Zwölf Jahre „Katzenoma“: Gerda Michelus (92) kümmerte sich um freilaufende Katzen

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Im Gegensatz zu dieser Stoffkatze waren die Katzen, um die sich Gerda Michelus zwölf Jahre lang gekümmert hat, schwarz.

„Meine Schätzchen“ nennt die Obercastroperin Gerda Michelus die fünf freilaufenden Katzen, um die sich die heute 92-Jährige zwölf Jahre lang mit Unterstützung des Tierheims gekümmert hat. Eines der Tiere wurde besonders zutraulich, doch zum Ende des Jahres ist es verstorben, und damit endete auch Michelus‘ Dasein als „Katzenoma“.

Nachbarn haben sie so genannt, aber das stört die Seniorin nicht. „Das stimmt doch“, sagt sie über die Aufgabe, in der sie ganz aufgegangen ist.
Von Kindheit an ist Gerda Michelus Tiere gewöhnt. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Kotten in Witten, wo es nicht nur Katzen, sondern auch Hund, Pferd, Kuh und Schweine gab. Viel später übernahm sie eine Katze ihres Sohnes Herbert und hatte sie 17 Jahre lang als Haustier.
Und seit 2003 sorgte sie für eine wilde Katze, die im Umkreis ihrer Wohnung lebte, und deren vierköpfigen Nachwuchs. „Die Katze kam an und hat mir ihre Neugeborenen gezeigt“, erinnert sich Michelus. Als die Kleinen etwas größer waren, fing sie an, sie mit verdünnter Milch zu versorgen.

Unterstützung vom Tierheim

Auf Anraten ihrer Tochter wandte sie sich außerdem hilfesuchend an die Stadt, die sie wiederum ans Tierheim verwies. Da Gerda Michelus ihre „Schätzchen“ gern behalten wollte, unterstützte sie das Tierheim daraufhin und lieferte regelmäßig Futter für die Katzen.
Peu à peu tauchten einige der Tiere immer seltener bei der „Katzenoma“ auf. Die Mutter, die Michelus nach einer Operation in ihrem Keller wieder hochpäppelte, kam nach einiger Zeit nicht mehr. Und auch eine der vier jungen Katzen blieb eines Tages weg.
Von zwei anderen weiß Michelus, dass sie sich oft auf einer Wiese in der Umgebung aufhielten. „Die Wiese ist voller Katzen.“ Doch bis zum vergangenen Sommer kamen die beiden regelmäßig alle zwei, drei Tage zu Gerda Michelus zurück. „Wenn sie Hunger hatten.“
Treu bis zum Ende ist ihr die kleinste Katze des Wurfs geblieben. „Einmal ist sie mit zu der Wiese gegangen, aber danach kam sie wie nach einer Klopperei ganz strubbelig zurück.“

Katzenfutter und Fleischwurst

Dieses „Schätzchen“, das im Gegensatz zu seinen Geschwistern nicht ganz schwarz war, sondern einen kleinen weißen Fleck an der Stirn hatte, verwöhnte Michelus nicht nur mit Katzenfutter und einer morgendlichen Portion Fleischwurst.
War die Katze zunächst noch scheu, wurde sie mit der Zeit immer zutraulicher. „Ich habe auf einer Bank gesessen, die Katze auf einer anderen. Auf einmal sitzt sie neben mir und legt mir eine Tatze aufs Bein.“ Schließlich legte sich die Katze auf ihren Schoß, und fortan blieb es dabei. „Immer wenn ich mit Tuch und Kissen kam, ist die Katze angekommen und hat sich auf meinen Schoß gesetzt“, erzählt Michelus.
Auch an ihrem letzten Lebenstag wollte die Katze wieder hoch auf den Schoß springen, schaffte es aber nicht. „Ich habe sie hochgenommen und ich sollte sie streicheln.“ Schließlich setzte Michelus das Tier wieder auf die Erde. „Sie hat einen Schluck Wasser getrunken und sich zu mir umgedreht. Dann noch einmal, und das war es dann.“

"Schätzchen" war Familienmitglied

Seit dem Tod der Katze, vermisst die 92-Jährige das Tier sehr. „Das war ein Familienmitglied.“ Eine neue Katze will sie aber nicht wieder pflegen. Deshalb hat sie sich nun auch beim Tierheim verabschiedet und sich für dessen langjährige Unterstützung bedankt.
Doch durchs Schlafzimmerfenster, durch das sie jeden Morgen nach ihrem „Schätzchen“ gesehen hat, hält Gerda Michelus weiterhin nach den beiden Geschwistern Ausschau, ob sie vielleicht noch einmal den Weg von der „Katzenwiese“ zu ihrem Haus finden.
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