Zwei Wochen im Grutholz im Zelt gelebt

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Wolfgang Heibel mit seiner Hündin Tina.

Eine weihnachtliche Lichterkette leuchtet im Fenster von Wolfgang Heibel. Das ist nicht ganz selbstverständlich. Denn nachdem der 63-Jährige nach einem gescheiterten Versuch, in Thüringen Fuß zu fassen, nach Castrop-Rauxel zurückgekehrt war, lebte er zunächst fast zwei Wochen in einem Zelt im Grutholz.

In Eisenach wollte der gebürtige Castrop-Rauxeler seinen Lebensabend verbringen und zog im September dorthin. Der Plan war, gemeinsam mit einem langjährigen Freund ein altes Fachwerkhaus zu restaurieren und zu vermieten, um die Rente aufzubessern. Doch die beiden Freunde überwarfen sich, und Wolfgang Heibel kam Mitte November nach Castrop-Rauxel zurück.
„Ich galt hier nicht als obdachlos, weil ich in Eisenach eine Unterkunft hatte“, schildert Heibel, der vom Jobcenter unterstützt wird, das Problem, mit dem er in der Heimat konfrontiert wurde. Also schlug er für knapp zwei Wochen im Grutholz im wahrsten Sinne des Wortes ein Zelt auf.
Während dieser Zeit vermisste er vor allem seinen Hund Tina, den er nicht ständig bei sich haben konnte. Die französisch-belgische Schäferhündin übernachtete zum Teil im Tierheim und wurde dort versorgt.
Heibel selbst freute sich über die zahlreiche Hilfe, die ihm während seines Aufenthaltes im Grutholz zuteil wurde. „Decken, Kleidung, Hundefutter und auch Kleingeld habe ich bekommen.“ Mit den Decken und auch mit Luftmatratze und mit Schlafsack ließ es sich im Zelt aushalten.

Möbliertes Zimmer

Doch nun ist er froh, mit Hilfe des Jobcenters ein möbliertes Zimmer gefunden zu haben. Dies klappte schneller als gedacht. „Ich hatte einen Termin für den kommenden Montag, aber dann hat mich jemand vom Jobcenter schon am Donnerstag auf der Straße angesprochen, dass man ein Zimmer für mich habe“, erinnert er sich.
„Hier ist es nicht nass, und die Stube ist warm“, weiß er seine neue Unterkunft zu schätzen. Mittlerweile konnte er sich das Zimmer wohnlicher einrichten und auch ein wenig weihnachtlich schmücken.
Sehr dankbar ist Wolfgang Heibel für die Hilfe, die er während dieser Wochen von so vielen Menschen erhalten hat: die Spender, die Mitarbeiter des Jobcenters und des Tierheims und auch der Ukrainer Vitali, der ihm bei einem seiner Spaziergänge am Kanal half, Hündin Tina über einen Zaun zu heben.
„Ich habe das Bedürfnis, etwas zurückzugeben“, erklärt Heibel. Deswegen hat er es sich schon seit Längerem zur Aufgabe gemacht, Abfall von Straßen, Wiesen und Gehölzen zu beseitigen und in Mülltonnen zu entsorgen. „Und wenn ich eine Dose oder eine Flasche finde, kaufe ich von dem Pfand Hundefutter“, sagt der 63-Jährige mit einem Augenzwinkern.
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