Übergangsklassen gab es schon in den 70ern

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Insgesamt zwischen 120 bis 160 Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien werden in diesem Schuljahr an fünf weiterführenden Schulen in Vorbereitungsklassen unterrichtet. Neu sind solche Klassen aber nicht. Wie aus den Tätigkeitsberichten des Schulverwaltungsamtes hervorgeht, wurde im Schuljahr 1971/72 eine „Übergangsklasse für Kinder türkischer Gastarbeiter“ eingerichtet.

Im Bericht des folgenden Jahres ist zu lesen, dass „zu der schon bestehenden Übergangsklasse für türkische Kinder (…) weitere Übergangsklassen für ausländische Schulkinder eingerichtet“ wurden, während es im Bericht von 1977 heißt, dass unter den Schülern „Gastarbeiterkinder (sind), die teils in Normalklassen integriert, teils in Vorbereitungsklassen (…) unterrichtet wurden. Spätaussiedlerkinder erfuhren eine besondere schulische Förderung“.
In den Folgejahren nahm die Zahl der Klassen wieder ab. So kann man im Bericht von 1982 nachlesen: „Mit fortschreitender Integration von Kindern ausländischer Arbeitnehmer in die deutschen Regelklassen konnte die Zahl der Vorbereitungsklassen weiter reduziert werden. Am Ende des Berichtsjahres wurden nur noch drei Vorbereitungsklassen für türkische und zwei für griechische Kinder unterhalten.“

Balkankrieg

Spätestens mit dem Ausbruch des Balkankriegs wurde das Angebot aber wieder aufgenommen. Da gab es ab 1992/93 an der Schillerschule eine Auffangklasse. Der absolute Höhepunkt sei etwa 1996 gewesen, als nicht nur Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien kamen, sondern auch Aussiedler aus den GUS-Staaten. „Da haben wir dann eine zweite Auffangklasse aufgemacht“, erinnerte sich der frühere Lehrer Hubert Fahrland-Klar anlässlich seiner Pensionierung Anfang 2015. Insgesamt brachte er Kindern und Jugendlichen aus 45 Herkunftsländern die deutsche Sprache bei.
Aktuell gibt es in den weiterführenden Schulen acht Vorbereitungsklassen: für die Jahrgangsstufen 5 bis 7 drei Klassen an der Sekundarschule Süd sowie eine am Adalbert-Stifter-Gymnasium und für die Stufen 8 bis 10 zwei Klassen an der Franz-Hillebrand-Hauptschule sowie je eine an der Willy-Brandt- und an der Janusz-Korczak-Gesamtschule. Bei den Grundschulen setzt man dagegen nicht mehr auf Vorbereitungsklassen, wie sie zum Beispiel 2008 an der mittlerweile geschlossenen Schule Grüner Weg bestand. Jetzt werden „alle Kinder in Regelklassen integriert und haben dort zu bestimmten Zeiten gesondert Deutschunterricht“, erklärt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann.

Muttersprachlicher Unterricht

An Castrop-Rauxels Schulen wird aber nicht nur Deutschunterricht für ausländische Schüler erteilt, sondern auch muttersprachlicher Unterricht. So heißt es 1981 im Bericht des Schulverwaltungsamts: „Für Kinder griechischer, türkischer und jugoslawischer Arbeitnehmer wurde muttersprachlicher Unterricht durchgeführt.“ Und wie Hilleringmann weiß, gibt es auch heute noch Unterricht in der jeweiligen Landessprache. Laut eines Erlasses des NRW-Ministeriums für Schule und Weiterbildung wird der Unterricht in der Primarstufe angeboten, „wenn eine mindestens 15 Schüler umfassende Lerngruppe dauerhaft ermöglicht werden kann“. Für die Sekundarstufe I beträgt die Mindestzahl 18 Schüler der gleichen Herkunftssprache.
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