Ein Schalker in Horneburg

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In Gelsenkirchen ist Norbert Filthaus bekannt wie ein bunter Hund. Nun hat der pensionierte S04-Pfarrer im Ostvest ein neues Zuhause gefunden. Ein Schalker in Horneburg - der Stadtspiegel hat den königsblauen Geistlichen zu Hause besucht.
 
„Das ist mein Platz“, zeigt Norbert Filthaus. Das Modell der Veltins-Arena steht im Hausflur des pensionierten Schalke-Pfarrers.

In Gelsenkirchen ist Norbert Filthaus bekannt wie ein bunter Hund. Oder sollte man besser sagen, wie ein königsblauer Hund? Schließlich war er bis zu seiner Pensionierung vor gut einem Jahr nicht nur seit 1980 evangelischer Pfarrer der Thomas-Gemeinde in Erle, sondern auch seit 2008 der zuständige Geistliche für die Arena-Kapelle auf Schalke. Jetzt wohnt Norbert Filthaus in Datteln-Horneburg - also nah dran am BVB-Terrain. Wie dem Stadtspiegel zu Ohren gekommen ist, „missioniert“ er dort fleißig und verteilt königsblaue Geschenke in der schwarz-gelben Nachbarschaft. Stimmt das? Grund genug, Pastor Filthaus mal einen Besuch abzustatten.

Von außen wirkt das Haus in der schmucken Neubausiedlung in Horneburg „ganz normal“. Doch bereits im Hausflur geht‘s los: S04-Gartenzwerge auf den Treppenstufen, eine Fußmatte mit Vereinsemblem, die Veltins-Arena als originalgetreues Modell auf der Kommode... Klar, dass der Hausherr im Schalke-Shirt die Tür öffnet. Hat er das extra für unser Interview angezogen? „Nein“, lacht Norbert Filthaus. „Ich kaufe meine Kleidung meistens im Fanshop.“ Der pensionierte Pastor ist eben Schalker durch und durch. Und er hat viel zu erzählen.
Gebürtig ist Norbert Filthaus aus Schwerte, kam aber 1977 als junger Geistlicher nach Gelsenkirchen ins Bergerfeld. Bis dato hatte er „normales Fußball-Interesse“. Doch schnell packte ihn das königsblaue Fieber. „In Gelsenkirchen ist Schalke eine Lebenseinstellung. Woanders halten die Menschen auf der Straße Smalltalk über das Wetter, hier spricht man über Schalke.“ Klar, dass Norbert Filthaus Inhaber einer Dauerkarte ist und kein Heimspiel auf seinem Platz auf der Südtribühne verpasst.
Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen - der S04 ist allgegenwärtig. „Ich habe mal ein Brautpaar getraut, bei dem der Mann kein Schalker war. Natürlich habe ich ihm bei der Trauung erstmal einen Spruch gedrückt“, lacht Norbert Filthaus, der immer für einen Spaß zu haben ist.

"Die Schalke-Verrücktheit kennt keine Grenzen"


Was macht für ihn die „Magie Schalke“ aus? Und wiederspricht nicht die Kommerzialisierung im Fußball den kirchlichen Werten? „Es ist die Tradition, das Verbindende, das Generationenübergreifende, woran ich hänge. Es geht mir nicht um die Kommerzialisierung, es geht um die Seele von Schalke.“
Wie ist Norbert Filthaus Pastor in der Kapelle in der Veltins-Arena geworden? „Als im Jahr 2008 ein Geistlicher für die damals noch erste Fußballkapelle Deutschlands gesucht wurde, hat sich der Superintendent gefragt: ‚Wer von meinen Pfarrern ist der verrückteste Schalker?‘ Und das war ich“, lacht Filthaus, der seitdem viele Gottesdienste in der Arena gehalten hat. Ob Trauungen oder Taufen, Ehejubiläen oder Trauerfeiern - „das ganze Spektrum des Lebens von Freud bis Leid ist in der Kapelle authentisch dargestellt.“
In all den Jahren hat Pastor Filthaus viele lustige, verrückte, außergewöhnliche Geschichten erlebt - vom Brautpaar, das aus Thüringen angereist ist, um sich den Schalker Segen geben zu lassen („denn erst dann ist man richtig verheiratet!“), bis zur Korrespondentin, die in China lebt, und ihr Kind in ihren zwei Wochen Heimaturlaub in der Schalker Kapelle flugs hat taufen lassen.
Sein Trikot trug Pastor Filthaus oftmals schon unterm Talar, so dass er es nach den Zeremonien noch pünktlich auf seinen Platz auf der Südtribühne geschafft hat. Nach dem Motto: „Trauungen werden bis halb 3 angenommen. Um halb 4 ist Anpfiff.“
So was gibt‘s nur in Gelsenkirchen. „Die Schalke-Verrücktheit kennt keine Grenzen“, weiß Pastor Filthaus. Mehr als 35 Jahre lang hat er in Gelsenkirchen ganze Generationen betreut. Bis er in den Ruhestand gehen und schweren Herzens das Feld für seinen Nachfolger räumen musste.
„In meinem Abschiedsgottesdienst haben Orgel und Posaunen beim Auszug ‚Blau und Weiß, wie lieb‘ ich Dich‘ gespielt“, erzählt Norbert Filthaus und muss herzlich lachen. Um den Ruhestand auch „in Ruhe“ genießen zu können und den Platz für den Nachfolger frei zu machen, war klar, dass der 66-Jährige und seine Frau, die in der Gemeinde als Küsterin gearbeitet hat, aus Gelsenkirchen wegziehen mussten. Aber wohin? „Wir haben ein Jahr lang gesucht und überlegt“, erzählt Nobert Filthaus. Schließlich war das gar nicht so einfach: Raus aus Gelsenkirchen, aber immer noch in der Nähe in der Arena. Das Ruhrgebiet sollte es auf jeden Fall bleiben. „Wobei der gesamte Dortmunder Bereich natürlich wegfiel“, schmunzelt Filthaus.

Mit Schalke-Bibel ins Ostvest


Letztendlich ist es Datteln geworden. Hier fühlt sich das Paar rundum wohl, hat sich schnell in die Gemeinde integriert. Manchmal hält der pensionierte Pastor auch noch Gottesdienste. Alles gut. Und es geht noch besser: Es gibt in Horneburg sogar viele Schalker! „Ich habe stets den suchenden Blick nach Fahnen in den Fenstern, Aufkleber an Autos...“, lacht er und verrät: „Von meinem Haus aus sind es exakt 24 Kilometer sowohl zur Veltins-Arena als auch zum Signal Iduna Park. Ich habe also den perfekten Standort gefunden, der immer noch nah an Schalke ist, aber nicht zu nah an Dortmund.“
Aber was ist denn nun dran an der Geschichte, dass Pastor Filthaus angeblich in der Siedlung „missioniert“? Er schmunzelt. Und gibt zu: „Meine Nachbarn sind BVB-Fans. Zur Geburt ihres Kindes habe ich ihnen einen Strampler geschenkt.“ Wie dieser aussah, muss wohl nicht mehr erwähnt werden.
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