Einkauf ohne Quengeln

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Überraschungseier, Kaugummis und Co: Die sogenannte Quengelware wird von Verbraucherschützern kritisch gesehen. Foto: Thiele

Zum Auftakt der Grünen Woche, die an diesem Wochenende in Berlin zu Ende geht, hatte die Bundesregierung den Vorschlag gemacht, in Supermärkten „quengelfreie“ Kassen einzurichten. Der Vorschlag ist Teil eines Antrags, um gesunde Ernährung zu stärken.

Ungesundes Essen und mangelnde Bewegung gelten als Ursachen für Übergewicht, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Wohlstandsgesellschaften. Mit ihrem Antrag vom 13. Januar will die Bundesregierung die Bevölkerung „mit unterschiedlichen Maßnahmen und Angeboten dabei unterstützen, Kompetenzen zur Ausprägung eines eigenen, gesundheitsfördernden und nachhaltigen Lebensstils zu erwerben.“

In den Fokus geraten ist dabei die sogenannte „Quengelware“. Darunter versteht man Produkte, die im Kassenbereich von Supermärkten positioniert werden und gezielt Kinder ansprechen, also Bonbons, Schokoriegel oder Kaugummis. Quengelware wird oft auf Augenhöhe der Kinder angebracht. Stehen Eltern mit ihren Kindern in der Warteschlange an der Kasse, wollen Kinder oft von den Süßigkeiten unbedingt etwas haben. Viele Eltern geben dem Wunsch der quengelnden Kinder nach.

„Letzten Endes“, meint Marcus Engelhardt, Inhaber von Rewe Engelhardt an der Recklinghauser Straße, „liegt es in der Eigenverantwortung der Kunden und in der Erziehung der Kinder. Ich habe selbst zwei Kinder und weiß, wovon ich spreche.“ Der Diskussion verschließt er sich jedoch nicht. „Wir nehmen das ernst und bieten bereits eine süßwaren- und spirituosenfreie Kasse an“, sagt Engelhardt.

„Auch wir haben bereits eine quengelfreie Kasse“, verweist Ralf Richter, Inhaber von Edeka Richter, auf sein Geschäft an der Dortmunder Straße, wobei hier nicht der Vorschlag der Bundesregierung vorweggenommen wurde, sondern die Entscheidung getroffen wurde, hier Tabakwaren anzubieten. „Ob man das aber gesetzlich reglementieren muss?“, fragt Richter weiter und denkt dabei an die Idee der Grünen aus dem letzten Bundestagswahlkampf, einen Veggieday einzuführen. „Diese Bevormundung in Deutschland ist doch unerträglich. Dass Süßigkeiten Kalorien haben, weiß jeder.“ Auch Richter appelliert beim Einkauf an die Eigenverantwortung der Kunden. „Vom Prinzip sind wir alle mündige Bürger – das hat auch mit Erziehung zu tun“, so Richter.

Ist mit der Eigenverantwortung der Kunden und der Erziehung der Kinder das Problem erledigt? „Ich würde sagen: Jein“, meint Nora Dittrich, Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale NRW. Zwar könnten Eltern auf ihre Kinder einwirken. „Süßigkeiten im Kassenbereich sind Impulswaren, die auf einen Spontaneinkauf abzielen. Da spielen unbewusste Mechanismen eine Rolle.“

Supermärkte leiteten ihre Kunden, sie zielten darauf ab, ihre Kunden möglichst lange im Markt zu halten, damit sie mehr einkauften, als sie ursprünglich vorhatten. „Stress“, sagt Dittrich, „lässt sich da nicht vermeiden.“ Die Verbraucherzentrale schließt sich deshalb dem Antrag der Bundesregierung an. „Schon vorher“, erläutert Dittrich, „haben wir vorgeschlagen, dass Supermärkte auf Süßigkeiten im Kassenbereich verzichten.“ Als Positivbeispiel nennt sie Lidl in Großbritannien. Dort habe der Discounter in 60 Filialen Quengelkassen abgeschafft. „Die Süßigkeiten wurden durch Obst, Trockenfrüchte, Säfte und ähnliches ersetzt. Wir befürworten das natürlich.“

Foodwatch gehen die Vorschläge der Bundesregierung indes nicht weit genug. Der Verein, der sich gegen verbraucherfeindliche Praktiken der Lebensmittelindustrie wendet, fordert eine gesetzliche Regelung.
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