Serie: Kandidat privat

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Das Agora Kulturzentrum ist einer der Lieblingsorte von Rajko Kravanja. Hier traf ihn der Stadtanzeiger für unsere Serie „Kandidat privat“.
 
Für Michael Breilmann ist der Hammerkopfturm eine der schönsten Ecken im Stadtgebiet.
 
Wenn Grünen-Bürgermeisterkandidat Manfred Fiedler zu früh zu einem Termin erscheint, liest er oft in einem Buch. Am Rhein-Herne-Kanal in Henrichenburg schätzt der 54-Jährige die Ruhe, da man hier die Gedanken schweifen lassen könne. (Foto: Vera Demuth)
 
Linken-Bürgermeisterkandidat Hakan Sönger im „Martins“, einem Ort, mit dem er positive Erlebnisse assoziiert. (Foto: Vera Demuth)
 
„Ich bin immer optimistisch unterwegs“, sagt Nils Bettinger. Mit dem Bürgermeisterkandidaten der FDP startet unsere Reihe „Kandidat privat“.

Am 13. September wählt Castrop-Rauxel einen neuen Bürgermeister. Mit Rajko Kravanja (SPD), Michael Breilmann (CDU und FWI), Manfred Fiedler (Grüne), Nils Bettinger (FDP) und Hakan Sönger (Die Linke) stehen insgesamt fünf Kandidaten zur Wahl. Und da die Wahl des Stadtoberhauptes in erster Linie eine Personenwahl ist, möchten wir den Kandidaten auf den Zahn fühlen. Das tun wir mit unserer Stadtanzeiger-Serie „Kandidat privat“. Wir treffen die Bewerber auf den Chefsessel im Rathaus an einem ihrer Lieblingsorte im Stadtgebiet und sprechen mit ihnen über alles, nur nicht über Politik! An dieser Stelle werden wir Ihnen nach und nach die Kandidaten vorstellen. Die Reihenfolge ergibt sich aus der Anzahl der Sitze der jeweiligen Fraktion im Rat der Stadt.

Teil 5: Rajko Kravanja (SPD):


Warum das Agora Kulturzentrum einer seiner Lieblingsorte im Stadtgebiet ist, kann SPD-Bürgermeisterkandidat Rajko Kravanja schnell beantworten: „Hier ist es einfach herzlich, und das Zusammenleben wird im wahrsten Sinne des Wortes gelebt. “ Und so trifft man den 37-Jährigen auch privat in der Agora an.

„Hier kommen ganz viele unterschiedliche Vereine und Kulturen zusammen“, sagt er.
Apropos, Kulturen: Rajko Kravanjas Vater kommt aus Slowenien. „Das hat Zuhause aber nie eine Rolle gespielt. Ich bin nicht zweisprachig aufgewachsen und habe Slowenien immer als Urlaubsland betrachtet. Erst als ich älter wurde, habe ich mich mit der slowenischen Kultur beschäftigt. Mit 16 Jahren habe ich dann Slowenisch gelernt“, blickt er zurück. „Ich empfinde es als große Bereicherung, zwischen den Kulturen wechseln, über den Tellerrand schauen und den Blickwinkel anderer einnehmen zu können.“

Die Familie ist für Kravanja auch ein Ruhepol. „Hier wird man geerdet und kriegt eine ehrliche Rückmeldung“, lächelt er.

Technikbegeistert

Ruhe findet Rajko Kravanja nicht immer sofort, wenn er nach Hause kommt. Jedenfalls dann nicht, wenn ihn Themen wie beispielsweise die aktuelle Flüchtlingsdiskussion beschäftigen. „Dann kann ich schwer abschalten.“
Also muss Technik her. „Ich bastele dann an einer Homepage oder an technischen Geräten. Das beruhigt mich.“

Ein Tag ohne Smartphone? „Ich würde wahnsinnig werden“, lacht er. „Es ist für mich Arbeitsgerät und Kommunikationsmittel und etwas, das ich nicht missen möchte. Im Urlaub geht es auch mal ohne, im Tagesgeschäft aber nicht.“

Auch wenn er technikbegeistert ist, greift Kravanja lieber zum Buch als zum E-Book. Bei der Wahl seiner Bücher vertraut er auf Martina Tielker von der „Castroper Leselust“. „Sie hat einen guten Riecher, welche Bücher mir gefallen. Bisher wurde ich noch nicht enttäuscht“, verrät er augenzwinkernd. Sachbücher und Krimis liest er gerne.

