Bürgerversammlung in Olfen: Ehrlich und konstruktiv über Flüchtlingsfrage reden

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Integrationsbeauftragte Mary Marcellus (l.) und Johanna Schomberg vom Fachbereich Arbeit, Soziales und Integration (r.) gaben auf der Bürgerversammlung einen Überblick über die Gesamtlage der Flüchtlingssituation in Olfen. Foto: Stadt Olfen

"Nach der Schließung der Notunterkunft am 31.12. in Vinnum, muss Olfen im kommenden Jahr 150 Flüchtlinge aufnehmen. Die Verwaltung und die Politik haben dafür konkrete Pläne, klare Vorstellungen und ein finanzielles und personelles Konzept, das greifen wird und tragbar ist. Dazu müssen wir in Olfen alle Kräfte bündeln, denn zusätzliche Unterstützung von Bund und Land für diese langfristige Aufgabe ist nicht in Sicht", so Bürgermeister Wilhelm Sendermann auf der Bürgerversammlung in der Olfener Stadthalle.

Zunächst gab Sendermann einen Überblick über die Gesamtlage und die Abläufe der letzten Monate seit Einrichtung der Vinnumer Notunterkunft. Den Stand der Dinge in Zahlen gab Johanna Schomberg als Mitarbeiterin des Fachbereiches Arbeit, Soziales und Integration. Danach leben derzeit 89 Flüchtlinge in Olfen, von denen 15 bereits anerkannt und 11 einen negativen Bescheid im Asylverfahren bekommen haben. Die meisten Flüchtlingen kommen aus Syrien gefolgt von Irak, Eritrea und Albanien. In insgesamt sechs Unterkünften stehen derzeit 139 Plätze zur Verfügung. Eine von diesen Unterkünften steht aus baulichen Gründen in Frage. Demnach werden Anfang des Jahres etwa 120 Plätze fehlen.
"Wir werden keine öffentlichen Gebäude belegen, sondern haben uns entschieden, zwei Neubauten zu erstellen", erläutert Sendermann die Pläne. Standort soll am Vinnumer Landweg, direkt am neuen Kreisverkehr, sein. "Wir haben uns bewusst für diese Fläche entschieden, da es dafür einen Bebauungsplan gibt, die Stadt die Fläche kurzfristig erwerben kann und die neu zu errichtenden Gebäude so geplant sind, dass sie nach der Nutzung als Flüchtlingsunterkünfte leicht zu Gewerbehallen umgebaut und veräußert werden können", so Sendermann. Damit sollen die mit insgesamt 1,2 Mio Euro veranschlagten Objekte nachhaltig gestaltet werden.
Zunächst aber werden sie als feste Unterkünfte für jeweils 59 Personen in einzelnen Wohnungen gestaltet. Geplant ist, dass sich die Flüchtlinge selbst versorgen, weshalb jede Einheit eine Küche und auch einen Wohnraum und Sanitärbereich beinhaltet.

Neubauten sollen Mitte 2017 fertig sein


Für all diese Planungen sollen im September politische Beschlüsse von denen bereits informierten Fraktionen gefasst werden. Ein Bauantrag wird derzeit vorbereitet und könne dann eingereicht werden. "Klappt alles, wird Ende des Jahres Baubeginn und Mitte 2017 Fertigstellung sein", so Sendermann.
"In den letzten Monaten hat mich besonders das Engagement der vielen Ehrenamtler beeindruckt", so der Bürgermeister, der auch noch einmal einen besonderen Dank an die Vinnumer aussprach. Er wünschte sich auch für die kommende Zeit Unterstützung aus allen Bereichen, um diese gemeinsame, große Aufgabe anzugehen.
Das wünschte sich auch Mary Marcellus, die seit dem 1. April als Integrationsbeauftragte in Olfen tätig ist. Sie gab einen Bericht aus ihrer Tätigkeit und betonte, dass sie nicht nur für alle Flüchtlinge, sondern auch für die Olfener in Fragen zur Integration Ansprechpartnerin sei.
In der anschließenden Diskussion wurden die Maßnahmen und Planungen der Stadt Olfen und der Politik als positiv und richtungsweisend gesehen. Fragen hinsichtlich der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien in Schulen und Kindergärten konnte Sendermann dahingehend beantworten, dass die meisten der Flüchtlinge junge Erwachsene sind.
Auf die Anregung aus dem Publikum, sich doch auch an Besitzer leer stehender Wohnungen in Olfen zu wenden, erläuterte Sendermann, dass man schon Kontakte geknüpft hätte und sich über Initiativen von Wohnungsbesitzern freuen würde. Ziel sei es auf jeden Fall, neben der neu zu bauenden Unterkunft 10 bis 15 Wohnungen auf dem freien Markt durch die Stadt zur Verfügung zu stellen. An den Bezug dieser Wohnungen sollen aber folgende Voraussetzungen geknüpft sein: Anerkennung oder Bleibeperspektive, erfolgreicher Sprach- und Integrationskurs und erkennbarer Wille zur Integration.
Auch die Frage nach der finanziellen Belastung für Olfen beschäftigte einige Teilnehmer der Versammlung. Hierzu sagte Sendermann, dass das Land für die Betreuung eines Flüchtlings 10.000 Euro im Jahr zur Verfügung stelle. Nur, wenn man wirtschaftlich und vorausschauend agiere, könne das ausreichen. Ziel sei es aber natürlich, mit wirtschaftlichen tragbaren Maßnahmen in allen Flüchtlingsfragen die Schuldenfreiheit in Olfen nicht zu gefährden.

Sicher, dass Olfen die Situation meistert


"Ich bin sicher, dass Olfen die Situation meistert. Als ich in den 90er Jahren in der Olfener Stadtverwaltung meinen Dienst angetreten habe, waren Olfen an die 300 Flüchtlinge und Aussiedler zugewiesen worden und auch das hat nicht nur funktioniert, sondern viele der damaligen Gäste in unserer Stadt sind heute Freunde, Kollegen und Nachbarn."
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