- und Werbegemeinschaft (Inwerb) in Kooperation mit einigen Kaufleuten einen Shuttleservice organisiert. Er soll einen Ausgleich für den Linienbus schaffen, der die Lange Straße zurzeit nicht ansteuern kann.
Am Montagvormittag (5. Mai) hat der Bus, der die Lange Straße mit der Römerstraße verbindet, seinen Betrieb aufgenommen. An zwei Stellen hält Busfahrer Dieter Eder auf der Lange Straße. „Außerdem können die Leute aussteigen, wo sie wollen.“ Am ersten Vormittag hatte Eder jedoch noch keine Passagiere. „Aber das wird einschlagen“, ist er sich sicher.
Davon geht auch Jörg Binder von „Möbel und mehr“ aus. „Es wird ein oder zwei Wochen dauern.“ Um die Kunden auf das neue Angebot aufmerksam zu machen, sollen noch zwei Ersatzhaltestellenschilder auf der Lange Straße aufgestellt werden. „Außerdem überlegen wir, ob wir auch den Schriftzug ,Flughafentransfer‘ überkleben“, so Binder.
„Wir packen dafür tief in die Tasche“, sagt er über den Shuttleservice. Seit der Linienbus nicht mehr fahre, habe die Kundenfrequenz nachgelassen. „Wir müssen deutlich machen, dass man trotzdem hierhin kommen kann“, so Binder.
Denn zurzeit hätten die Geschäfte nicht unerhebliche Einbußen zu verzeichnen. Wenn die Baustelle jedoch abgeschlossen sei, ist Binder optimistisch, „dass wir wieder gut existieren können“. Ob es dann auch gelinge, neue Geschäfte anzusiedeln, müsse man sehen. „Da wäre die Inwerb mit gefragt, aber natürlich auch die Stadt“, so Binder.
Als „schlecht“ bezeichnet Marion Gossert vom Hobby-Shop Gossert die momentane Geschäftssituation, da zusätzlich zur Baustelle auf der Lange Straße die Kampstraße in Richtung Oskarstraße auch nach vier Wochen noch gesperrt sei. Informationen der Stadt, wann die Sperrung aufgehoben würde, lägen ihr genauso wenig vor wie Informationen, wann die Lange Straße vor ihrem Geschäft erneuert würde. „Wir hoffen und wünschen, dass es nach Abschluss der Bauarbeiten besser wird“, so Gossert. „Denn in den letzten Jahren war die Lange Straße ja nicht so der Anziehungspunkt.“
„Wir liegen in der Zeit“, sagt Bauleiter Bernhard Rademacher von der Firma BLR. Etwa drei Monate seien für den ersten Bauabschnitt vorgesehen. Das Problem sei jedoch, dass die Lange Straße eine Sackgasse sei. „Das heißt, dass wir nur über eine Seite rein und raus können, um 4.000 bis 5.000 Tonnen Erde abzutransportieren und genauso viel Schotter anzuliefern.“ Die anderen Abschnitte könnten schneller fertiggestellt werden, schätzt Rademacher.

Shuttleservice

- Der kostenlose Shuttlebus bringt seit Montag (5. Mai) Kunden von der Römerstraße zur Lange Straße.
- Ein Kleinbus mit acht Sitzen der Firma Kotecki GmbH wird die Fahrgäste zunächst für drei Monate montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr über die Hugostraße zur Lange Straße befördern.
- Drei Haltepunkte befinden sich auf seiner Runde: Der Bus hält an den Kreuzungen Hugostraße/Lange Straße und Kampstraße/Lange Straße. An der Römerstraße nutzt er die Ersatzhaltestelle der DSW21 im Bereich Kampstraße.
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Dieter Nellen aus Castrop-Rauxel | 14.05.2014 | 20:20  
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