Wo ist eigentlich Oxapampa?

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Faszination pur
 
Linda mit ihrer Gast Familie: Vater Wilbert, Bruder Daniel und Mutter Rose-Mary.
 
Beeindruckende Kulisse mitten im Dschungel von Peru. Foto: privat
Sprung zwischen den Kulturen: Linda Krisor über Dschungel, Slums und viele Hühnchen

"Noch nie in meinem Leben habe ich solche Wasserfälle gesehen. Das war einfach so unglaublich beeindruckend, wie aus riesigen Höhen diese Mengen von Wasser hinunter rauschten. Es war wie in einem Film, absolut surreal", schwärmt die 17-jährige Hünxenerin Linda Krisor und beschreibt damit Szenen, die wohl wenige Mädchen ihres Alters schon gesehen haben.

Sieben Tage war sie im Dschungel bei Oxapampa, in der peruanischen Yunga-Höhenzone und lernte eine Vegetation von ungeahnter Schönheit, Ureinwohner und indigene Riten kennen. "Am Anfang dachte ich, dass die mich auf den Arm nehmen wollten, und dass das alles für die Touristen inszeniert wird", sagt sie und muss immer noch lachen, als sie sich erinnert. "Wir trugen Gewänder und Ketten, bemalten uns und schmückten uns mit Stirnband und Federn. Schließlich tanzten wir zu Musik ums Feuer." Der Verdacht, dass es sich hierbei um ein Folkloretheater à la "Traumschiff" handeln könnte, liegt zugegebenermaßen wirklich nahe. Aber so war es nicht. "Es ist eine Frage des Respektes sich den Menschen anzupassen, wenn man in ihre Welt im Dschungel eindringt", so Krisor. Denn so leben die Ureinwohner noch heute, fernab der Zivilisation, ohne Industrie, Convenience-Produkte, ohne Kühlschrank oder Fernseher. Sie leben das Leben ihrer Väter und Vorväter, ein Leben in ursprünglicher Symbiose mit der Natur.
Doch das ist nicht alles, was die Schülerin des Otto-Hahn-Gymnasiums zu erzählen hat. Denn ihr Aufenthalt in Peru dauerte nicht nur sieben Tage, sondern ganze sieben Wochen. Die meisten Schüleraustausche gehen nach England oder in die USA. Peru hingegen ist da schon etwas "exotischer". Und es gehört schon ein wenig Mut dazu, sind die kulturellen Unterschiede doch deutlich größer als die der westlichen Welt.

"Das erste, was mich wirklich geschockt hat, war der Verkehr. Mein Gastbruder Daniel, der Anfang des Jahres schon bei mir in Deutschland war, hatte mich gewarnt." Vom Flughafen bis nach Lima braucht man schon mal fünf Stunden. "Die Autobahnen sind zum Teil siebenspurig in nur eine Richtung, alles hupt und dröhnt, eine einzige Katastrophe. Da hab ich echt Angst bekommen." Und das sind nicht die einzigen Unterschiede, die Linda in ihrer Zeit in Peru hat kennen lernen dürfen. Zum Zeitpunkt, als sie dort war, war gerade Winter, was bedeutet, dass es tagsüber "nur" 25 Grad warm war, nachts hingegen empfindlich kalt wurde.
Ihre Gastfamilie wohnte in Chaclacayo, einem Stadteil von Lima, etwa eine Stunde von der Innenstadt entfernt. "Die waren einfach unglaublich herzlich und haben mich bei allem total eingebunden. Mit meiner Gastmutter Rose-Mary hab ich zum Beispiel immer gekocht." "Was gab's denn so?" will ich wissen und sehe schon, wie sich Lindas Mine verändert. "Hühnchen mit Reis." "Und was noch so?" "Reis mit Hühnchen." Wir müssen lachen. Denn die Variabilität des kulinarischen Angebots war zugegebenermaßen recht begrenzt. "Am Ende konnte ich echt kein Hühnchen mehr sehen, was aber auch daran lag, dass wir einmal eins auf dem Markt zusammen gekauft haben." Wer jetzt glaubt, man entscheide sich da am Stand für Brust oder Keule, liegt, sagen wir einmal, ein klitzekleines bisschen daneben. "Die liefen da alle noch lebendig herum. Rose-Mary suchte eins aus und zack, war der Kopf ab. Dann wurde es ausgenommen und verpackt. Mir war so übel, dass ich davon nicht ein Stück nachher hatte essen können", erinnert sich Linda. Doch clever wie sie ist, macht sie aus der Not eine Tugend. Natürlich war es ihr auch eine Herzensangelegenheit, als sie beschloss, der Gastfamilie einmal die Dinge zuzubereiten, die sie gerne isst: Lasagne und Apfelpfannkuchen. Man ging zusammen einkaufen und schon war das Hühnchen "vom Tisch". Naja, wenigstens gab es kein Meerschweinchen, denke ich mir, aber belasse es dabei.

