"Atemlos" in der Stadtverwaltung

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Rund 900.000 € fließen in den neuen Ententeich im Rahmen der Stadtparkneugestaltung, die mit 1,8 Millionen € Gesamtkosten Teil des Innenstadtumbaus ist. (Finanzierung: 30% städtische Eigenmittel plus 70 % Bundes- und Landes-Fördermittel). Foto: jape
 
Kathrin-Türks-Stadthalle Dinslaken. Foto: jape
Dinslaken: Kathrin-Türks-Halle | Rathaus sieht Vorteile in der erneuten Verschiebung der Stadthallen-Sanierung: In dieser Stadt wird neuerlich vieles verschoben, ob Bahnhofslift oder die Sanierung der - für viele aus dem Umland dadurch abends ohnehin kaum per Zug erreichbaren - Kathrin-Türks-Halle: Die Verwaltung nennt es für sich selbst eine „Atempause“. Dass die überfälligen Reparaturen dort nun, na was? – verschoben werden.

Für die neue städtische DIN-Event GmbH, fest auf die Reparatur 2016 eingestellt, heißt das, wie seit Jahren, weiter nur „auf Sicht zu fahren“, nichts Rechtes planen können. Für einen Veranstaltungsort existenzgefährdend. Denn für große Event-Konzepte mit attraktiven Künstlern brauchen solche Hallen-Betreiber, wollen sie wettbewerbsfähig bleiben, zeitlichen Vorlauf. Und der ist seit Jahren nicht gegeben.
Jetzt nennt „die neue Planung“ das Bundestagswahljahr 2017 als mögliches Schließ-Sanierungsjahr.

Stadthallen-Sanierung nun erst 2017?

Als Grund für die plötzliche Änderungen erklärt „die Stadt“, dass sich sozusagen spontan die Fristen für die Beantragung von Fördergeldern seitens ihrer Beamten verändert hätten.

Bis Mitte März müssten die Anträge schon bei der zuständigen Mittelbehörde Bezirksregierung Düsseldorf fertig abgegeben werden. Was aber die Stadtverwaltung einfach nicht schaffen könne: Man hatte sich dort intern auf Antragsstellung-Vorbereitungs-und-Ausfertigungs-Dienstzeit bis Ende Juli des Jahres eingestellt. Und hat jetzt ein ganzes Jahr mehr, die scheinbar willkommene „Atempause“.

Die zuständige Bezirksregierung dazu rein formal:

Die Vorgabe bis 13. März 2015 gilt für alle Kommunen. Die Bezirksregierung führe einen Erlass des Bauministeriums aus, bis 15. April das Programm für den
ganzen Regierungsbezirk aufzustellen.

Dass man das im Rathaus nicht früher erfahren hat, ist kaum zu glauben: Bauminister ist der frühere Dinslakener Bundestagsabgeordnete Mike Groschek (SPD), eng verbunden mit Bürgermeister Heidinger und ständig zu vielen Anlässen mit dem Rathaus in Kontakt: Erst kürzlich sogar mit dem den Bürgermeister auch vertretenden Fach-Dezernenten persönlich. Dass die Stadt bei ihrer prekären Finanzlage, die aktuell auf 15 Millionen taxierte Sanierung der KTH nicht alleine stemmen kann, zweifelt auch die Opposition im Stadtrat nicht an. Dass die Verwaltungs-Begründung etwas vorgeschoben „riecht“, ist aber dennoch zu hören.
(Wir haben nicht einmal Geld für eine Instandhaltung, würde sich ja auch dramatischer anhören).

Nun soll die wohl eigens für Improvisationen gegründete DIN-Event GmbH um Jörg Springer es irgendwie ausputzen.

Ewigkeits-Projekt mit viel Beratungsbedarf

Denn „ohne Moos nix los“ - wie eben nicht rechtzeitig beantragte Fördergelder des Landes, auch aus diversen Hilfsprogrammen wie „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ etc. es nach sich ziehen.

Der prinzipielle Ratsbeschluss zur Sanierung der Stadthalle ist im Übrigen schon drei Jahre alt!

Einen Vorteil aus Sicht der Verwaltung (neben dem Wegfall der „Atemlosigkeit“ bei der Antragsstellung) habe der eigenmächtige Aufschub zudem: Man könne die Zeit nun - fast ohne Zeitdruck- nutzen „die Vergabe von freiberuflichen Leistungen noch einmal zu starten“.

Auf Deutsch: Beim ersten Anlauf hatte sich - unter Kenntnis der Dinslakener Abläufe - an Architekten dafür nur ein einziger beworben. Bei vielleicht zwei Bewerbern gäbe es nun sogar eine Art Auswahl.

Zuvor müsse aber auch „die Politik“ noch die Grundsatz-Entscheidung fällen, wie konkret der Umbau zu einer Mehrzweck- und Bürgerhalle aussehen soll. Seit drei Jahren nachweislich bekannt als Voraussetzung für Fördermittel soll das circa in einem Juni geschehen, nein, da ist schon der von 2015 gemeint, also dieses Jahr...

Da aber die Entscheidung über die immer wieder aufs Neue diskutierte Abschaffung oder auch Beibehaltung fester Stadthallen-Gastronomie viel Beratungsbedarf hat, verspricht die Sanierung der KTH insgesamt zu einem ebenso unlösbaren „Ewigkeitsprojekt“ wie etwa der Einbau eines Gleisfahrstuhls an der - ohne Wahrnehmung der Verwaltung von der Bahn auf die Kategorie 5 (die von Holten, Friedrichsfeld und Voerde) herabgestuften Bahnstation der Stadt zu werden.

Für die Bahn – ist ihrem Kategorien-Konzept zufolge das der Station vorgelagerte Ex-Bahnhofsgebäude irgendwann unnütz.

Sie versucht dazu - statt zum Symbolpreis - wie schon erfolgreich beim hohen städtischen Zuschuss zum Ewigkeitslift ebenfalls dem leeren Stadtsäckel etwas zu entlocken. Die Bahn würde dann zurückleasen. Nur, warum sollte sie? ( Kategorie 5 braucht kein Gebäude). Es wird eine weitere Atempause brauchen, das zu verstehen.

Nun kann man die Auffassung vertreten, wenn man keine älteren Nachbarstädter, Reisende mit schwerem Gepäck, Kinderwagen-Mütter oder gar Behinderte abends per Zug in die Stadt lassen will, dann brauche man auch nicht die Toiletten der Stadthalle zu sanieren, wie seit Jahren angemahnt.
„Atemlos“-Beamtenlogik: Denn wer nicht kommt, geht auch nicht aufs Klo.

SPK-Citylauf wohl nicht beeinträchtigt

Neben dem Rathaus, wo so viel Geld in den Teich (und den Stadtpark drumherum) eingebracht wird, liegen die Arbeiten gemäß der Rathaus-Tempovorgabe voll im Zeitplan. Es heißt, der bei Politikern - und Bürgern - so beliebte Citylauf am 15. März könne eventuell ungestört stattfinden, bevor das Tiefgaragendach ausgegraben wird. Wer sagt`s denn? (Text: Caro Dai)
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