Die Folgen der Gewalt sind deutlich zu spüren: Immer mehr Übergriffe im Jugend- und Amateurfußball

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Gregor Werkle ist Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Herne/Castrop-Rauxel. Foto: privat
Warum die Gewalt auf Fußballplätzen derart zugenommen hat, kann sich Gregor Werkle nicht erklären. Die Folgen aber bekommt er als stellvertretender Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Herne/Castrop-Rauxel inzwischen in aller Deutlichkeit zu spüren. Um ganze 50 Prozent sei die Zahl der Schiedsrichter im Jugendbereich seit 2009 zurückgegangen. „Ganz klar eine Folge der Gewalt“, ist der 32-Jährige überzeugt.

Es ist nur einer von vielen Fällen, die Gregor Werkle in letzter Zeit zugetragen wurden: Kurz vor Ende des Spiels der E-Jugend bei den Castroper Stadtmeisterschaften musste der etwa 14 oder 15 Jahre alte Schiedsrichter den Trainer einer der beteiligten Mannschaften aus dem Zuschauerraum verweisen. Die Begegnung wurde ordnungsgemäß zu Ende geführt. Anschließend ging der Schiedsrichter in die Kabine, wo er erneut auf den Trainer traf. Dieser sei dann aggressiv geworden.
Es habe wohl auch noch andere Gründe gehabt, aber der Übergriff des Trainers sei letztendlich ausschlaggebend dafür gewesen, dass der Jugendliche seine Tätigkeit als Schiedsrichter aufgegeben habe.
Insbesondere in den unteren Ligen der Senioren und im Jugendbereich gebe es seit einiger Zeit Probleme. „Immer häufiger kommt es dort vor, dass erwachsene Trainer derart auf die (in der Regel jugendlichen, Anm. d. Red.) Schiedsrichter einwirken, dass diese die Brocken hinwerfen“, so Werkle.
Er selbst versuche dann zwar, sie in Beratungsgesprächen davon zu überzeugen, doch weiter zu machen. Er könne die Reaktion seiner jungen Kollegen aber sehr gut nachvollziehen. Schließlich handle es sich nicht um eine Tätigkeit, für die man bezahlt werde, sondern um ein Hobby.
Dass Trainer und Schiedsrichter, aber auch Spieler und andere Beteiligte verstärkt aneinander geraten, beobachte er erst seit Kurzem, vor allem seit der Saison 2012/13.
Über die Gründe könne er allerdings nur spekulieren. „Als ich selbst 1998 angefangen habe, waren wir hier eine ‚grüne Insel‘. So etwas gab es damals nicht“, erinnert sich Werkle.
Mittlerweile könne man viele Spiele im Jugendbereich nicht mehr besetzen oder müsse auf ungelernte „Spielleiter“ anstelle eines Schiedsrichters zurückgreifen, damit eine Partie stattfinden könne. Eine Situation, an der sich dringend etwas ändern müsse.

Dialog mit Trainern und Vereinen führen

„Wir versuchen deshalb, einen Dialog mit Vereinen und Trainern zu führen“, so der gebürtige Castrop-Rauxeler. „Entscheidend ist aber auf dem Platz.“ Deshalb habe man inzwischen bei Jugendspielen einen sogenannten Schiedsrichterbetreuer installiert, der dafür Sorge trage, dass es nicht zu Beleidigungen oder Übergriffen komme.
Wichtig sei es, auch bei Hallenspielen den Ordnerschutz zu erhöhen, und man benötige strengere Sicherheitsauflagen, so Werkle.
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