"Die Unterrichtszeiten sind hier besser"


Neben Familienleben und Dschungeltour stand aber natürlich auch die Schule im Fokus. Jeden Tag ging es von 7.50 Uhr bis 14.35 Uhr in die Schule, ein Konzept, dass sich Linda für Deutschland auch wünschen würde. Zwar ist die Gesamtstundenzahl nahezu identisch, ist es aber in Deutschland den langen Pausen geschuldet, dass man allein zweimal in der Woche erst um 17.30 "Feierabend" hat (Hausaufgaben gibt es dennoch), und der kürzeste Tag um 15.45 Uhr endet. "Freizeit beschränkt sich in Deutschland in der Regel nur aufs Wochenende, während man in Lima den Nachmittag auch mal genießen kann.", seufzt sie. Was ihr allerdings wiederum nicht so gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie Schule dort praktiziert wird. "Es ist völlig chaotisch und undiszipliniert, und alles ist deutlich langsamer. Was den Stoff angeht, sind wir in Deutschland meilenweit voraus." So hat alles sein Für und Wider.

Als blondes Mädchen fällt man hier ganz schön auf, das kann auch gefährlich sein"


So unterschiedlich wie die Schule, ist auch das gesellschaftliche Gefüge. Wie in vielen Städten Südamerikas trennt sich auch hier die Gesellschaft in arm und reich. "Auf dem Weg zur Schule bin ich Straßen entlang gefahren, auf deren einen Seite die prächtigsten Villen standen, direkt gegenüber befanden sich Baracken. "Und dann blicken die Villenbesitzer also direkt auf die Slums?" frage ich nach und kann mir nicht vorstellen, dass man Reichtum auf diese Weise überhaupt genießen kann. Doch die tagtägliche Vorführung jener Ungerechtigkeit, jener gesellschaftlichen Missstände, stört niemanden derer, die es ändern könnten. Kein Wunder also, dass man Linda riet, selbst im geschlossenen Auto während der Fahrt, weder Handy, Portemonai oder andere Wertgegenstände aus ihrer Handtasche zu holen. "Viel zu gefährlich, die schlagen dann einfach die Scheibe ein und reißen es dir aus den Händen."

Trotz dieser Tatsache, hat das ganze auch etwas "Gutes". "Man verändert sein Bewusstsein in vielerlei Hinsicht. Die Wertschätzung für das, was man hat, wächst. Man ist dankbarer für Wohlstand und Sicherheit, für Regeln und Gerechtigkeit." Aber auch das Umweltbewusstsein der Deutschen stellt Linda heraus. Bekommt man in Peru für drei Teile schon eine Einkaufstüte, was sich bei einem Großeinkauf dann gut und gerne zu 20 Tüten addiert, sind wir hierzulande schon kurz vor der kompletten Abschaffung. "Deutschland ist so ein tolles Land und ich bin unendlich glücklich, hier leben zu dürfen, auch wenn es eine schöne und spannende Zeit war, so Linda am Ende unseres Gespräches.
Ach so, liebe Eltern, liebe Schule: Ihr Spanisch hat sich übrigens auch wahnsinnig weiterentwickelt!
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