Und was ist mit Krimis im Fernsehen? „Sonntagabend versuchen meine Frau und ich, uns freizublocken. Dann wird der Tatort geguckt.“ Und vorher wird gemeinsam gekocht. „Meine Frau gibt den Ton an, und ich bin die Hilfskraft“, lacht Kravanja. Arbeitsteilung gibt‘s auch in anderen Bereichen: „Sie wäscht, ich bügele.“
Genau wie im Beruf trägt Rajko Kravanja auch in seiner Freizeit am liebsten Hemd und Jeans. Ausgedehnte Shoppingtouren mag er nicht. „Ich bin nicht der Bummeltyp“, verrät er.

"Ruhrgebietsfans"

In seiner Freizeit unternimmt er gerne Ausflüge mit seiner Frau. „Wir sind Ruhrgebietsfans und schauen uns die Industriekultur an.“
Und wenn es auf Reisen geht, „versuchen wir, immer neue Länder zu entdecken.“ Der nächste „angepeilte Traum“: mit dem Rucksack durch Afrika.
Wie würde er sich selbst beschreiben? „Kommunikativ, Netzwerker, der Typ von nebenan.“ Er sei immer schon auf Menschen zugegangen, habe Freude daran, anderen zu helfen. „Mit zunehmendem Alter ist der Blick fürs Ganze dazugekommen“, meint er lächelnd.

Teil 4: Michael Breilmann (CDU/FWI):


Nachmittags am Hammerkopfturm auf Schwerin: Michael Breilmann, Bürgermeisterkandidat von CDU und FWI, hat diesen Ort als Treffpunkt ausgewählt. „Es ist eine der schönsten Ecken in Castrop-Rauxel“, meint der 31-Jährige. Aber eines, da sind wir uns einig, fehlt im Schatten des Hammerkopfturms: eine Bank. Doch Improvisation ist bekanntlich alles, und das Gespräch für unsere Serie „Kandidat privat“ kann beginnen.

Welche seine prägnanteste Charaktereigenschaft sei, möchte der Stadtanzeiger wissen. „Meine Freunde sagen, dass ich einer der Verlässlichsten bin. Wenn man meine Hilfe benötigt, bin ich da.“ Wegen seines „Helfersyndroms“ sei er auch Rechtsanwalt geworden, erklärt er augenzwinkernd.

Freundschaften seien ihm ganz wichtig. „Ohne Freundschaft funktioniert ein Leben nicht.“ Mit Freunden fährt er auch mal gerne an die See, in eine Ferienwohnung. „Ich bin kein Mensch, der alleine Urlaub macht.“ Am liebsten mag er die Ost- oder Nordsee. Und es muss dann nicht unbedingt Sommer sein. Denn eigentlich, sagt der 31-Jährige, sei er „ein Wintertyp. Ich mag das Gemütliche an dieser Jahreszeit. Die Weihnachtszeit ist für mich die schönste Zeit, weil alles etwas ruhiger wird und die Familie zusammenkommt.“

Absoluter Familienmensch

Er sei „ein absoluter Familienmensch“. Zwei Brüder hat er. Seinen Zwillingsbruder und ihn trennen 15 Minuten. „Ich bin der Jüngste und musste mich schon immer gut durchsetzen können“, lacht er.
Verwechslungen kamen und kommen immer wieder vor. Und ja, früher gab es auch das klassische Umsetzen im Unterricht. „Es kam vor, dass die Lehrer es nicht gemerkt haben.“ Doch schon sehr schnell seien sich die Zwillinge einig gewesen, „dass wir nicht die gleiche Kleidung tragen wollten.“ Und auch sonst seien sie recht unterschiedlich. „Mein Zwillingsbruder ist ein passionierter Koch. Das bin ich nicht, auch wenn ich kochen kann“, nennt er ein Beispiel. Dafür ist er ein „passionierter Griller“. Am liebsten kommen Bratwurst und Steaks auf den Grill.

