Ruhr Triennale: Weltkultur für Dinslaken

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Die ehemalige Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg wird 2015 Triennale Spielort. Pressefoto: Extraschicht / Sascha Kreklau.
Dinslaken: Kohlenmischhalle Dinslaken-Lohberg | Der neue Leiter der Ruhr-Triennale Simons will die Kohlenmischhalle zum Spielort machen:

Große Kultur ist oft glückliches Zusammentreffen: Der Niederländer Johan Simons als neuer Chef der Ruhrtriennale plant gleich zum Dienstantritt, die einst zu Kulturhauptstadt und „Extraschicht“ bespielte Kohlenmischhalle Lohberg als Industrie-Kathedrale in seiner eigenen Antritts-Inszenierung wieder zum Theaterort zu machen.


Am 14. August nächsten Jahres will der scheidende Intendant der renommierten Münchner Kammerspiele Johan Simons (* 1946) nicht nur als Künstlerischer Leiter, sondern auch als Regisseur der Uraufführung „Accattone“ ein in der Europäischen Kulturszene Aufsehen erregendes Projekt nach Lohberg bringen.
Es handelt sich um eine musikalische Theater-Fassung des Johann-Sebastian-Bach-Spezialisten und gleichaltrigen Simons-Partners Philippe Herreweghe von Pier Paolo Pasolinis berühmten gleichnamigen Schwarzweiß-Film, seinem Erstling von 1961: Hier auch bekannt unter dem Titel „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ – ein mit Bach-Musik sakral begleitetes Zuhälter-Porträt aus der Rom-Vorstadt Pigneto. Der Spielort als Heimat depravierten männlichen Subproletariats ohne Berufsaussicht ist auch als Programm gemeint.

Der verstorbene italienische Kult-Regisseur gilt nicht nur (vor allem heute) als kulturelle Ikone der Homosexuellen-Bewegung (er starb unter mysteriösen Umständen durch die Hand eines „Strichers“) sondern auch und vor allem als ästhetischer und politischer Innovator und Provokateur, den Simons bereits häufiger theatralisch bearbeitet hatte.

Simons Stück-Wahl wäre von Beobachtern dennoch eher in die auslaufende Intendanz Heiner Goebbels´ verortet worden, der als Komponist wie sein Vorgänger dem Musiktheater verpflichtet war. Simons wurde auch ausdrücklich als Mann des Schauspiels berufen, beide lieben jedoch den „Sparten-Übergriff“.
Er ist frischer Preisträger des Theater-Preises „Faust“ und vieler anderer.
Simons war der berühmteste Star des holländisch-belgischen Alternativ-Theaters, als er vom neuen Münchner Kulturdezernenten (früher Ruhrgebiet) überraschend an die Kammerspiele berufen wurde, dem Stadttheater-Pendant zum staatlich bayrischen Residenz-Theater auf der anderen Seite der Münchner Kulturmeile Maximilianstrasse. Viel früher als erwartet sagte Simons trotz oder wegen großer künstlerischer und Besucher-Erfolge der Münchner Schickeria Ade.
Begründung: Er wolle wieder näher am holländischen Wohnsitz sein, den er mit seiner Frau Elsie als bodenständiger „Bauernsohn aus Heerjansdam“ behalten hat. Nach der später verkündeten Berufung zur Ruhr-Triennale erschien vielen diese Begründung wegen der Fahrt-Nähe zum wohnort in Gelderland als noch glaubwürdiger.

Offen für neue Triennale Spielorte

Beim persönlichen Gespräch aus Anlass seiner Intendanz-Vorstellung (Motto: „Seid umschlungen“) in der Duisburger Gebläsehalle erwies sich Simons, der sich auch schon einmal bei Probenarbeiten im durchschwitzten Doppelripp-Unterhemd wie selbstverständlich fotografieren lässt, als äußerst witziger und souveräner Theatermann von wahrhafter Unvoreingenommenheit.

Auf den Vorhalt, er erhalte als „neuer Chef“ sicher zahlreiche Vorschläge und man wolle ihn mit dem Hinweis auf die leider nicht mehr häufig genug in der "Extraschicht“ bespielten Lohberger Halle als besonders für Theater geeigneten Ort nicht etwa langweilen, erwies sich Simons als sehr offen.
Zwar sei das Ruhrgebiet voller spannender Industrie-Spielorte, doch scheine ihm (soweit er dies wisse) die bisher bevorzugte Auswahl – generell, nicht bezgl. “Ruhr-Triennale“ gesprochen – nicht automatisch ein Endpunkt, er sei dankbar für jede Empfehlung. Simons war in Holland und Belgien berühmt für seine Erschließung von Industriebauten als Spielorte.

Sprach´s und wandte sich dem Fernseh-Interviewer zu, ließ sich aber gern seinen an der Bar liegengebliebenen großen Umschlag wieder in die Hand drücken, den er vergessen zu haben schien, Aufschrift: „Verträge Ruhr-Triennale“... Die Ankedote verbürgt: Simons ist ein Kreativer, mit wohl genau der richtigen Mischung aus Chaos und Organisations-Delegation, wie sie ins Ruhrgebiet passt. Und vor allem nach Lohberg.

Dessen anderen Grund für neuerlich überregionale Medien-Erwähnung man nicht ständig wieder namentlich in Erinnerung rufen sollte, meint man es gut mit dem Stadtteil. Endlich kommt wieder kulturelles Welt-Niveau, man muss es nur erkennen können. (Text: Caro Dai).
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