Mathe mit Biss

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Vereint für Sprachförderung im Matheunterricht (von links): Projektkoordinator Uli Brauner, Schulleiterin Violetta Kroll-Baues und Mathelehrerin Kathrin Wies.

Was hat Mathematik mit Sprachvermögen zu tun? Mehr als die meisten denken. Weil die Faustformel „Wer in Deutsch gut ist, ist in Mathe eine Niete“ nicht gilt, entwickeln die Lehrer der Willy-Brandt-Gesamtschule einen Mathematikunterricht, der Sprache und Kommunikation in den Fokus rückt.

Eigentlich hätte man in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, früher darauf kommen können, dass ein Zusammenhang zwischen mathematischem Verstehen und Sprachkompetenz besteht. Die alten Griechen, die spätestens seit der Weimarer Klassik das Bild der humanistischen Bildung in Deutschland prägten, kannten ein Wort, in dem beides – die Sprache und die Rechnung – vereint wird: den Logos.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) lautet der Name eines bundesweiten Bildungsprojekts, das sich der Sprachförderung von Kindern widmet. Eine Studie der Universität Dortmund hatte festgestellt, dass der Erfolg im Fach Mathematik von der Sprachfähigkeit abhängt. Daraufhin wurde im Rahmen von BiSS eine Gruppe von fünf Gesamtschulen gebildet, die sich die sprachliche Verbesserung im Matheunterricht auf die Fahnen geschrieben haben – darunter die Willy-Brandt-Gesamtschule in Castrop-Rauxel.

„Warum“, fragt Projektkoordinator Uli Brauner, „verstehen viele Schüler Mathe nicht? Weil Mathematik eine eigene Sprache hat.“ Seit einem Jahr wird „Lesen,
Schreiben, Sprechen im Mathematikunterricht der Klassen 7/8“ im Rahmen von BiSS umgesetzt.

„Wir gucken uns unseren Matheunterricht kritisch an“, sagt Brauner. Stunden werden per Video aufgezeichnet. Es wird analysiert, wie die Schüler auf die Sprache des Lehrers reagieren. Aus Fehlern, die die Lehrer machen, sollen Schlüsse gezogen werden, wie man den Unterrichtsstoff den Schülern besser vermitteln kann.

Das Projekt fügt sich in eine veränderte Gesellschaft ein, innerhalb der auch die Institution Schule einem Wandel unterzogen ist. „Man muss sehen, dass sich der Matheunterricht stark verändert hat“, erläutert Mathelehrerin Kathrin Wies. Mathematik wird längst nicht mehr frontal vermittelt; Wies spricht von „selbstentdeckendem Unterricht“.

Beim Matheunterricht will man nicht stehen bleiben. „Die Erkenntnisgewinnung aus dem Projekt soll auch auf andere Fächer – zum Beispiel auf die Naturwissenschaften – übertragen werden“, kündigt Schulleiterin Violetta Kroll-Baues an.

Das Projekt wird noch bis zum Schuljahr 2017/18 an der Willy-Brandt-Gesamtschule umgesetzt.
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