Fußballbegeistert

Michael Breilmann ist absolut fußballbegeistert. Sein Herz schlägt für Bayern München. Und zwar dank seines Onkels. „Wer einmal in der Jugend geprägt ist, wechselt den Verein nicht mehr“, meint Breilmann. Fan wurde er in der Saison 91/92. „Es war eine der schlechtesten Saisons der Bayern.“
Er fiebere aber auch mit den Ruhrgebietsvereinen und besuche sonntags manchmal die Heimspiele des VfL Bochum.
Fußballerische „Orakelqualitäten“ haben ihm übrigens eine Kiste Bier eingebracht. „Ich habe im Dezember 2014 mit einem BVB-Fan gewettet, dass Jürgen Klopp den BVB verlassen und Thomas Tuchel neuer Trainer wird“, verrät er lachend. Bekanntlich kam es genau so.

Fußball sei die Sportart, die er am meisten passiv verfolge. Und aktiv? „Fitness, Heimtrainer und joggen“, zählt er auf. Und das nach Möglichkeit ein bis zwei Mal pro Woche. „Sport ist ein sehr guter Ausgleich“, meint Breilmann. Wenn er abends nach Hause käme, könne er nämlich nicht sofort abschalten.

Ablenkung bringt auch der einjährige Familienhund Bruno, ein Labrador. „Ich bin mit Hunden aufgewachsen, und sie haben eine wichtige Bedeutung für mich. Sie sind vollwertige Familienmitglieder. “

Wenn er Fernsehen schaut, dann laufen (neben Fußball) vorzugsweise Dokus. Oder der Tatort. Jedenfalls der Münsteraner, Stuttgarter und Kölner. Außerdem ist er ein absoluter Fan von Hape Kerkeling.
Eine Autofahrt ohne Musik ist für Michael Breilmann „schwer vorstellbar. Ich höre, was gerade in den Charts ist.“

Keine große Metropole

Und könnte er sich vorstellen, in einer großen Metropole wie Berlin oder München zu leben? „Ich glaube eher nicht“, meint er. „Castrop-Rauxel ist landschaftlich vielseitig, hat viele grüne Ecken. Und man ist sehr zentral, denn die nächsten größeren Städte sind nicht weit entfernt.“


Teil 3: Manfred Fiedler (Bündnis90/Die Grünen):


„Die Meditation ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens“. Seit er 18 Jahre alt war, meditiert der heute 54-jährige Manfred Fiedler, Bürgermeisterkandidat von Bündnis90/Die Grünen. Was ihn an der tibetischen Meditation reizt, erzählt er im Stadtanzeiger-Gespräch.
„Es hilft, im Alltag entspannter zu sein und Angst zu verlieren“, erläutert Fiedler einen seiner Beweggründe zu meditieren. Außerdem trage die Meditation dazu bei, anderen Menschen hilfreich gegenüber sein zu können. So könne man beispielsweise über Mitgefühl oder Liebe meditieren. „Oder über Dinge, die störend sind, wie Wut, Hass und Gier.“
Zu der spirituellen Praxis kam Fiedler durch Kindheitserlebnisse, die ihn geprägt haben. Sein Vater verunglückte tödlich in einem Stollen, als Fiedler zwei Jahre alt war. Und in jungen Jahren erlebte er weitere Todesfälle im nahen Verwandten- und Freundeskreis. „Ich habe lange gesucht, wie ich damit umgehen kann“, erzählt er. Letztlich hat er die Meditation für sich entdeckt.

