Händlerschwund auf den Wochenmärkten

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Über nachlassende Kundenzahlen klagen die Händler nicht nur auf dem Wochenmarkt in der Altstadt. Als Folge ist auch die Zahl der Beschicker in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen. (Foto: Thiele)
 
Dieter Krieger und Heike Villis vom EUV.

„Der Marktbesuch ist nicht mehr das Ereignis schlechthin“, sagt Ewa Faatz, die zusammen mit ihrem Mann Werner Faatz seit fast 20 Jahren jeden Dienstag Textilien auf dem Ickerner Marktplatz anbietet. Nicht nur sie verzeichnen einen Rückgang an Besuchern, sondern auf allen Wochenmärkten nimmt die Kundschaft ab.

Dies wirkt sich auf die Anzahl der Stände aus. Drei Märkte gibt es noch in Castrop-Rauxel: auf dem Altstadtmarkt, dem Ickerner Marktplatz und dem Habinghorster Markt. Auf allen ist die Zahl der Händler in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, weiß man beim EUV, der die Märkte seit etwa eineinhalb Jahren betreut. „In Castrop ist donnerstags der beste Tag. Da sind es jetzt im Schnitt 30 Händler, im Sommer vielleicht 35“, erklärt Sachbearbeiterin Heike Villis. Samstags liegt die Anzahl bei 25 bis 30 Beschickern, dienstags bei etwa 20.
„Das sind mindestens 30 bis 40 Prozent weniger als etwa 1980“, sagt Dieter Krieger, der die Märkte über mehrere Jahrzehnte für die Stadtverwaltung betreut hat und für den EUV als Berater tätig ist.

Früher war Ickern größer als Castrop

In Ickern (dienstags und freitags) sind zurzeit im Durchschnitt zehn Händler vor Ort. „In den 70er/80er Jahren waren es 50 bis 60 Händler. Da war Ickern größer als der Markt in Castrop“, so Krieger. Die Zahl sei rückläufig, seit Aldi und Edeka als direkte Konkurrenz vor Ort ihre Geschäfte eröffnet hätten.
Der Rückgang an Marktkunden sei ein allgemeiner Trend, erläutert Krieger. Auch durch die Schließung der Zechen habe sich viel verändert. „1980 hatten wir in Habinghorst noch 15 bis 20 Stände.“ Jetzt finden sich mittwochs und samstags jeweils nur noch zwei bis drei Händler ein – Obst und Gemüse, Geflügel und manchmal Textilien. „Zurzeit ist es schwierig wegen der Baustellen dort“, so Krieger. Beim EUV erhofft man sich eine Belebung des Marktes, wenn neben dem bereits fertiggestellten Seniorenzentrum Helena auch die beiden geplanten Gebäude für betreutes Wohnen errichtet sein werden.
Ähnliches gilt für den Markt in Castrop. „Von der Umgestaltung des Platzes versprechen wir uns eine Aufwertung des Marktes“, sagt EUV-Chef Michael Werner.

Markt auf Schwerin eingestellt

Der Markt auf Schwerin dagegen ist vor einigen Jahren aufgegeben worden. Er wurde seit 2009 nicht mehr von Händlern beschickt und daraufhin ab 2011 nicht mehr festgesetzt. „Der Platz lag nach dem Neubau des Ärztehauses etwas zu versteckt“, nennt Krieger einen Grund, warum der Markt immer weniger Kundschaft anlockte.
Ein Markt gehöre in einer Stadt dazu, gerade bei der älteren Gesellschaft, betont Werner. „Man trifft sich dort. Der kommunikative Aspekt ist sehr wichtig.“
Doch ist die ältere Generation nach der Erfahrung der Markthändler auch die einzige, die die Märkte noch nutzt. „Jüngere Leute kommen so gut wie gar nicht“, hat Jürgen Litzenburger, der in der Altstadt Nachtwäsche anbietet, beobachtet. „Früher kam die Bergmannsfrau, aber die Generation stirbt aus.“

Warenangebot anpassen

Wenn es nach einigen Händlern ginge, müsste auch das Warenangebot angepasst werden, um die Attraktivität der Wochenmärkte zu steigern „Ein Obsthändler fehlt, nur dienstags gibt es einen kleinen Stand“, sagt Heike Kieselbach von der Gärtnerei Denninghoff, die auf dem Ickerner Markt vertreten ist. Textilien dagegen gebe es ihrer Meinung nach fast schon zuviel. Dieser Meinung sind auch Dominik Kujath und Miriam Brenneis von der Gärtnerei Kujath, die auf dem Markt in Castrop stehen. „Es müsste weniger Kleidung geben und dafür lieber mehr Obst und Gemüse.“
Wenn Platz frei sei und das Angebot eines Händlers nicht gegen die Gewerbeordnung oder die städtische Verordnung verstoße, „können wir ihn nicht abweisen“, erklärt Dieter Krieger das grundsätzliche Vergabeprinzip. Nur wenn es ein Überangebot bestimmter Artikel gebe, könne man einen Händler abweisen, um die Attraktivität des Marktes nicht zu gefährden.
Ratlos sind Ewa und Werner Faatz, was man tun könnte, um die Märkte interessanter für Händler zu machen. „Das Standgeld in Castrop-Rauxel ist nicht das teuerste. Daran liegt es nicht“, sagt Werner Faatz. 2,95 Euro pro laufendem Meter in Castrop und Ickern sowie 2,45 Euro in Habinghorst betrage der Grundpreis, erklärt Heike Villis. „Wir dürfen die Gebühr nur kostendeckend erheben“, ergänzt Michael Werner. Damit würden etwa Vorhaltungskosten für technische Einrichtungen (Strom und Wasser) gedeckt.

Längere Öffnungszeit samstags in der Altstadt

„Wir versuchen, mehr Händler zu finden“, so Villis. Dabei soll der Informationsaustausch mit 20 anderen Städten im Netzwerk „Gemeinsam Handeln e.V.“ helfen. Und um samstags mehr Marktbesucher in die Altstadt zu locken, wird versuchsweise ab April die Verkaufszeit von 8 bis 13 Uhr auf 8 bis 13.30 Uhr verlängert.
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