Alter Brauch: Zur Neueröffnung lässt Gudrun Sandforth ihr Geschäft segnen

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Pfarrer Bartholomäus Kalscheur segnete gern das Brautmodengeschäft von Gudrun Sandforth. (Foto: Lisa Mathofer)

Einen kurzen Moment blättert Pfarrer Bartholomäus Kalscheur in dem in rotem Leder gebundenen Segensbuch und verliest die Anlässe einer katholischen Segnung. Dann hat er den richtigen für diesen Samstag gefunden: die Segnung eines Geschäftes.

von Lisa Mathofer

Dinslaken. Dazu gehört auch der im Januar neu eröffnete Brautmodeladen Sandforth in Dinslaken-Hiesfeld. Kalscheur betont: „Wir segnen dieses Geschäft, um die hier Arbeitenden mit Gott in Verbindung zu bringen. Hier passt die Segnung erst recht, wenn die Kleidung Symbol zweier Menschen mit einer liebevollen Beziehung ist.“
Pfarrer Kalscheur liest einen Abschnitt aus dem Neuen Testament, spricht zusammen mit Besitzerin Gudrun Sandforth und den Gästen ein kurzes Gebet. Dann taucht er das Aspergill, ein Stab mit einer hohlen Kugel mit Schwamm, in den Messingkessel mit Weihwasser. In drei kurzen Bewegungen schwenkt er den Stab durch den Brautmodeladen und verteilt das gesegnete Wasser. „Gott, halte deine schützende Hand über diese Stätte der Arbeit“, beendet Kalscheur den Segen.
Gudrun Sandfort ist erleichtert und stolz. „Ich fühle mich sehr gut, jetzt kann es richtig losgehen“, sagt sie. Die Segnung des eigenen Geschäfts hat in ihrer Familie Tradition. Schon ihre Mutter Maria-Agnes Sandforth ließ zwei ihrer Brautmodeläden segnen. 1989 eröffnete sie das erste Geschäft in Osterfeld, zog mehrfach um und vergrößerte die Verkaufsfläche. 2010 übernahm Gudrun Sandforth das rund 350 Quadratmeter große Geschäft ihrer Mutter. Als sie sich nach einem kleinerem Geschäft umschaut, entdeckt sie die leerstehende Fläche der ehemaligen Buchhandlung Kaleidoskop an der Hiesfelder Mittelfeldstraße. „Die großen Schaufenster und die Lage haben mich total begeistert“, erinnert sich Sandforth. Zahlreiche Renovierungen waren nötig, bis die Brautmode an ihren neuen Standort ziehen konnte. Böden, Wände und die Decke wurde erneuert. Vitrinen aus Kirschholz und antike Sessel ergänzen das Ambiente des neuen Geschäfts.
Auf rund 120 Quadratmetern präsentiert Gudrun Sandforth nun etwa 300 Brautkleider, die aufgereiht in der Ladenmitte und den hohen Schaufenstern hängen. „Gefragt sind vor allem Spitze, Tüll und richtige Prinzessinenkleider“, sagt Sandforth. Aber auch schmale Kleider hängen auf der Stange. Und es muss nicht immer weiß sein: „Auch Nude oder Rosé oder farbige Brautkleider werden immer öfter angefragt.“ Auch bei der Segnung steht der Verkauf nicht still. Zwei Mädchen sind mit ihren Müttern gekommen, um ihre Kommunionkleider auszusuchen. Zusammen mit ihrer Verkäuferin berät Gudrun Sandforth die Kundinnen, gibt Tipps und holt passende Jacken, während sie zwischendurch immer wieder Gäste begrüßt und Glückwünsche zum Neustart entgegennimmt. Zur Segnung des Ladens sind viele gekommen.
„Das ist schon etwas Ungewöhnliches hier in Hiesfeld“, sagt auch Thomas Mölleken, der schräg gegenüber eine Fleischerei betreibt. „Aber es passt sehr gut, vor allem weil hier ja Braut- und Kommunionkleider verkauft werden“, sagt Annette Mölleken, die Vermieterin des Ladengeschäfts. Auch von anderen Hiesfeldern hat Gudrun Sandforth positive Rückmeldungen zu der Segnung bekommen. Und auch Pfarrer Kalscheur ist von der Entscheidung begeistert, denn auch für ihn war die Segnung ein außergewöhnlicher Einsatz: „Das finde ich gut, vor allem weil solche Segnungen immer seltener werden.“ Früher sei es selbstverständlich gewesen, einen Neubau oder ein neues Geschäft segnen zu lassen.
Auch nach der Segnung ist der kleine Laden am Rand der Fußgängerzone noch gut gefüllt. Die Gäste und Kunden stehen und sitzen zwischen den langen, weißen Reihen aus Kleidern. Zusammen mit Gudrun Sandforth, ihrem Mann und den Mitarbeiterinnen stoßen sie an: Auf die Neueröffnung und vor allem eine gesegnete Zukunft in Hiesfeld. 
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