Kurzgeschichten und Buchprojekt

Mit seiner Vergangenheit setzt der 54-Jährige sich auch schreibend auseinander. Schon seit Langem verfasst er Kurzgeschichten („Heutzutage vor allem für mich.“), aber zurzeit arbeitet er auch an „etwas, das etwas länger wird. Ein paar hundert Seiten.“ Der geplante Text geht stark in Richtung Fantasy, ein Genre, das er als Leser durchaus mag, auch wenn er vor allem Sachbücher liest. Sein eigenes Buch wird zudem philosophische Fragestellungen beinhalten. „Es geht darum, dass Menschen an materiellen Dingen hängen, eine Sucht nach Leben haben und dadurch anderen Menschen Schaden zufügen“, erläutert Fiedler. Dieses Werk würde er gern veröffentlichen. Der Plot steht bereits. „Das muss sein. Sonst schreibt man querfeldein.“
Wenn es ums Laufen geht, hat Manfred Fiedler allerdings eine Vorliebe für querfeldein. „Es sind andere Anforderungen als beim Joggen.“ Beim Querfeldeinlauf sei mehr Körperbeherrschung gefragt. „Man muss viel mehr acht geben, wo man hintritt und -springt.“ Besonders gern läuft er im Winter über gefrorenen Waldboden.
Auch beim Fahrradfahren stellt Fiedler hohe Anforderungen an sich, weswegen er am liebsten allein fährt. „Das kann ich keinem anderen zumuten“, erläutert er, dass er so sein schnelles Tempo selbst bestimmen könne.

Beim Tauchen für andere verantwortlich sein

Beim Tauchen dagegen, einem weiteren Hobby des 54-Jährigen, geht es nicht ohne Partner. Wegen der Sicherheit sei es ganz wichtig, dass man einen habe. „Es ist ein Sport, bei dem man für andere verantwortlich sein kann“, erklärt Fiedler seine Faszination fürs Tauchen, die über das Betrachten der Schönheit der Unterwasserwelt hinausgeht. In der Vergangenheit ist er nicht nur in lokalen Gewässern, sondern auch im Mittelmeer und im Roten Meer getaucht. Da ihm aber zurzeit der Tauchpartner fehlt, muss er auf dieses Hobby verzichten.
Bisweilen mediterran, aber vor allem asiatisch geht es zu, wenn Manfred Fiedler kocht. Wenn es die Zeit dem freiberuflichen Dozenten und Berater im Gesundheitsbereich erlaubt, übernehme er mindestens die Hälfte des Kochens im Haushalt, erzählt er. Viel Gemüse kommt dann auf den Tisch, auch wenn er betont: „Ich bin kein Vegetarier und erst recht kein Veganer.“ Und wenn er nur für sich kochen würde, dürfte es auch öfter mal Eintopf sein, verrät er.

Gesang in einer Rock‘n‘Roll-Band

Einmal pro Woche nimmt Fiedler sich außerdem Zeit, um in einer Rock‘n‘Roll-Band zu spielen. Seit Ende 2014 gibt es die Formation, in der er die Rhythmusgitarre und vor allem den Gesang übernimmt. „Ich komponiere selbst, aber überwiegend spielen wir nach.“ Joe Cocker ist der Sänger, dem er am liebsten zuhört und den er auch am liebsten nachsingt.


Teil 2: Hakan Sönger (Die Linke):


„Ich bin mehr ein Denker“, sagt Hakan Sönger. Der Gegenpol dazu sei das Handeln, beschreibt der 32-jährige Bürgermeisterkandidat der Linken sich selbst. „Ich versuche zu durchdenken, um zu machen. Ich bin auch ein Macher“, verrät er.
Der „Macher“ Hakan Sönger zeigt sich auch im privaten Bereich. Mit 13 Jahren meldete er sich auf eigene Faust im Fußballverein an, da seine Mutter es ihm nicht erlaubt hätte. Vor etwa sieben Jahren hat er angefangen, sich das Spielen auf der Langhalslaute (Baglama) beizubringen. „Die Gitarre soll noch kommen“, erzählt er. Und mit 29 Jahren legte er den Motorradführerschein ab, „da ich mir vorgenommen hatte, ihn vor meinem 30. Geburtstag zu machen“.
Neben dem Spaß an seinen Hobbys schätzt Sönger auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihnen. So steht das Mitglied von Eintracht Ickern nicht nur beim Training und bei den Spielen auf dem Platz, sondern packt zum Beispiel auch bei Vereinsveranstaltungen mit an. So ist er kürzlich bei einem Turnier gegen Rassismus am Grill eingesprungen. „Das Mitgestalten im Verein ist mir sehr wichtig.“
Wenn Sönger fernsieht, bleibt der Schalke-Fan sowohl beim Fußball als auch beim Boxen hängen. „Ich habe selbst acht Jahre lang geboxt“, erzählt er.

