"Wir leben!"

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Einige Bewohner und die "Spendenkonto-Initiatoren" vor dem Brandhaus (v.l.): Peter König, Helmut Becker, Sarah Babilas, Cindy Becker, Ulrike Pauß, Stefanie Babilas und Karin Becker. Foto: Thiele

"Wir haben gar nichts mehr. Es ist alles weg. Aber das Wichtigste ist: Wir leben! Alles andere kann man ersetzen", sagt Peter König (62). Er ist einer der Bewohner des Sechsfamilienhauses an der Kirchstraße, in dem am Morgen des 26. Juli in einer Erdgeschosswohnung ein Feuer ausbrach, das schnell auf die anderen Etagen übergriff. Die Rettung erfolgte buchstäblich in letzter Sekunde. Und die Erinnerungen sind noch längst nicht verblasst.

"Wir haben ganz oben gewohnt. Ein Feuerwehrmann ohne Schutzkleidung rettete uns das Leben. Innerhalb der nächsten Minute wären wir weg gewesen. Darüber darf man nicht nachdenken." Peter König stehen Tränen in den Augen. Die Bilder haben sich im Gedächtnis festgesetzt. "Man träumt davon", meint Karin Becker (59).

Die Brandopfer durften ihr Zuhause bis dato nicht betreten und kamen bei Verwandten und Freunden unter. "Dafür sind wir unendlich dankbar." Einige haben eine neue Wohnung gefunden. Andere noch nicht. "Wir wohnen bei der Schwiegertochter", erzählt Peter König. "Wir suchen eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung für uns und unseren Hund. Bisher ohne Erfolg."

"Wir leben an drei verschiedenen Orten", erzählen die Beckers. Die Familie wünscht sich, in ihr altes Zuhause zurückkehren zu können. "Wir wollen einfach wieder nach Hause", erklärt Cindy Becker (23). Und Karin Becker ergänzt: "Wenn ich weiß, dass alles wieder neu aufgebaut wird, kommen wir zurück."
Obwohl es das Geburtshaus seiner Frau sei, ist eine Rückkehr für Familie König indes ausgeschlossen. Man habe jetzt noch an den Folgen "zu knacken", erklärt Peter König.

Gestern (4. Oktober) sollten die Bewohner die Gelegenheit erhalten, ihr altes Zuhause in Begleitung betreten zu dürfen. "Ich weiß nicht, wie es aussehen wird. Es soll katastrophal sein", erklärt Dieter Becker (65) vor der Begehung. "Ich werde nicht mitgehen. Ich kann das nicht", meint seine Frau.
Das Ergebnis sogenannter Kernbohrungen erwarten die Bewohner mit Spannung. Bisher war immer die Rede davon gewesen, dass das Haus abgerissen werden müsse.

Dank an die Castrop-Rauxeler

Für die Unterstützung der Castrop-Rauxeler sind die Betroffenen sehr dankbar. "Das war wirklich eine Welle der Hilfsbereitschaft." Stefanie und Sarah Babilas sowie Ulrike Pauß hatten via Facebook eine Spendenaktion für die Brandopfer ins Leben gerufen. Sarah Babilas war Zeuge des Brandes geworden. "So etwas habe ich noch nie gesehen. Es hat lichterloh gebrannt. Die Menschen haben alles verloren." Das auf dem Spendenkonto eingegangene Geld wurde nun zu gleichen Teilen unter den sechs Parteien aufgeteilt, so dass jede Partei 2.305 Euro erhält.
"Ickern ist ein Ortsteil, der zusammenhält", freut sich Karin Becker. Der Brand hat vieles verändert. "Man denkt anders nach und lebt bewusster. Und man weiß Dinge mehr zu schätzen."
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