Mamas Liebling (21)

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Lavinia Victoria ist Mamas ganzer Stolz. Daniela Hoppes ist freiberufliche Journalistin und schreibt für den Stadtspiegel über ihr Leben mit ihrem kleinen Liebling.
Mamas Liebling ist jetzt dreieinhalb und alle „Probleme“ sind gelöst. Er schläft seit langem durch, der Schnuller wurde schon vor einiger Zeit bei der Schnullerfee abgegeben und auch die Windeln sind ein Relikt aus vergangenen Babyzeiten. Liebling geht gerne in den Kindergarten und hat sich dort zu einem - nennen wir es freundlich - selbstbewussten Kleinkind entwickelt, das sich durchzusetzen weiß. Lassen wir mal beiseite, dass die Erzieherin neulich nicht nur begeistert von der tollen Eingewöhnung sprach, sondern meine Kleine auch als „manchmal ein wenig aufmüpfig“ bezeichnete.
Der gelungene Entwicklungsschritt machte Mama erst einmal völlig euphorisch - schließlich hatte ich mich drei Jahre lang nicht mehr ohne „Anhang“ bewegen können. Vom täglichen Duschen mit kleinem Zuschauer bis hin zum Arbeiten mit penetranten „Mama, Mama!“-Zwischenrufen hatte ich schließlich drei Jahre lang ein kleines Mädchen an meiner Seite, das - nun ja - ein echtes Mamakind war und mich nur ungern mehr als zehn Schritte aus ihrem Umkreis ließ.
Doch spätestens, als es sich diesen Sommer ergab, dass nicht nur die Kinder aus dem Kindergarten, sondern auch sämtliche Nachbars- und Gartennachbarskinder plötzlich viel spannender als Mama waren, kam ich mir dann doch ein wenig seltsam vor. Das kleine Kind verschwand plötzlich bei dem Nachbarskind im Garten und teilte mir mit, dass es völlig unnötig sei, mitzukommen. Und schon bald war es an den sonnigen Tagen kaum mehr gesehen und tobte glücklich mit den anderen Kindern durch verschiedene Gärten.
Mama hatte ein kleines „Loslass“-Problem und konnte die neu gewonnene Freiheit gar nicht genießen. Statt ein Buch zu lesen und endlich auch mal ungestört in der Sonne zu liegen, machte sie sich Gedanken, was alles auf dem großen Trampolin in Nachbars Garten passieren könnte. Und dieser riesige Hund! Ob man dem wirklich vertrauen sollte? Und und und. Zu den Klammeraffen-Mama-Gedanken kam das Gefühl, irgendwie „arbeitslos“ zu sein. Und dann vermisste ich mein Klammeraffen-Kind ganz schrecklich und langweilte mich in meiner ungestörten Buch-im-Liegestuhl-lesen-Stimmung. Wie schön waren doch die Babyjahre gewesen!
Ja, so sind die Mamas. Erst meckern, weil man zu sehr eingespannt ist, und dann rumheulen, wenn die Kleinen flügge werden. Inzwischen aber habe ich mich tapfer an die neue Lebensphase gewöhnt und kann tatsächlich mal ein paar Seiten lesen, ohne Horror-Szenarien von gebrochenen Knochen im Kopf zu haben.
Und jetzt kommt ja auch der Herbst, in dem wir ja wieder ganz viel kuscheln, basteln und Klammeraffenzeit verbringen können. In Nachbars Garten ist es doch jetzt schon viel zu kalt, oder?!
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