Was vor 500 Jahren auf der Horneburg geschah...

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Alte Frau vor Gericht gestellt: Die Autorin fand im Landesarchiv in Münster die Originaldokumente über einen makabren Vorfall aus dem Jahre 1594.
 
"Hexenverbrennung".

Im Jahr 1514, also vor genau 500 Jahren, wurde das erste Hexen-Todesurteil auf der Horneburg ausgesprochen. „Das Thema betrifft uns alle nach wir vor“, sagt Rita Möcklinghoff-Kohts, die in einem kultur-historischen Beitrag neue Forschungsergebnisse für die Dattelner Heimatgeschichte veröffentlicht hat. Der Schwerpunkt ihres Berichtes sind die Horneburg und die Rauschenburg. Besonders die mit den Burgen verbundenen Frauenschicksale hat sie eingehend untersucht. Und kommt zu dem Schluss: „Die Menschen haben sich nicht verändert.“

Natürlich wird hier heutzutage niemand mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Doch denkt man an Cyber-Mobbing und dergleichen, findet seelische Folter nach wie vor tagtäglich statt. „Heute gibt es andere Begriffe und Methoden“, sagt Rita Möcklinghoff-Kohts. „Doch die Menschen sind gleich geblieben.“ Neid, Missgunst, üble Nachrede - „Wir sollten die Menschen nicht zu schnell verurteilen, sondern die Dinge hinterfragen.“
Am Beispiel der Herren von Oer zeigt Rita Möcklinghoff-Kohts in ihrem Beitrag auf, wie diese das Vest beherrschten und beraubten und wie Frauen durch diese Aufsitzer der Horneburg tragische Schicksale durchlebt haben. Nachdem die von Oer die Horneburg verlassen mussten, übernahm der kölnische Landesherr diese Stätte. Dort richtete er die Kellnerei für Steuern und Abgaben sowie die große Gerichtsbarkeit ein. In diesem Zusammenhang geht Rita Möcklinghoff-Kohts auf die Hexenverfolgung ein, die - mit zahlreichen Originalunterlagen belegt - auf der Horneburg umfassend stattfand.
Das Vest Recklinghausen war eine Hochburg dieser makabren Ausschreitungen. Rita Möcklinghoff-Kohts hat anschaulich und dokumentarisch nachvollziehbar diese schreckliche Zeit auf der Horneburg festgehalten. Im Jahr 1514 wurde das erste Hexen-Todesurteil auf der Horneburg ausgesprochen, weil die Beschuldigte schlechtes Wetter verursacht haben sollte. Die Opfer wurden nach Wasserproben und schmerzlichen Folterungen unter Anteilnahme der Bevölkerung von Horneburg über den heutigen Steinrapener Weg zu einem Verbrennungsplatz, der, wie die Autorin herausgefunden hat, vor dem Stimberg im Loh/Hageneicken (Eichenwald) lag, gebracht und dort verbrannt. 1706 wurde die letzte Hexe im Vest verbrannt.

Frauenschicksale im Vest


Eingehend wird auch insbesondere den Ursachen für die Hexenverfolgungen nachgegangen, welche Rolle die Katholische Kirche eingenommen hat, welche Aufgaben die Beamten der Horneburg in diesem Zusammenhang hatten und wie sich die ansässigen Bürger verhalten haben.
In Vergessenheit ist geraten, wo in der Horneburg in all den Jahrhunderten die im Schloss gelegene Kapelle lag. Der Autorin ist es gelungen, anhand von alten Bauzeichnungen und Denkmalsunterlagen die genaue Lage der Ur-Kapelle in einem der noch vorhandenen Türme als auch die Nachfolge-Kapelle im heutigen Schlossteil zu bestimmen.
Rita Möcklinghoff-Kohts hat ein besonderes historisches Ereignis aus dem Bereich des Reichshofes Elmenhorst wieder entdeckt, das auch für Datteln Bedeutung hat. Der königliche Hofesverband Elmenhorst setzte sich aus zahlreich verstreuten Bauernhöfen in Waltrop, aber auch in Datteln (zum Beispiel in Hagem) zusammen. Diese Bauern waren als Reichshöfe steuerlich und persönlich gegenüber den anderen vestischen Bauern und Bürgern begünstigt. Dies führte zu Neid und Racheakten.
Die Autorin fand im Landesarchiv in Münster die Originaldokumente über einen makabren Vorfall aus dem Jahre 1594.Waltroper Bauern und Horneburger Beamte haben seiner Zeit einen Bauernhof in Waltrop-Oberwiese überfallen, der zum Reichshof Elmenhorst gehörte. Obwohl für diesen königlichen Hofesverbandwie für das Gebiet der Mark Hexenverfolgungen untersagt waren, hat man die Schwiegermutter des überfallenen Bauern (er war gewählter Elmenhorster Hobs-/Hofesrichter) samt Vieh zur Horneburg geschleppt. Die Frau wurde gefoltert und verbrannt. Es war eine Art Racheakt, denn mit den Hintergründen hatte die Unschuldige nichts zu tun. „Es lohnt sich, die Einzelheiten zu diesem Vorfall nachzulesen, zumal die Hofesstelle heute noch vorhanden ist und immer noch Menschen diskriminiert und denunziert werden“, sagt Rita Möcklinghoff-Kohts.
Abschließend fasst sie die weitere Entwicklung der Horneburg zusammen, auf der in neuerer Zeit Bauern ausgebildet, Bauerntöchter für den Haushalt vorbereitet, Kinder gesund gepflegt wurden - und heute Schülerinnen und Schüler internatsmäßig gefördert werden.
Der ausführliche Beitrag ist im Vestischen Kalender 2014 nachzulesen, der im örtlichen Buchhandel erhältlich ist.
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1 Kommentar
Mirella Turrek aus Recklinghausen | 22.01.2014 | 15:09  
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