Ehrenamt ist keine Armenpflege und kein Ersatz für staatliche Daseinsvorsorge

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Zum 26. Internationalen Tag des Ehrenamtes am 05.12.2013 äußert sich Sascha H. Wagner (DIE LINKE): Der Internationale Tag des Ehrenamtes wurde 1985 von der UN festgelegt als ein „ehrenvolles, freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet ist“.
Heute ist damit „Freiwilligenarbeit“ und „Bürgerschaftlichem Engagement“ gemeint.
Noch engagiert sich jede/r Dritte hierzulande ehrenamtlich. Im Vergleich zu 56 Milliarden Lohnarbeitsstunden werden in Deutschland lt. Statisches Bundesamt 96 Milliarden Arbeitsstunden unbezahlt gleistet. Unzählige Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens wie die freiwilligen Feuerwehren, Katastrophenschutz, gemeinnützige Vereine (Umweltschutz, Gesundheit, Kultur, Sport, Bildung, Jugendarbeit, Soziales) gäbe es ohne freiwillig Engagierte nicht. Alle „Ehrenamtler“ verdienen uneingeschränkte Anerkennung und Wertschätzung.
Wenn in der Führung von Vereinen und Verbänden integre Personen den Ton vorgeben und die Prinzipien der Transparenz und Verantwortlichkeit in allen Belangen Leitschnur sind, wenn sie Demokratie wirklich leben und ihre Interessengruppen (Stakeholder) angemessen beteiligen, können sie Vorbild für eine positive gesellschaftliche Entwicklung sein.
Wenn vorrangiges Ziel "guter Vereinsführung" effektiveres Marketing oder Verbesserung ihrer Pressearbeit bei den Verbänden verstanden wird, brauchen wir sie nicht.
Eine andere Seite des Ehrenamtes zeigt sich wenn Öffentliche Haushalte mit unbezahlter Arbeit (unter anderem 1-EURO-Jobs) durch Stellenabbau regulärer Arbeitsplätze entlastet. In manchen Bereichen mutet ehrenamtliches Helfen fast schon wie Armenpflege im Mittelalter an beispielsweise bei den „Tafeln“ (deren Anteil an der Linderung von Not hier ausdrücklich nicht in Frage gestellt werden soll).
Wo ehrenamtlich engagierte Einwohner/innen wahrnehmen, dass ihre freiwillige Arbeit zur Umverteilung von „unten nach oben“ beiträgt, geht der ursprüngliche Sinn verloren.
Wie neuere Untersuchungen belegen, hat der Abbau des Sozialstaates zur Folge, dass bei der Bevölkerung die Bereitschaft abnimmt, sich unentgeltlich gesellschaftlich zu engagieren.
DIE LINKE engagiert sich auch vor Ort dafür, dass Ehrenamt nicht zum Lückenbüßer einer von der herrschenden Politik billigend in Kauf genommenen öffentlichen Armut gemacht wird, sondern im Sinne des UN-Beschlusses gesellschaftliche Beteiligung und sozialen Zusammenhalt fördert.
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