Wenn nur zehn Euro am Tag zum Leben bleiben

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Viele Rentner erhalten so wenig Rente, dass sie nicht wissen, wie sie ihre täglichen Kosten bestreiten sollen. Foto: Archiv (Foto: Archiv)

„Wir kämpfen für die älteren Menschen, die ihr Leben lang fleißig waren, aber nur wenig verdient haben. Für sie muss es die Solidarrente geben: 850 Euro mindestens“, sagte Irmgard Larose, Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 Plus, am letzten Samstag beim traditionellen Seniorennachmittag der AG. Denn viele Rentner bekommen weniger Rente. Einer von ihnen ist Klaus Reinhard (Name geändert).

Letztes Jahr ging seine Waschmaschine kaputt, doch von seiner Rente konnte er sich keine neue leisten. Stattdessen hat ihm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Geld vorgestreckt. „Gerade habe ich die letzte Rate abbezahlt. Zehn mal 40 Euro“, berichtet Klaus Reinhard.
Knapp 650 Euro Rente bekommt der 63-Jährige, der in einer 44 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Hinzu kommen rund 150 Euro monatlich, die er vom LWL als Kriegsopferfürsorge erhält, da er während seiner Bundeswehrzeit schwer erkrankte.
Wie bei vielen anderen Menschen auch war Klaus Reinhards Arbeitsweg nicht geradlinig, aber gearbeitet hat er immer. 1964 begann er eine Lehre als Technischer Zeichner, später leistete er seinen Wehrdienst ab, holte sein Fachabitur nach und studierte Maschinenbau. Von 1980 bis Mitte der 1990er Jahre arbeitete er als Ingenieur. Alles lief glatt. „Durchschnittlich habe ich 5.000 DM brutto verdient“, erzählt er, „aber dann ist die Firma pleite gegangen.“ Reinhard war Mitte 40 und hat nie wieder eine Anstellung als Ingenieur gefunden. „Entweder hieß es, ich sei zu alt, oder dass ich nicht genug Computerkenntnisse hätte“, erinnert er sich. Stattdessen trug er in den nächsten 13 Jahren Zeitungen und Werbeprospekte aus. „Ich musste ja von irgend­etwas leben.“
2009 wurde Reinhard mit 60 Jahren Rentner. Von den rund 800 Euro, die ihm monatlich zur Verfügung stehen, muss er etwa 500 Euro für Miete, Strom, Wasser und Kabelfernsehen aufbringen. „Für Essen und Trinken bleiben mir 300 Euro, also zehn Euro am Tag“, erklärt er. Wobei er bei seiner Rechnung Kleidung unberücksichtigt lässt, denn „Schuhe habe ich dieses Jahr noch gar nicht gekauft.“ Auch ein gelegentlicher Kinobesuch ist nicht drin.
Seit einigen Jahren kommt er etwa alle 14 Tage zur Tafel in den Räumen der Caritas, um dort für zwei Euro Lebensmittel zusätzlich zu denen, die er im Supermarkt ersteht, einzukaufen. „Brot, Gemüse, Obst, Aufschnitt und Joghurt – je nach dem, was da ist“, zählt Klaus Reinhard auf, was er dann kauft. „Ich habe kein Problem damit, zur Tafel zu gehen. Ich bin halt kein Krösus“, sagt er lakonisch.
Nichtsdestotrotz hatte er sich in jüngeren Jahren sein Rentnerdasein anders vorstellt. Früher, als er noch verheiratet war, fuhr die Familie einmal im Jahr zur Ostsee. „Ich habe gedacht, als Rentner könnte ich dann vielleicht zweimal fahren, aber Urlaub ist für mich gestorben“, bilanziert er.
Hoffnung, dass sich nach der Bundestagswahl irgendetwas zugunsten der finanziell schlecht gestellten Rentner ändert, hat Reinhard nicht. „Aber grundsätzlich sollte etwas in puncto Rentenanpassung passieren.“ Vor allem die hohen Bezüge der Politiker sind ihm ein Dorn im Auge. „Warum bekommt ein Christian Wulff, der keine zwei Jahre im Amt war, dafür 200.000 Euro im Jahr?“, möchte er wissen.
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