Risse wegen der Busse? Anwohner der Marienstraße beklagen Schäden an ihren Häusern

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Seit dem vergangenen Sommer gilt ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern an der Marienstraße. Doch wie einige Anwohner bemängeln, halten sich nicht alle Busse der Linie 353 daran. Klirrende Gläser und auch Risse in den Hauswänden seien die Folge, so die Anwohner. (Foto: Thiele)
 
Anwohner der Marienstraße bemängeln, dass viele Busse der Linie 353 nicht die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Stundenkilometern einhalten würden. (Foto: Thiele)

„Die Gläser klirren im Schrank“, schildert Daniela Nowak, Anwohnerin der Marienstraße in Obercastrop, die Auswirkungen, wenn ein Bus der Linie 353 zügig die Straße entlangfährt. Auch kaputte Fliesen sowie Risse in den Wänden beklagen einige Anwohner. Denn viele Busfahrer würden sich nicht an die im vergangenen Sommer eingerichtete Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Stundenkilometern halten. Doch Beschwerden bei der Bogestra hätten bisher nichts genützt, so die Anwohner.

Schon seit Langem versuchen einige Anwohner der Marienstraße zu erreichen, dass die Busse hier langsamer fahren. Erste Kontakte zur Bogestra deswegen gab es schon 2013. Im vergangenen August folgte dann ein Termin vor Ort, an dem neben dem Verkehrsunternehmen auch der EUV teilnahm. Im Anschluss wurde die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 30 auf zehn Stundenkilometer begrenzt.
Doch wie die Anwohner nun bei einem erneuten Ortstermin schildern, bestehen die Probleme weiterhin, sodass sich die Anwohner um ihre Häuser sorgen. „Wir haben unser Haus vor fünf Jahren gekauft und grundrenoviert“, so Daniela Nowak. Damals sei alles in Ordnung gewesen, doch jetzt zeigten sich Risse in den Wänden. Andere Anwohner sprechen von kaputten Fliesen.
Für sie alle besteht ein Zusammenhang mit dem stündlichen Busverkehr an der Straße, denn jedes Mal, wenn ein Bus schneller als erlaubt durch die Straße fahre, mache sich das bemerkbar. „Die Kleiderschranktür klappert“, erzählt Jens Lücke. „Mein Mann hat eine Handy-App mit Seismograph, und der schlägt aus“, erzählt Renate Zimmermann.

Alternativvorschläge der Anwohner

Deshalb machen die Anwohner zwei Alternativvorschläge. Zum einen erhoffen sie sich, dass auf der Strecke nicht mehr lange und schwere Gelenkbusse, sondern kürzere Zweiachser eingesetzt werden. Zum anderen würden sie sich eine Änderung der Linienführung wünschen, so dass der Bus 353 nicht mehr durch die Marienstraße fährt.
Dies sind sowohl für die Bogestra als auch für die Stadtverwaltung keine gangbaren Alternativen. Zwar bestätigt Sandra Bruns, Pressesprecherin der Bogestra, dass der Bus früher eine andere Strecke gefahren sei, „aber das war vor 15 Jahren. Da gab es das Neubaugebiet noch nicht“.
Zudem habe man auch in den vergangenen Monaten nochmal eine Fahrgastzählung gemacht. „Aufgeteilt auf zwei Haltestellen gibt es hier 280 Fahrgäste täglich. Das ist eine immens hohe Zahl.“ Der Bedarf sei da, so dass die Streckenführung auf jeden Fall erhalten bleibe, betont Bruns.
Auch eine Umstellung auf eine kürzere Busvariante – die zurzeit eingesetzten Gelenkbusse sind 18 Meter lang und wiegen etwa 18 Tonnen – käme nicht in Frage, da auf der gesamten Strecke der Linie 353 zeitweise bis zu 100 Fahrgäste mitführen.

