Dinslaken: Wenn eine "Bahnstation Kategorie 5" einen Fahrstuhl braucht...

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Drei Fahrgäste der Deutschen Bahn tragen gemeinsam mit Treppenhelfer Thomy Raue eine Rollstuhlfahrerin zum Gleis. Foto: cd.
Dinslaken: Bahnhof Dinslaken | Selbst der Minister konnte nicht helfen: Letztlich ohne Ergebnis verlief der Bahnlift-Gipfel am Aschermittwoch bei Bau- & Verkehrs-Minister Mike Groschek, den er dem NA versprochen hatte. Und wo er den NRW-Bevollmächtigten der Bahn AG, Hellmich Junior und die Stadtspitze DIN zusammenbrachte. Doch ...


Düsseldorf. Dinslaken. Das spontane Geschenk von Unternehmer Walter Hellmich, einen von ihm gekauften Treppenlift für Behinderte, Kinderwagen-Mütter und ältere Bewohner sowie Nahverkehrs-Besucher vorübergehend kostenlos einzubauen, lief bei der Bahn „vor die Wand.“ Und verstörte Politiker und die Stadtspitze, denen 2011 /12 die Abwärts-Kategorisierung der Bahnstation schlicht entgangen war. Denn als Bauherr ausführen muss alles die Bahn AG. Wieder die berüchtigten „Planungsphasen“ der DB: die würden gar den 2014 geplant angebotenen Hellmich-Lift o.ä. erst kurz vor Einbau des „richtigen“ 2016 möglich machen!

Hellmich bezuschusst nun sogar die Treppenhelfer!

Für die Tagespresse befuhren Reporter die Oberhausen-Emmerich-Strecke: Auf einem Video im Netz (anklickbar: nrz.de/ betuwelinie) verwechselt Projektleiter Stefan Ventzke die Streckenführung „von Oberhausen, über Voerde nach Dinslaken und Wesel.“ Grund: Alles Stationen einer Bahn-Kategorie.

Das der Station vorgelagerte alte Bf-Gebäude spielt in der Firmenstruktur der Bahn AG seine Rolle als getrennt zu vermarktendes Objekt. Aus Sicht der DB ist für Bahnstationen der Kategorie 5 (von 7 = Dorfhalt), zu der jetzt auch Dinslaken ebenso wie die ebenbürtigen Sterkrade, Holten, Voerde und Friedrichsfeld gehören, der Zugang durch ein Gebäude nicht mehr Standard. Doch liegen halt die anderen praktisch ebenerdig (Sterkrade mit Sonderlösung, Friedrichsfeld mit Rampen.). Anderswo sind „abgewirtschaftete“ Ex-Bahnhöfe „für einen Appel und Ei“ oder zum symbolischen Gegenwert zu haben. In Dinslaken wird schon wieder von einem „Kaufpreis“ für den Altbau gesprochen, die Bahn werde ihn dann „zurück-leasen“.

Walter Hellmich hatte eine entsprechende Detail-Planung und Kalkulation für sein Geschenk-Angebot in den versprochenen 14 Tagen fertig und dem Baudezernat schnell zugeleitet. Als Erfolg vermeldete die Stadt Dinslaken nun vom Aschermittwoch-„Gipfel“, dass im Ergebnis die Großzügigkeit des Unternehmers in Bares für den Stadtsäckel umgemünzt werden könne: Während weite Teile der protestierenden Bevölkerung (wie etwa der Seniorenvertretung) davon ausgingen, das ehemalige Staatsunternehmen habe selbst einen Fahrstuhl für seine Fahrgäste einzubauen, ließen sich Stadtverwaltung und damalige politische Führung überzeugen, sie sollten dafür Hunderttausende aus dem schon leeren Stadtsäckel draufzahlen! Was der Bahn auch schon vor Jahren verbindlich zugesichert wurde.

Viele gingen davon aus, bis zum Lift habe die Bahn – und bei Weigerung oder Dauer- Verschiebung – dann wenigstens die Stadt die soziale Verpflichtung, durch improvisiert beschäftigte Treppenhelfer notdürftig z.B. Rollstuhlfahrern zu helfen (nur zu Standard-Dienszeiten). Doch selbst deren Job-Verlängerung wurde zum regelrechten Kampf für Selbstverständliches, den auch viele NA-Leser bis zur Rats-Entscheid-Bewilligung kurz vor Weihnachten führten. Jetzt verkündet die Verwaltung, statt des ihm verbotenen Treppenlift-Geschenkes (Hellmich wollte gar den Einbau des selbst bezahlten Geräts bezahlen!) könne das Unternehmen nach Dezember 2015 anteilig für die Nothelfer zur Kasse gebeten werden. Um die Gemüter zu glätten, wird diese Unternehmensgruppe nicht der einzige Sponsor für die Übergangsträger sein. Und die Stadt sich zwei Drittel der Kofferträger-Kosten sparen.

