Voneinander lernen: Acht Flüchtlingskinder besuchen Kita St. Marien

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Im Katholischen Kindergarten St. Marien in Merklinde spielen Castrop-Rauxeler Kinder und Flüchtlingskinder gemeinsam.

„Memory, Halli Galli, mit Spielzeug, in der Puppenecke, auf dem Bauteppich“, zählen Emily, Jonas und Mia vom Katholischen Kindergarten St. Marien in Merklinde auf, wie und was sie mit einem fünfjährigen Flüchtlingsmädchen aus Syrien spielen, das seit einiger Zeit ebenfalls die Kita besucht.

Acht Flüchtlingskinder betreut der Kindergarten, den insgesamt 57 Kinder zwischen einem und sechs Jahren besuchen. „Das funktioniert wirklich gut“, sagt Leiterin Martina Hamel-Schöpper über das Miteinander von Castrop-Rauxeler Kindern und Flüchtlingskindern.
Schon seit Langem nimmt die Kita immer mal Kinder auf, die in den Flüchtlingsunterkünften an der Harkortstraße wohnen. „Aber nicht so geballt“, erklärt Hamel-Schöpper. Erst im Laufe der vergangenen zwei Jahre habe sich die Zahl erhöht.
Zwei Kinder aus Syrien, drei aus Afghanistan und drei aus Aserbaidschan sind es aktuell. Das bedeutet eine sprachliche Barriere, da die Jungen und Mädchen zumindest zunächst kein Deutsch sprechen, während die zehn Erzieher keine der Muttersprachen der Flüchtlingskinder beherrschen.

Zeigen ersetzt die Sprache

„Wir zeigen unheimlich viel und nehmen die Kinder an die Hand“, so Hamel-Schöpper. Zum Beispiel wenn es darum geht, zu erklären, wie ein Spiel funktioniert. Wenn stattdessen deutlich gemacht werden soll, dass ein Kind etwas unterlassen soll, „können die Kinder das oft am Tonfall und an Gestik und Mimik ablesen“, erläutert die Leiterin.
„Sprachförderung findet mit jedem Lied statt.“ Und auch beim Essen ergebe sich die Möglichkeit, den Kindern Wörter beizubringen. „Man fragt zum Beispiel, ,Was ist das?‘ Eine Gurke.“ Das werde eigentlich bei allen Kita-Kindern gemacht, aber bei den Flüchtlingskindern achte man noch mehr darauf, dass sie es mitbekämen, so Hamel-Schöpper.
„Die Kinder lernen schnell und viel von den anderen.“ Schon nach einigen Monaten würden sie einiges an Deutsch können. „Manche sprechen vier Monate gar nichts und dann auf einmal ganz viel. Andere fangen peu à peu an zu sprechen“, weiß die Leiterin, wie unterschiedlich Kinder eine Sprache erlernen.
Auch wenn es ums Spielen geht, übernehmen die Flüchtlingskinder viel von den anderen Jungen und Mädchen. „Seit August haben wir ein syrisches Mädchen. Sie guckt sich alles bei den anderen Kinder an und dann macht sie es nach.“

Spielerisch voneinander lernen

Gemeinsam sitzen die Castrop-Rauxeler Kinder und die Flüchtlingskinder in ihren Gruppenräumen an den Tischen. Während an dem einen gemalt wird, entstehen an dem anderen aus Bauklötzen Türme. Gemeinsam wird auch gespielt. Eine lange Liste an Spielen können Emily, Jonas und Mia nennen, die sie mit einem syrischen Mädchen spielen. Sie erzählen aber auch, dass es schwierig sei, „weil sie uns nicht versteht“.
Fabian und Tomek ist aufgefallen, dass ein knapp vierjähriger Junge aus Afghanistan „immer kämpfen will“. Das mögen sie nicht so gern.
Dass der Junge oft Schießen spielen möchte, hat auch Hamel-Schöpper bemerkt. „Da gibt es aber auch deutsche Jungen, die das gern spielen“, sagt sie. Ein Flüchtlingsmädchen sei sehr zurückhaltend. „Liegt das an Kriegserlebnissen, oder ist sie einfach nur schüchtern?“, verdeutlicht Hamel-Schöpper, wie schwer es sei, dies zu entscheiden.
„Wir hatten bisher Glück, dass noch nie offensichtlich traumatisierte Kinder dabei waren.“ Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, würde die Kita-Leiterin sich eine Fortbildung für sich und ihre Kollegen wünschen. „Das kommt aber ins Rollen“, blickt sie zuversichtlich in die Zukunft.
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