Stadt möchte Linienführung beibehalten

Von Seiten der Stadt möchte man an der bestehenden Situation ebenfalls nichts ändern. Wie der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt auf Stadtanzeiger-Nachfrage erklärt, seien bei einem Jour fixe im September 2015, nachdem man sich zuvor mit der Bogestra in Verbindung gesetzt habe, auch Vertreter der Verwaltung, aus Ordnungsbereich und Verkehrswesen, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Route über die Marienstraße notwendig sei. Dobrindt begründet dies ebenfalls mit dem hohen Fahrgastaufkommen sowie der Anbindung der Buslinie an die Elisabeth­schule. „Darüber müssten die Anwohner ein Schreiben bekommen haben“, so der Beigeordnete.
Was die von den Anwohnern bemängelte Geschwindigkeitsübertretung durch die Busfahrer angeht, erklärt Sandra Bruns: „Unsere Busfahrer müssen sich an die Begrenzung halten. Das ist eine Dienstanweisung.“ Dies würde ein Großteil der Fahrer auch tun.

Meldungen an Bogestra

Die Anwohner waren in der Vergangenheit von der Bogestra aufgefordert worden, Verstöße inklusive Datum, Uhrzeit und Fahrtrichtung per E-Mail zu melden, hätten darauf aber dann keine Reaktion erhalten. „Wir wissen dann, welches Personal es ist“, versichert Bruns, dass in solchen Fällen mit den Fahrern gesprochen werde. Dies sei in der Vergangenheit mehrmals geschehen. „Den Anwohnern ist aber mitgeteilt worden, dass sie keine Rückmeldung darüber bekommen“, erläutert Bruns und bezieht sich dabei auf Datenschutzbestimmungen.
In Verbindung mit der erhöhten Geschwindigkeit der Busse machen die Anwohner vor allem den Zustand der Fahrbahndecke der Marienstraße für die Erschütterungen ihrer Häuser verantwortlich. „Das Hauptproblem sind die ausgefahrenen Straßen“, sagt Jens Lücke. „Wenn der Bus darüber fährt, übertragen sich die Schwingungen auf die Häuser.“

Straßensanierung geplant

Hier soll bald Abhilfe geschaffen werden. Nicht nur wegen der Spurrillen, sondern auch, wie EUV-Chef Michael Werner erklärt, „weil das Oberflächenwasser kreuz und quer über die Fahrbahn, aber nicht in die Sinkkästen läuft“, ist eine Sanierung der Straßenoberfläche zwischen Elisabeth- und Franzstraße geplant. Die Maßnahme steht auf der Liste der In­frastrukturmaßnahmen, die 2016 mit den Mitteln aus dem Kommunalinvestitionsförderungsfonds (KInvFög)
des Bundes umgesetzt werden sollen. Konkret ist geplant, die Fahrbahnoberfläche auf diesem Abschnitt abzufräsen, eine neue Fahrbahndecke zu erstellen und eine lärmmindernde Deckschicht einzubauen.
Die Maßnahme steht mit Gesamtkosten von 80.000 Euro auf der KInvFög-Liste, wobei die Stadt einen Eigenanteil von 8.000 Euro übernehmen müsste.
„Aus unserer Sicht haben wir damit der Sache genüge getan“, sagt Werner von Seiten des EUV als Straßenbaulastträger. Ob damit auch die Schäden an den Häusern ein Ende hätten, ließe sich jedoch nicht so einfach sagen. „Es ist schwierig nachzuvollziehen, woher die Schäden rühren.“ Man müsse sie sich genauer angucken, um die Ursache festzustellen.
Werner rechnet damit, dass die Straßendecke Mitte des Jahres erneuert wird. „Das braucht Vorlauf. Erst muss die Ausschreibung erfolgen, und mit dem Busunternehmen müssen wir uns zum Beispiel über Ersatzbushaltestellen abstimmen“, erläutert der EUV-Chef, welche vorangehenden Arbeiten erledigt werden müssen.
Die Anwohner begrüßen die Sanierung. „Es müsste aber gewährleistet sein, dass die Fahrbahndecke die Busse aushält“, fordert Jens Lücke. „Wenn sich mit dem Busverkehr nichts ändert, ist das Problem sonst bald wieder da“, befürchtet ein anderer Anwohner.
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3 Kommentare
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Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 08.01.2016 | 10:40  
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Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 08.01.2016 | 20:30  
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Burak Bas aus Castrop-Rauxel | 09.01.2016 | 12:10  
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