Ein Ausflug unter Tage: Kinder des Bewegungskindergartens besuchten Bunker und Bergbaumuseum

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Vor dem Besuch im Bunker und Bergbaumuseum stimmen die Kinder des städtischen Bewegungskindergartens zusammen mit Antonette und Karl Hölscher (Mitte) zunächst das Steigerlied an
 
Vom Bohrhammer waren manche Jungen kaum wieder wegzubekommen.

„Habt ihr noch ein bisschen Kohle übrig?“, fragt Irem ganz am Ende der Besichtigung. Zusammen mit zehn von insgesamt elf weiteren Entlasskindern des städtischen Bewegungskindergartens hat das Mädchen zum Abschluss der gemeinsamen Kindergartenzeit Bunker und Bergbaumuseum an der Heibeckstraße besucht.

Und da muss Peter Jockheck, erster Vorsitzender des Bergmannsvereins Bergmannsglück, der Bunker und Bergbaumuseum betreibt, erst einmal in einer Plastiktüte kramen, denn Kohle hat es in dem Besucherstollen ja nie gegeben. Doch schließlich kann Irem glücklich ein glänzendes Stückchen des schwarzen Golds entgegennehmen.
Von ihrem Kindergarten an der Burgenlandstraße durch die Siedlung Beisenkamp und über das Brachgelände der ehemaligen Zeche Emscher-Lippe 3/4 haben sich die elf Mädchen und Jungen mit den Erzieherinnen Claudia Lindenblatt und Susanne Klute auf den Weg gemacht. Begleitet werden sie von Karl und Antonette Hölscher, die bei der Ankunft am Museum, als die Besuchergruppe von Peter Jockheck und Jürgen Taplikowski, dem zweiten Vereinsvorsitzenden, in Empfang genommen wird, das Steigerlied anstimmen.
Dann werden alle Kinder mit Schutzhelmen ausgerüstet – manche mit „Urhelmen“ aus Leder, andere mit Helmen neueren Datums, auf denen RAG und DSK aufgedruckt ist – bevor es unter Tage geht.

Luftschutzbunker umgebaut

In den vergangenen Jahren haben die Mitglieder des Bergmannsvereins Bergmannsglück, der sich durch Spenden finanziert, den ehemaligen Luftschutzbunker unter der Abraumhalde der früheren Zeche Emscher-Lippe 3/4 umgebaut, um hier sowohl an die Geschichte des Bunkers als auch an die des Steinkohlebergbaus in Datteln zu erinnern.
Sobald man durchs Eingangstor tritt, steht man in einer Art weiten Eingangshalle, die auch für Feiern genutzt werden kann. „Das ist der original Grubenausbau von Auguste Victoria“, berichtet Jockheck, was die Kinder aber weit weniger interessiert als die Walze, die in der Ecke steht. „Damit wurde die Kohle gefördert“, erklärt Taplikowski. Und der Mundschutz, den eine Figur trägt, „war dazu da, dass man keinen Staub eingeatmet hat“, erzählt er.
Dann geht es tatsächlich in die Tiefe. Vier Meter unter der Erde liegt der Tiefbunker, der 1943 von Kriegsgefangenen und Zechenarbeitern gebaut wurde und bei Luftangriffen mehr als 800 Personen Schutz bot. Jetzt sind die Gänge, die ein 40 mal 60 Meter langes Rechteck bilden, zum Teil wie ein Flöz mit Streben abgestützt, es gibt einen Blindschacht, einen Förderwagen, einen Schleifkorb, eine Heilige Barbara, die Bürgermeister André Dora gestiftet hat, und eine Ausstellung mit vielen bergmännischen Utensilien, die Bürger gespendet haben: vom CO2-Messgerät bis zum Filterselbstretter.

Telefon und Signalglocke

Besonders beeindruckt sind die Kinder aber von allen Exponaten, die man anfassen, ausprobieren oder hören kann. Da sind zum Beispiel das alte Telefon mit Wählscheibe an der Wand, die Signalglocke, mit der Bergleute im Förderkorb signalisierten, ob sie nach oben oder nach unten wollten, das Grubenrad, das es Can-Luca ganz besonders angetan hat, und nicht zu vergessen der Förderkorb, Höhepunkt des Besuchs für Ben.
„Beim Förderkorb haben wir Federn eines Pkw drunter gemacht“, verrät Jockheck. Denn eigentlich bewegt sich der Korb keinen Millimeter nach unten, aber mit den Federn lässt sich die wacklige Abfahrtsfahrt eines echten Förderkorbs simulieren. Das wollen sich die Kinder nicht entgehen lassen. „Wir fahren runter – 100, 200, 300, 400 Meter – angekommen!“, ruft Antonette Hölscher, bevor die nächste Gruppe einsteigen und sich durchrütteln lassen darf.
Durchgerüttelt werden die Kinder auch vom lauten und vibrierenden Bohrhammer. Jeder darf das Gerät, das in einem Haufen von Gesteinsbrocken steckt, mal ausprobieren, und ein, zwei Jungen wollen den Hammer am liebsten gar nicht mehr loslassen.
Dann geht es aber doch wieder über Tage, und vor dem Eingangstor des Museums verabschieden sich die Kinder von Peter Jockheck und Jürgen Taplikowski. „Wie sagt man im Bergbau?“, will Jockheck wissen, und die richtige Antwort aus elf Kehlen kommt prompt: „Glück auf!“
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