Virtuelle Gewalt

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Helfen ihren Mitschülern, wenn sie im Netz gemobbt werden (von links): Lara, Christin, Marlen und Annika (nicht im Bild) sind die Medienscouts am EBG.

Kinder und Jugendliche haben heutzutage immer früher Zugang zum Internet. Die vielfältigen Möglichkeiten, mit echten und virtuellen Freunden zu kommunizieren, haben auch eine Schattenseite: Cybermobbing.

Es ist der bis heute weltweit wohl aufsehenerregendste Fall von Cybermobbing: Am 10. Oktober 2012 nahm sich die 15-jährige Amanda Todd das Leben. Die Kanadierin hatte sich drei Jahre zuvor von einem Fremden im Internet dazu verführen lassen, den Oberkörper zu entblößen. Der Mann lancierte die Nacktfotos im Netz, das Mädchen wurde deshalb massiv gemobbt.

Es müssen nicht gleich intime Fotografien sein, die ein Kind oder einen Jugendlichen in die Cybermobbing-Falle manövrieren. Oft sind es dieselben Gründe, die die Eltern der „Digital Natives“ aus ihrer eigenen Kindheit noch kennen, die zum Cybermobbing führen. Das Ausgrenzen und Hänseln auf dem Schulhof findet nun seine Fortsetzung in den neuen Medien.

„Es finden Beschimpfungen über ‚WhatsApp‘ statt. Schüler werden aus bestimmten Gruppen ausgeschlossen“, erzählt André Tönnes. Er ist Lehrer am Ernst-Barlach-Gymnasium und gemeinsam mit seinen Kolleginnen Ulrike Kuhlmann und Saskia Stahlberg Berater der Medienscouts, die sich seit Kurzem mit dem Phänomen beschäftigen.

„Wir sind Ansprechpartner für Schüler, wenn sie ein Problem haben“, erläutert Marlen, eine von vier Schülerinnen der 9. Klasse am EBG, die diese Aufgabe übernommen haben. Auch Lehrer können die vier konsultieren, zum Beispiel, wenn sie den Verdacht haben, dass in ihren Klassen Fälle von Cybermobbing auftreten.

Um für ihre Aufgabe gerüstet zu sein, haben die Medienscouts des EBG und die Lehrer, die sie begleiten, vier Workshops besucht; im Februar folgt ein letzter.
Das Internet hat längst Einzug in den Alltag der Schüler und (zumindest der jüngeren) Lehrer gefunden. Die Medienscouts besitzen selbst internetfähige Handys, der Umgang damit, um zum Beispiel mit Freunden zu kommunizieren, ist eine Selbstverständlichkeit.

Mit Beginn des Schuljahres hat das EBG ein Cybermobbing-Präventionsprojekt der Jahrgangsstufe 5 eingerichtet, „um auf die Gefahren aufmerksam zu machen“, wie André Tönnes erklärt. Die Lehrer des EBG stützen ihre Präventionsarbeit auf die Ergebnisse einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Demnach besitzen bereits 14 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen in Deutschland ein internetfähiges Mobiltelefon; bei den Zwölf- bis Dreizehnjährigen sind es bereits 95 Prozent.

„Eigentlich haben die Eltern ihren Kindern ein Handy gegeben, damit diese erreichbar sind“, sagt Saskia Stahlberg. Doch mit dem Beherrschen der Technik hört das Lernen des richtigen Umgangs nicht auf. „Ein Foto im Netz hochladen – ja oder nein? Ist das überhaupt erlaubt?“, gibt Saskia Stahlberg ein Beispiel für vielerlei Fragen, die sich beim Umgang mit den neuen Medien ergeben.

Die Möglichkeit, einen ungeliebten Mitschüler mit dem Smartphone zu fotografieren, das Bild gegebenenfalls zu bearbeiten und über das Internet zu verbreiten, ist kein Kavaliersdelikt – und es ist keine Ausnahme. „Ich hatte mehrere drastische Vorfälle, wo Bilder von Schülern verschickt worden sind, um sie abzuwerten“, berichtet Ulrike Kuhlmann aus dem Schulalltag. „Das ‚normale‘ Mobbing findet auf dem Schulhof statt. Das fatale an den neuen Medien ist, dass der Druck gestiegen ist, denn nach der Schule gibt es keine Verschnaufpause mehr, weil das Mobbing im Netz weitergeht.“

Hinzu kommt: Ist ein Beitrag erst mal im Netz, ist es schwierig, ihn wieder zu entfernen. „Die Fotos verbleiben im Netz. Die kann man nicht löschen“, erläutert André Tönnes.

Medienscouts


Die Medienscouts sind ein Projekt der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Schulen, die daran teilnehmen wollen, müssen sich bewerben. Weitere Informationen gibt es auf www.medien­scouts-nrw.de.

Auf www.ebg-castrop.de informiert die Schule bereits über die Medien­scouts. Demnächst bieten diese einmal in der Woche eine Sprechstunde an und werden auch per Mail erreichbar sein.
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