Kandidat privat 2013: Wahlkreis 113 und 117 im Focus der Promis

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(v.l.) Niema Movasatt, Sascha Wagner und Sahra Wagenknecht.
 
Sascha wagner mit Oskar Lafontaine.
 
Sascha Wagner.
Dinslaken. Voerde. Hünxe. (Wahlkreise Wesel I u. III mit Oberhausen) Bundestags-Wahlkreise mit interessanten Kandidaten, die in der Bundespolitik einigen Einfluss haben:

Marie-Luise Dött (CDU) renommierte Mittelstands-, Umwelt- und Energiepolitikerin , Bärbel Höhn (Grüne) ehemalige NRW-Ministerin und grüne Urmutter im Bundestag, weltweit geschätzt und vernetzt oder NRW-Minister Mike Groschek (SPD), der hier, bis zur Berufung in die Landesregierung, seinen Wahlkreis in DIN und OB direkt holte - beide Wahlkreise Wesel I und III sind im Fokus.

Promi-Unterstützung

So bekommt sogar die „Linke“ ausgerechnet hier immer ein bisschen öfter als sonst Besuch von populären Promis wie Gregor Gysi oder Sahra Wagenknecht, auch der neue Frontmann Bernd Riexinger wurde kürzlich in Voerde gesichtet. Wo sein Landesgeschäftsführer antritt. Solche Besuche stärken ja bei allen Parteien (außer vielleicht bei diversen Piraten in „Orange“ oder „Euro“ sprich afd) die viel versprechenden Nachwuchspolitiker.
Hier die Kandidat-Privat-Porträts der „linken“ MdB-Kandidaten:

In OB & DIN tritt bei der Linken Niema Movassat
(* 1984) wieder an. 2009 über die Landesliste jüngster MdB der in Ost und West so uneinheitlichen Partei, Diplom-Jurist (Heine-Uni Düsseldorf / Schwerpunkt Öffentliches Wirtschaftsrecht), Sohn iranisch-stämmiger Eltern, in Wuppertal und Oberhausen aufgewachsen.

Niema Movassat

Seine Partnerin unterstützt seine politische Arbeit, auch wenn derzeit nicht gerade viel Zeit für traute Zweisamkeit bleibt. Im Parlament ist der Linksaußen fachlich sehr anerkanntes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Stellvertreter im Menschenrechts- und Rechtsausschuss, Fraktions-Obmann im Unterausschuss „Gesundheit in Entwicklungsländern“. Schon mit knapp 16 Jahren trat Niema Movassat „in die einzige Partei ein, die immer konsequent gegen Krieg war“. Sein persönlicher Anlass: Der erste Auslands-Einsatz deutscher Truppen seit 1945 (im Kosovo-Konflikt, der von der rot-grünen Regierung Schröder/Fischer ohne UN-Mandat mitgetragen wurde.).

Der heute bald 30jährige: „Eigentlich kann man sich auch ohne große MdB-Auslandsreisen gut informieren. Auch bin ich während der sitzungsfreien Wochen lieber in meinem Wahlkreis. Denn da brennt es oft genug, Oberhausen zB ist ja bekanntlich eine bitterarme Stadt... aber eine bestimmte Reise ist mir sehr gut in Erinnerung: Das war ein Jahr nach dem „Arabischen Frühling“ in Tunesien. Da hat sich der Ausschuß mit Nichtregierungs-Organisationen, sog. NGOs getroffen. Darunter auch eine Frauenrechtsorganisation, die sich für Gleichberechtigung, gleiche Bildungschancen einsetzt. Taffe, kluge junge Frauen. Die schon großen Druck von fundamentalistischen Fanatikern wie der Muslimbruderschaft auszuhalten hatten. Da bedeutet aktiv Politik machen Gefahr für Leib und Leben.“.