Integration und Diskriminierung

„Sport ist der Schlüssel zur Integration“, ist der 32-Jährige überzeugt. Dabei mache man viele positive Erfahrungen, erhalte Zugang zu Freundschaften und bekomme Anerkennung. „Das führt zu einer anderen Selbstwahrnehmung“, beschreibt er. Auch Sönger selbst profitierte in seiner Jugend davon.
Der gebürtige Recklinghäuser ist in einer Mehrgenerationenfamilie aufgewachsen. „Die Erstsprache war Türkisch, aber mit meiner Mutter und meiner Tante habe ich auch deutsch gesprochen, mit den Großeltern türkisch“, erinnert er sich und bezeichnet es als Glück, beide Kulturen zu haben.
Allerdings macht er aufgrund seiner türkischen Herkunft bis heute auch negative Erfahrungen. „,Ich bin kein Nazi, aber...‘ oder ,Ich habe nichts gegen Türken, aber...‘“, nennt er Sätze, die er schon gehört hat. „Das ist die größte Diskriminierung, die man von sich geben kann“, macht Sönger deutlich. „Das macht mich traurig.“ Grundsätzlich ist er aber der Meinung, dass die Integration ausländischer Mitbürger in Castrop-Rauxel und im gesamten Ruhrgebiet ausgeprägt ist.

Musik als ständiger Begleiter

Musik ist ein ständiger Begleiter für Hakan Sönger. „Beim Autofahren läuft in den meisten Fällen Musik.“ Jegliche Form hört er – auf Englisch („Vor allem Oasis.“), Türkisch und Deutsch. „Wenn sie was zu sagen haben, höre ich gern hin“, sagt er über seine Lieblingsbands. Im Bereich Deutschpop gehören Silbermond sowie Ich + Ich zu seinen Favoriten. Außerdem beeindruckt ihn die türkische Volksmusik sehr. „Viele Lieder sind über Hunderte von Jahren überliefert worden. Außerdem erzählen sie Geschichten“, erläutert der 32-Jährige, was ihn neben Melodik und Harmonie an den Volksliedern berührt.
Wenn es um Bücher geht, liest Sönger, „was in der Welt passiert“. Zurzeit beschäftigt er sich mit Jürgen Todenhöfers Buch „Inside IS – 10 Tage im ,Islamischen Staat‘“. Davor hat er das Buch „Im Haus der Weisheit“ von Jim Al-Khalili gelesen. „Darin geht es um die Erfindungen des Islam“, erläutert er. Für Krimis oder andere Unterhaltungsromane als Entspannungslektüre ist der 32-Jährige dagegen gar nicht zu haben.

Entspannung im Fitnessstudio

Wenn Sönger etwa nach einem anstrengenden Arbeitstag als Lehrer an einer Grundschule Entspannung sucht, dann „ist meine Familie mein erster Ruhepol“, sagt er über seine Frau und die mittlerweile 13-jährige Tochter, die seine Frau mit in die Ehe gebracht hat. „Danach setze ich mir Kopfhörer auf, packe meine Tasche und gehe zum Sport.“ Im Fitnessstudio „mache ich mich dann körperlich fertig“, erklärt er sein Rezept, die Anspannung eines Tages hinter sich zu lassen. „Es fällt mir schwer, mich einfach hinzulegen und nichts zu tun.“


Teil 1: Nils Bettinger (FDP):


Es ist hochsommerlich warm. Nils Bettinger hat vorgesorgt und ein schattiges Plätzchen am Treffpunkt ausgewählt. Und jetzt sitzen wir unter der Markise an der Gaststätte „Kulisse“, im Herzen der Altstadt. Hier trifft man den Bürgermeisterkandidaten der FDP auch privat an.