„Ja, mach nur einen Plan...“

Argumente der Bahn: Selbst ein aufgelegter Treppenlift brauche eine eigene Planungsphase. Mit ähnlicher Begründung hatte die DB NRW 2014 plötzlich „in der Planungstiefe“ entdeckt, dass für einfachen Einbau des späteren Original-Lifts anders als in hunderten Bahnhöfen hier das Gleisdach abgebaut werden müsste. Dies verlange eigene Planungszeit, die Stadt wolle ja der Bahn sicher keine Mehrkosten für zusätzliche Planer zahlen... Lift erst 2016, da ohnehin Baumaßnahmen anstehen.

„...doch: rechne mit der Bahn"

Eine genaue Begründung für den Dachabriss forderte stadtseits niemand an: Mitarbeiter mutmaßten bei Besichtigung, die Bahn habe verspätet bemerkt, dass sie sich selbst durch den Einbau einer Mauer hinter der verwahrlosten Kneipe den Seiteneingang für den Transport der Groß-Lift-Teile durch die offene Bahnhofshalle versperrt hatte. Und wolle nun den Lift per schienen-gebundenem Kran durchs abzureißende Gleis-Dach einsetzen. Also dies alles gewinnbringend „in einem Aufwasch“ mit ohnehin erfolgender Betuwe-Sperrung erledigen, daher die „Verschieberitis“.

Abriss des Bahnsteig-Daches für einen vorübergehend aufgelegten Treppenlift wurde diesmal nicht angeführt. Aber: Treppenlifte benötigten auch Personal (gibt in Wahrheit auch selbst zu steuernde mit Behinderten-Spezialschlüsseln. Und: die Kofferträger waren ja finanziert!.) Und: Das Provisorium müsse für den Hauptlift auch wieder langwierig abgebaut werden. Und drohe auch diesen erneut zu verzögern. Das Hellmich-Geschenk sei abzulehnen. Dabei wisse man nun genau: Einbau des Hauptliftes erfolge exakt:
„voraussichtlich zwischen April und November 2016“.

Die Stadt Dinslaken dazu wörtlich: „Aus unserer Sicht begrüßenswert ist der nunmehr klar abgesteckte Zeitrahmen bis zum barrierefreien Zugang zu den Gleisen.“ Wie übrigens schon im Herbst 2014 „bahnseitig kommuniziert“...
Abends, wenn die Kofferträger, zunächst von Steuergeldern, dann „gemischt finanziert“ in ihren wohl verdienten Feierabend gehen, werden am Dinslakener Bahnhof weiterhin wie jetzt Rollstuhlfahrer Mitreisende bitten müssen, ihr Gefährt leer nach oben zu hieven. Um sich dann rutschend die Treppen hinauf zu bewegen. Und wer die Stadt oder ihren Einkaufs-Magneten abends besuchen will oder auch nur wie vorgesehen in die Straßenbahn nach Hamborn oder Duisburg Hbf umsteigen will, muss „bis Betuwe“ oben am Gleis bleiben und zurückfahren. Falls er das Pech - nämlich ein Handicap hat.

Stichwort Betuwe:
Die DB plant übrigens - eine in Holland längst fertiggestellte Güterbahnlinie - entlang der alten Schienen, aber mit Schallwänden (Betuwe-Linie) seit 20 Jahren und stellt jetzt Antrag ans Eisenbahnbundesamt. Wo er geprüft und bewilligt werden soll. Gegenüber Zeitungen der Funke-Mediengruppe (zu der auch diese Zeitung gehört) erklärte Betuwe-Projektleiter Stefan Ventzke Mitte Februar, in Dinslaken werde es einmal neue Bahnsteige und Weichen geben, auch ein Überholgleis eingerichtet.

All dies übrigens gab es schon einmal oder gibt es noch (hier in DIN), vom jetzigen Restbahnsteig ist noch die alte Streckenführung weiterer Gleise auf dem alten Schotter zu erkennen, gar abwärts führende Treppenschächte. Und auch ein extern in Sichtweite geführtes, durchaus derzeit genutztes Güterbahn-Gleis außerhalb des Personenverkehrs gibt es längst. Auch der nordöstlich des alten Güterbahnhofs gelegene Metall-Betrieb hat über die Tiefbrücke der Gerhard-Malina-Straße Gleis- und Weichenanschluss an die Strecke nach Wesel. Im Bereich der B8 laufen die Gleise wieder zusammen, die sich ab Hünxer Straße zur Gleisharfe ausbreiten.
Es handelt sich also im Wesentlichen hier um eine Gleiskörper-Ertüchtigung, laut Bahn auch, um einmal einen RRX-Halt mit neuem Gleis zu ermöglichen: „Hier bleibt kein Gleis in seinem Bett.“ (Text: Caro Dai)
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