Schreibschrift abschaffen? Castrop-Rauxeler Grundschulleiterinnen sagen nein

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In Finnland wird im kommenden Jahr die Pflicht abgeschafft, eine Schreibschrift zu erlernen. Diese Idee findet bei Castrop-Rauxels Grundschulen keinen Anklang. (Foto: Möhlmeier)

Auf die zunehmende Computerisierung rea­giert Finnland damit, dass im kommenden Jahr für Schüler die Pflicht abgeschafft wird, eine Schreibschrift zu erlernen. Wäre dies auch eine Option für Castrop-Rauxeler Grundschulen? Bei den Leiterinnen der Elisabethschule und der Grundschule Alter Garten stößt diese Idee auf wenig Gegenliebe.

Mechthild Nuhnen, Leiterin der Grundschule Alter Garten, sieht gleich mehrere Vorteile darin, wenn Grundschüler eine Schreibschrift erlernen. „Eine verbundene Schrift lässt sich schneller schreiben, weil ich nicht immer wieder bei jedem Buchstaben neu ansetzen muss“, erläutert sie. Zudem werde ihrer Meinung nach durch das Erlernen einer Schreibschrift die Feinmotorik gefördert. Obendrein sei die Schreibschrift eine Kulturtechnik, die es zu erhalten gelte.
Grundschulen seien verpflichtet, mit einer Druckschrift zu beginnen, so Nuhnen. „Bei der verbundenen Schrift haben wir uns für die Vereinfachte Ausgangsschrift entschieden, die wir ab dem zweiten Schuljahr unterrichten.“ Am Ende der vierten Klasse sollen den Kindern dann beide Schriften zur Verfügung stehen.
„Bei der Druckschrift ist es viel verführerischer, dass alles ineinander verschwimmt“, hat Nuhnen beobachtet. „Bei einer verbundenen Schrift sind die Wortgrenzen klarer getrennt.“
Im vergangenen Schuljahr habe man im Kollegium darüber diskutiert, ob die Grundschrift einfacher für die Kinder zu erlernen sei. „Wir haben uns aber dagegen entschieden, denn es ist eine Mischform, bei der man auch immer absetzt und wieder neu anfängt“, sagt Mechthild Nuhnen.
Bei der Elisabethschule dagegen testen die Erstklässler seit diesem Schuljahr in einem Projekt die Grundschrift. Davor hat man es so wie die Grundschule Alter Garten gehalten und nach dem ersten Jahr, in dem die Druckschrift gelehrt wurde, die Vereinfachte Ausgangsschrift unterrichtet. „Wir haben die Situation längere Zeit beobachtet und festgestellt, dass bei vielen Kindern das Schriftbild nicht schön ist“, erklärt Katharina Overkott, Leiterin der Elisabethschule, den Entschluss. Außerdem sei es sehr zeit- und arbeitsintensiv, die Vereinfachte Ausgangsschrift zu erlernen, so dass die Zeit für andere Themen im Deutschunterricht fehle.
Nun lernen die aktuellen Erstklässler probehalber stattdessen die Grundschrift. „Im ersten Schuljahr ist sie genau wie die Druckschrift noch nicht verbunden. Ab dem zweiten Schuljahr werden die Buchstaben dann verbunden, aber die Schüler müssen keine neue Schrift lernen“, erklärt Overkott den erhofften Vorteil.
Die Schulleiterin weiß, dass manche ihrer Kolleginnen die Vereinfachte Ausgangsschrift wegen der vermeintlich verbesserten Feinmotorik der Schüler favorisieren, „aber das kann ich nicht feststellen“, schildert sie ihre Erfahrungen aus dem Unterricht.
Trotz der Entscheidung für das Projekt Grundschrift lehnt Katharina Overkott es ab, wie demnächst in Finnland komplett darauf zu verzichten, eine Schreibschrift zu erlernen. Denn aufgrund der verbundenen Buchstaben bei der Grundschrift sei der Schreibfluss schneller als bei der Druckschrift.
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