150 Jahre SPD: Interview mit SPD-Chef Rajko Kravanja

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Mit einem Familienfest feierte die Castrop-Rauxeler SPD am Sonntag (1. September) den 150. Geburtstag der Partei im Kulturzentrum Agora. Seit Jahrzehnten engagieren sich die Sozialdemokratinnen Annette Delord (l.) und Minchen Noelle (im Bild mit Rajko Kravanja) für ihre Partei.

150 Jahre SPD – das wurde am Sonntag (1. September) mit einem Familienfest im Kulturzentrum Agora gefeiert. Wir sprachen mit SPD-Chef Rajko Kravanja über politische Vorbilder, Politikverdrossenheit und Peer Steinbrück.

150 Jahre SPD: Das ist ein Grund zu feiern, weil...
Rajko Kravanja: ... wir die Partei mit der längsten Tradition sind und stolz darauf sein können, was die SPD in 150 Jahren erreicht hat.

Können Sie ein prägnantes Beispiel nennen?
Rajko Kravanja: Auf bundespolitischer Ebene ist es der Satz von Otto Wels: ‚Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.‘ Als sich andere in die Büsche geschlagen haben, hat er die junge Republik mit seinem Leben verteidigt. (Kurz nach der Machtübernahme der NSDAP hatte Wels es für die SPD übernommen, in der letzten freien Rede, die im Reichstag gehalten wurde, die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes durch die SPD zu begründen; Anmerk. der Redaktion).

Wer hat die Partei am meisten geprägt?
Rajko Kravanja: Es gab mehrere Wellen in der SPD. Zum einen wäre Willy Brandt zu nennen. Und auch Sigmar Gabriel. Er hat einen großen Anteil daran, dass sich die SPD nach der verheerenden Wahlniederlage wieder berappelt hat.

Apropos Wahl: Was hat Peer Steinbrück beim TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besonders gut gemacht?
Rajko Kravanja: Er hat es immer geschafft, inhaltlich darzulegen, was die SPD will. Frau Merkel hat nie konkret gesagt, was sie will und wofür Schwarz-Gelb in den nächsten vier Jahren steht.

Und was war Steinbrücks größter Schwachpunkt?
Rajko Kravanja: An ein oder zwei Stellen war er zu technokratisch. Zum Beispiel beim Erneuerbare-Energien-Gesetz. Da hat er auf Gesetzes-
ebene geredet und es unnötig kompliziert gemacht, anstatt zu sagen: ‚Wir wollen, dass der Strompreis gleich bleibt.‘

Wird das Duell die Wahl maßgeblich beeinflussen?
Rajko Kravanja: Nicht für diejenigen, die in ihrer Meinung sowieso schon festgelegt sind. Für die Unentschlossenen war das TV-Duell aber ein richtig guter Fingerzeig, für was die Kandidaten stehen – oder auch nicht (lacht).

Was waren Ihre Beweggründe, sich politisch zu engagieren und in die SPD einzutreten?
Rajko Kravanja: Es fing in der Schule an. Dort war ich unter anderem Schulsprecher.
Ich bin es von zu Hause gewohnt, mich sozial zu engagieren. Und weil meine Mutter in der SPD war, bin ich in dieser Hinsicht aus dem Elternhaus vorgeimpft (lacht). Aber man hat mich nie gedrängt. Was die Werte betrifft, hatte ich bei der SPD einfach die größte Schnittmenge.

Längst nicht jeder kann mit Politik etwas anfangen. Spüren Sie bei jungen Menschen Politikverdrossenheit?
Rajko Kravanja: Ja und Nein. Es gibt Politikverdrossenheit. Da hilft nur Transparenz. Man muss Politik viel offener gestalten und viel erklären. Wenn man es geschafft hat, den Menschen klar zu machen, dass sie alles betrifft, ist Politik für alle spannend.
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