Schock' Deine Eltern

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RE 1, Düsseldorf Hauptbahnhof Richtung Köln Bonn Flughafen. Ich betrete das Abteil, setze mich nach langer Zeit mal wieder in einen Zug und blicke gedankenverloren in das Treiben der Menschen auf den Bahnsteigen.

Kommen und gehen, verabschieden, willkommen heißen; alles in Bewegung. Doch dann das: Mein Blick schweift durch das Abteil. Ich sehe versteinerte Gesichter, Schockstarre in Mimik und Gesicht, das einzige was sich noch bewegt sind die monotonen Hände, die über die Displays ihrer Handys wischen. Ich hole ein Buch aus meiner Tasche, als sich gerade eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn mir gegenüber setzt. Der kleine Junge sieht mich mit großen Augen an und fragt: "Was ist das?" Die Mutter antwortet: "Das ist ein Buch, das kann man lesen."
Ich bekomme den Mund kaum noch zu. Hat er das jetzt tatsächlich gefragt? Schock. "Ja, ein Buch. Dieses dicke weiß beblätterte Etwas mit den monotonen Buchstabenkolonnen, wie langweilig. Tausende von Sätzen, die sich aneinanderreihen. Gähn." Ich spreche nicht aus, was ich denke, sehe das Kind an, wie es schon längst wieder mit Muttis Tablet spielt. Vor gut zehn Jahren aktionierten zwei Verlage mit dem Slogan "Schock' deine Eltern, lies ein Buch". Wer hätte gedacht, dass es schon heute heißt: "Schock' Deine Eltern, kenn' ein Buch"
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