Movassat empfindet die heutige Entwicklung im ganzen arabischen Raum als „schrecklich“ - auch und besonders, „weil alles mit so vielen Hoffnungen begann.“. Den religiösen Konflikt sieht er, hierin durchaus Marx folgend eigentlich als den Konflikt zwischen Arm und Reich. Als Konflikt zwischen Zugang zu moderner Bildung und eben keinerlei Zugang: „Aus Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit, keinerlei Chancen auf Aufstieg, auf Lebensglück. Für Millionen junger Menschen. Eine Oberschicht, die ihre Privilegien agressiv verteidigt, und dies mit allen Mitteln. Genau das hat im alten Europa zu zwei Weltkriegen geführt. Wir müssen alles tun, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Wir müssen Kriegseinsätze verhindern. Vorher die Entstehung verhindern.“ Man merkt, der junge Deutsche steht in der Tradition des Heimatlandes seiner Eltern weder auf Seiten des Pfauenthrons (von Soraya bis Farah Diba) noch etwa der Fundamentalisten.

Für Sahra statt Soraya

Auch der „Linke“ Sascha Wagner (*1980), in Dinslaken durch langjährige Arbeit als Vorsitzender des Stadtjugendrings bekannt, wird als vielversprechender Nachwuchs-Politiker gehandelt. Er wurde letzten Sommer (auch für ihn überraschend mit großer Mehrheit) zum Landesgeschäftsführer seiner Partei gewählt. Und ist nun so einer der engsten Mitarbeiter von NRW-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht (deren Vater übrigens ebenfalls wie Movassats Eltern aus dem Iran stammt).

Wagner schmeißt derzeit organisatorisch den kompletten Bundestagswahlkampf in NRW. Dass er gleichzeitig auch als MdB-Kandidat für Voerde und Hünxe antritt, ist für ihn sozusagen „ein permanenter Abgleich von Theorie und Praxis“. Sascha Wagner kommt aus der Jugend- und Behindertenarbeit „mit Abstechern in die Krankenpflege und Heilerziehung, und mit Erfahrungen in der elektronischen Marketing-Dienstleistung – alles Bereiche, die ja auch im Wahlkampf nicht fehl am Platz sind...“, scherzt er beim Interview (besonders mit Blick auf Heilerziehung). Erfahrungen im politischen Alltagsgeschäft auf kommunaler, Landes - und Bundesebene konnte Wagner als Fraktionsassistent im Rat Dinslaken, als Kreisverbands-Geschäftsführer, als MdB-Mitarbeiter von Niema Movassat und als Pers. Referent von Wolfgang Zimmermann (Ex-NRW-Fraktionschef) sammeln.

Die Stimmenverluste bei der Landtagswahl waren in Wagners Augen lehrreich: „Wenn Personen und innerparteiliche Konflikte interessanter als Inhalte werden, wird das vom Wähler bestraft. Doch das liegt hinter uns: Wir sind momentan die einzigen, die SPD daran zu erinnern, wo sie herkommt. Es geht um soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht noch weiter aufklaffen. Dazu gehören Mindestlöhne (geforderte 10 Euro pro Stunde brutto), so dass man von seiner Arbeit selbst leben kann. Wir wollen Steuergerechtigkeit auch für Reiche, ohne Schlupflöcher zu den Kayman-Inseln. Die rot-grünen Hartz-IV-Gesetze waren falsch und haben viel Elend in diesem Lande erzeugt. All das sind gute Gründe, warum man uns braucht.“.

Sascha Wagner

Und wie vereinbart man solche selbstgestellte Mammutaufgaben mit einem Privatleben? Sascha Wagner seufzt: „Welches Privatleben? Meine Freundin hat die Fernbeziehung (sie studiert in Göttingen) und den Wahlkampf gleichzeitig leider nicht gut verpackt. Doch dieses Problem haben wohl viele politisch Aktive, nicht nur bei der Linken.“. Das wollte er eigentlich gar nicht erzählen. Aber die Interview-Reihe heißt nunmal „Kandidat privat“.
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