Lieber G9 als G8: Schulleiter kritisieren verkürzte Schulzeit an Gymnasien

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Einen Schnellschuss wird es zwar nicht geben, aber es sieht so aus, als ob G8 und das Turbo-Abi bald Geschichte an den Gymnasien in NRW sein werden. Dies kristallisierte sich bei dem Runden Tisch heraus, zu dem Schulministerin Sylvia Löhrmann diese Woche eingeladen hatte. Die beiden Leiter der Castrop-Rauxeler Gymnasien würden eine Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit mit gewissen Einschränkungen begrüßen.

"Ich bin seit Jahren ein Feind von G8", sagt Dr. Friedrich Mayer, Leiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums (EBG). Nach seiner Einschätzung würden auch viele Eltern und Schüler die Wiedereinführung von G9 befürworten, und im Kollegium sieht er eine ähnliche Tendenz.
Mayer kritisiert an G8 unter anderem die Schwierigkeit für Schüler, von einer Schulform zur anderen zu wechseln, den fehlenden Abschluss der Schüler, wenn sie in die Oberstufe kommen, sowie die Tatsache, dass viele Abiturienten nicht volljährig und geschäftsfähig seien.

"Einführung von G8 war Unfug"

Am Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG) sieht es ähnlich aus. "Die Lehrer sagen mehrheitlich, dass die Einführung von G8 Unfug war", erklärt Leiter Theo Albers. Als Kritikpunkte nennt er vor allem die deutliche Mehrbelastung der Schüler am Nachmittag und ebenfalls ihr junges Alter beim Abschluss. "Sie wissen oft noch gar nicht, was sie nun machen wollen, und müssen erst zu sich selbst finden." Damit verpuffe der Effekt der jüngeren Abiturienten, den man mit Blick auf internationale Vergleiche mit G8 habe erreichen wollen.
Auch die Schüler würden sich zum Teil über den Unterricht bis in den Nachmittag hinein beklagen. "Die Einschätzung der Eltern ist unterschiedlich, je nachdem, ob die Kinder die längere Arbeitszeit verpacken oder darunter leiden", so Albers.

"Neun Jahre tun gut"

Die Rückkehr zu G9 hält der Leiter des ASG jedoch schon für problematisch, da sie wieder Unruhe in das Schulsystem bringen werde. Auf der anderen Seite glaube er aber, dass die neun Jahre den Schülern gut tun werden.
"Ich halte die Rückkehr zu G9 für einfacher als die Umstellung auf G8", sagt Friedrich Mayer vom EBG. Schließlich habe man ja dann mehr Zeit, und die Schulzeit würde einfach um ein Schuljahr verlängert. "Aber es ist klar, dass dies wohl nicht völlig reibungslos funktionieren wird", schränkt er ein.
Von einer möglichen Entscheidungsfreiheit der Gymnasien, ob sie künftig G8 oder G9 anbieten, halten sowohl Albers als auch Mayer nichts. "Das wäre eine verfehlte Politik. Damit würden sich die Politiker ihrer Verantwortung entziehen", macht Albers seine Position deutlich. Mayer favorisiert eine Einheitlichkeit und Verlässlichkeit, da diese wichtig sei, wenn ein Schüler zum Beispiel umziehen und von einer Schule zur anderen wechseln müsse.

Rückkehr nicht vor dem Schuljahr 2018/19

Einig sind sich beide Schulleiter außerdem darin, dass es vernünftig sei, nicht vor dem Schuljahr 2018/19 zu G9 zurückzukehren. "Zwischen der Landtagswahl und dem kommenden Sommer ist zu wenig Zeit", sagt Friedrich Mayer mit Verweis darauf, dass schon die Umstellung auf G8 zum Schuljahr 2005/06 zu schnell erfolgt sei.
"Es macht keinen Sinn, es jetzt zu beschließen, und dann kommt eine neue Regierung", ergänzt Theo Albers. Seiner Ansicht nach sei es richtig, wenn erst die neu gewählte Landesregierung über das Thema entscheide.
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