„Als ich 2001 von Herten nach Castrop-Rauxel zurückgezogen bin, habe ich in der zweiten Etage dieses Hauses gewohnt. Da ergibt es sich irgendwie, dass man öfter runter in die Kulisse geht“, lächelt Nils Bettinger. Zwischenzeitlich habe er auch in der „Kulisse“ gejobbt. „Es ist sehr herzlich hier, und ich habe viele Leute kennengelernt.“ Das merkt man während unseres Gespräches. Viele, die vorbeigehen, grüßen, man wechselt ein Wort.

"Ich kann schlecht abschalten"

Mittlerweile wohnt Nils Bettinger zwar noch in der Altstadt, aber nicht mehr über der „Kulisse“. Er kommt trotzdem nach wie vor gerne her. Auf dem Tisch steht meistens ein Milchkaffee oder ein Latte Macchiato. Abends dann auch mal eine Weißweinschorle. Und es wird auch schon mal gerne eine Runde geknobelt.
Abschalten könne er jedoch schlecht. „Damit habe ich ein richtiges Problem“, bekennt der 42-Jährige.
In Zeiten von WhatsApp und Co. „rasselt es immer auf dem Handy.“ Einen Tag ohne Smartphone? Das würde ihm schon schwerfallen. „Ich kann auch ohne. Aber dann würde ich rappelig werden“, erklärt er augenzwinkernd. „Ich bin ständig verfügbar. Vielleicht sollte ich das etwas reduzieren“, überlegt Bettinger. „Aber es bereitet mir auch Spaß.“

Entspannung findet er am besten auf der Couch. „Der Kater legt sich dazu, der Fernseher läuft, und ich lasse mich berieseln.“ Er schaut gerne Serien. „Game of Thrones“ und „Shameless“ stehen bei ihm hoch im Kurs. „Blade Runner“ ist Bettingers „absoluter Lieblingsfilm“.
Und für 3D-Filme setze er sich auch gerne ins Kino.

Er sei ein „sehr technikaffiner Mensch.“ Aber es darf auch mal gerne ein Brettspiel sein. „Es kann durchaus passieren, dass man mit Freunden acht Stunden lang ‚Risiko‘ spielt“, lacht er. Freundschaft bedeute ihm sehr viel. „Ich bin dankbar, dass sie mir nicht böse sind, wenn mal Funkstille ist. Das macht eine gute Freundschaft aus“, meint er.

Was Musik angeht, hört der gelernte Datenverarbeitungskaufmann viel Elektronik. Seine erste Platte? „Von Kraftwerk. Und die erste Maxi-Single war von Depeche Mode. Ich finde nach wie vor, dass das eine gute Wahl war“, lächelt er.

"Ich habe durchaus Ecken und Kanten"

Und wie würde er sich selbst beschreiben? „Ich bin ein sehr organisierter Mensch mit hohem sozialen Einschlag und habe durchaus Ecken und Kanten. Ich bin sehr vernünftig unterwegs – aber bei mir selbst nicht immer. Ich müsste mehr auf meine Ernährung achten und mehr Sport treiben“, sagt er. Sportbegeistert sei er jedoch nicht. „Ich war jahrelang passives Mitglied im Fitnessstudio. Zunächst ist da Aktionismus, aber dann schläft es ein.“

Doch auch als Zuschauer fängt ihn der Sport nicht wirklich ein. Man könne ihn als „latenten Schalke-Fan“ bezeichnen, meint Bettinger. „Ich verfolge die Tabelle und freue mich, wenn die Ruhrgebietsvereine vorne liegen.“

Castrop-Rauxel ist für Nils Bettinger „eine Insel inmitten von großen Städten. Ich habe den Eindruck, hier ticken die Uhren in einem anderen Takt. Und das macht die Stadt liebenswert.“
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