Dialog gestartet: Kirchenkreis, Bezirksregierung, Kommune und DRK in der Großnotunterkunft

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Michael Vaupel (v.l.), Vorstand des DRK-Kreisverbands Recklinghausen, Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller, Martin Domke, Leiter des Eine-Welt-Zentrums Herne, Superintendent Reiner Rimkus, SPD-Landtagsabgeordnete Eva Steininger-Bludau und Bürgermeister Rajko Kravanja beim Ortstermin in der Habinghorster Großnotunterkunft.

Für einigen Wirbel sorgte der Offene Brief, den der Evangelische Kirchenkreis Herne direkt vor Weihnachten an die örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Eva Steininger-Bludau geschickt hatte, um auf die seiner Meinung nach „menschenunwürdigen Zustände“ in der geplanten Großnotunterkunft in Habinghorst aufmerksam zu machen. Zunächst hatte die Stadt zu einem Termin einladen, bei dem Flüchtlinge zu Wort kamen (Stadtanzeiger vom 2. Januar), nun folgte ein Ortstermin, an dem Superintendent Reiner Rimkus und Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller teilnahmen.

Beim anschließenden Pressetermin machten alle Beteiligten deutlich, dass die Missverständnisse nun ausgeräumt seien. Eine Ursache für deren Entstehen sah Bürgermeister Rajko Kravanja darin, dass der Tag der offenen Tür am 11. Dezember zu früh erfolgt sei, da noch viele Vorbereitungsarbeiten ausstanden.
„Wir sind froh, dass wir zusammen gesessen haben“, erklärte Reiner Rimkus, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Herne, während Kravanja darauf abhob, dass es gut sei, dass man nun in einen Dialog gekommen sei, „wie man Menschen unterbringen kann“. Hier sieht Kravanja ebenso wie Dorothee Feller von der Bezirksregierung Münster Land, Bund, Kommune, aber auch die Kirchen in der Pflicht.

Andere Vergleichspunkte

Ursache für den Offenen Brief sei gewesen, so Rimkus, „dass wir andere Vergleichspunkte genommen haben“. Bei der Unterkunft habe man weniger daran gedacht, dass die Flüchtlinge zufrieden sein sollten, dass sie aus Bomben und Verfolgung weg seien, sondern an die Frage: „Wie ist man hier im Land untergebracht?“
Beim Verfassen des Offenen Briefes beschäftigte den Kirchenkreis vor dem Hintergrund der räumlichen Enge – zwölf Menschen in einem Schlafraum von 36 Quadratmetern – vor allem die Verweildauer der Flüchtlinge. „Kurz vor Weihnachten gingen wir von zwei bis drei Monaten aus“, so Rimkus.
Dies sei im Herbst in anderen Unterkünften auch so gewesen, bestätigte Feller. „Mittlerweile ist es uns aber gelungen, dass es nur zwei oder drei Wochen sind.“
Bei der Belegung der geplanten Großnotunterkunft in Habinghorst ist jedoch nie ein anderer Zeitrahmen als zwei, drei Wochen genannt worden. Wie aus dem Offenen Brief des Kirchenkreises, der der Redaktion vorliegt, hervorgeht, hat man sich darauf aber nicht verlassen wollen.

Kurze Verweildauer

Man müsse sich vor Augen führen, um was für eine Unterkunft es sich handele, erklärte Feller. „Sie ist auf eine kurze Verweildauer ausgerichtet“, verdeutlichte sie, dass die Flüchtlinge von dort den Kommunen zugewiesen würden.
Nach dem nun anberaumten Ortstermin hat sich die Ansicht des Kirchenkreises teilweise gewandelt. „Wir gehen vertrauensvoll von dieser Zusage aus, dass sich die Situation geändert hat“, sagte Rimkus. „Unter diesem zeitlichen Limit ist es akzeptabel.“ Ziel des Offenen Briefes sei es gewesen, sich auseinander zu setzen, so der Superintendent, „und das ist nun erfolgt“.

Inbetriebnahme der Großnotunterkunft

- Was die Inbetriebnahme der Großnotunterkunft angeht, peilt man bei Bezirksregierung und DRK weiter den 18. Januar an.
- Gestern (12. Januar) fand eine Abnahmebesprechung von Bezirksregierung und DRK statt. Die Abnahme vor Ort wird voraussichtlich Ende dieser Woche folgen.
- Für NRW sei für diese Woche die Ankunft von 15.000 Flüchtlingen angekündigt, so Dorothee Feller.
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