Schutz für die Altstadt: EUV plant Maßnahmen gegen Überflutung durch Unwetter

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Die Straße Am Stadtgarten entlang des Viehmarkts könnte vielleicht genutzt werden, um hier künftig bei Unwettern das Regenwasser zurückzuhalten.

Das letzte große Starkregenereignis traf Castrop-Rauxel im Juni 2013. Doch beim EUV zweifelt man nicht daran, dass die Häufigkeit solcher Unwetter zunehmen wird. Deswegen ist 2017 zunächst für die Altstadt eine Abflusssimulation geplant, die aufzeigen soll, wie man den Stadtteil am besten schützen kann.

Die Simulation dient dazu, Straßen zu identifizieren, die als Multifunktionsflächen genutzt werden und Wasser aufnehmen und fernhalten können. „Es geht darum, Zeit zu gewinnen“, erläutert EUV-Vize Thorsten Werth-von Kampen.
Als eine dieser möglichen Flächen in der Altstadt nennt er die Straße Am Stadtgarten in der Höhe des Viehmarkts. „Das ist eine erste Überlegung“, betont er, und wenn überhaupt, würde sie ohne Einschränkung der Verkehrssicherheit und der Barrierefreiheit umgesetzt.

Mühlenkamp als Rückhalteraum

Bisher gibt es genau eine solche Fläche in Castrop-Rauxel, nämlich die Straße Mühlenkamp in Frohlinde. Um einen Rückhalteraum zu schaffen, wurde das Gefälle geändert: Hatte das Straßenprofil vorher eine Pultform und senkte sich zu den Rinnsteinen hin ab, fällt es nun zur Straßenmitte ab und bildet eine Notfallrinne. Mit dieser Maßnahme reagierte der EUV auf die Überflutung, als der Mühlenteich im Juni 2013 über die Ufer trat.
Doch zurück zur Altstadt: Um die Gebäude dort künftig besser zu schützen, verfolgt der EUV zwei Ansätze. Neben dem Einrichten der Multifunktionsflächen soll auch das lange geplante Hochwasserrückhaltebecken an der Straße Im Siepen gebaut werden. „Wir werden für 2017 einen Planungsauftrag ohne die Inanspruchnahme des Privatgrundstücks erteilen“, macht Werth-von Kampen deutlich, dass man hier endlich weiterkommen will. Bisher herrschte Uneinigkeit mit einem Grundstücksnachbarn.

Habinghorst und Ickern

Bei Frohlinde und nun der Altstadt soll es aber nicht bleiben. „Wir könnten Habinghorst und Ickern als nächstes anpacken“, blickt Werth-von Kampen nach vorn, wobei es für die Poldergebiete in Ickern bereits eine Risikobetrachtung und eine Notfallplanung zusammen mit der Feuerwehr gibt. „Und der Bereich des Deininghauser Bachs in Rauxel wird auch Thema sein.“
In Obercastrop und auf Schwerin gebe es wegen der topografischen Lage keine Gefahr durch Hochwasser. „Eine Überflutung durch Rückstau ist aber überall im Stadtgebiet möglich“, warnt Werth-von Kampen. Bei der Prävention davor seien auch Hausbesitzer gefragt. Laut Entwässerungssatzung müssen sie dafür sorgen, Räume unterhalb der Straßenoberfläche, etwa mit einer Rückstausicherung, zu schützen. Hierzu berät der EUV Bürger ebenso wie zu Maßnahmen, um versiegelte Flächen abzukoppeln und das Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern zu lassen.

Grünflächen fluten

Als weitere städtebauliche Maßnahme kann Werth-von Kampen sich das Umgestalten von Grünflächen und Parkplätzen vorstellen, um diese bei Starkregen gezielt zu fluten. Doch dazu bedarf es Freiflächen. Daher hält man beim EUV nicht viel vom Vorstoß der Bauministerin Barbara Hendricks, urbane Gebiete zu verdichten, um Wohnraum zu schaffen. „Was die Wasserwirtschaft angeht, ist das eher kontraproduktiv“, erklärt Straßen- und Entwässerungsplanerin Arianka Simonsen.
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