Presseerklärung: Umweltschutzverbände Nabu und BUND zum Umbau der Emscher-Mündung

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von Helga Franzkowiak und Petra Schmidt-Niersmann.

Die Naturschutzverbände begrüßen, dass nunmehr nach über 100 Jahren, in denen die Emscher als offener Abwasserkanal durch das Ruhrgebiet geflossen ist, der Versuch einer Renaturierung unternommen wird. Sie haben jedoch erhebliche Zweifel, dass dies mit den vorgestellten Maßnahmen auch tatsächlich erreicht werden kann.

Seit 2007 wird in Dinslaken über den ökologischen Umbau der Emscher-Mündung diskutiert. Nun wurde überraschend ein neuer Antrag vorgelegt, der als Änderungsantrag dargestellt wurde. Die Behauptung, dass weitgehend alle Einwendungen der Umweltschutzverbände eingearbeitet wurden, bestätigt sich allerdings nicht bei genauer Prüfung der vorgelegten Unterlagen. In 7 Ordnern wird dargestellt, dass die Ausbaustrecke gegenüber dem ursprünglichen Antrag um weitere 650 Meter verkürzt wird, dass das Mündungsdelta wegen des immer noch geplanten Kohlehafens in direkter Nachbarschaft weiterhin viel schmaler ist als dies in den ersten Überlegungen der Fall war. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb die Emscher vom Klärwerk Emschermündung bis zum ökologisch bedeutsamen Mündungsdelta weiterhin kanalisiert bleiben soll. Dies stellt mit Sicherheit keine ökologische Verbesserung der Emscher dar. Die unmittelbare Nähe des Kohlehafens – sollte Evonik ihn noch bauen wollen – würde alle Bemühungen, ein ökologisches Potenzial aufzubauen, konterkarieren. Dem jetzt vorgelegten Antrag können die Naturschutzverbände jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht zustimmen.

Obwohl dies eine Emscher-Verbesserung light sein wird, soll jedoch weitaus mehr Bodenaushub bewegt werden, die Anwohner im Ortsteil Am Stapp weitaus mehr belastet werden als dies im ursprünglichen Antrag geplant war.
Es wird zwar im Oberlauf der Emscher der Emscherkanal gebaut, es ist aber immer noch nicht sichergestellt, dass bis zur Flutung des neuen Auenfeldes dieser Kanal fertig gestellt sein wird – mit dem bizarren Ergebnis, dass bei starken Regenfällen die ökologisch wertvolle Aue mit den Fäkalien aus dem Klärwerk überschwemmt werden wird, zumindest so lange, bis die Verrohrung der Emscher nicht fertig gestellt wird. Des weiteren kommen die Gutachter der Emschergenossenschaft zu dem Ergebnis, dass die Versalzung der Emscher zwar reduziert werden kann, dass aber „die zukünftige Chloridkonzentration in der Emscher nach dem Umbau den Wert von 800 mg/l im Mittel nicht überschreiten werden“. Mittlere Chloridkonzentrationen bereits ab 400 mg/l stellen die Erreichung eines guten ökologischen Zustandes bereits in Frage, bei Überschreitung von 800 mg/l ist die Erreichung eines guten ökologischen Zustandes ausgeschlossen.

Wie Petra Schmidt-Niersmann vom BUND gegenüber der Presse erklärt: „Es geht uns nicht darum, das ganze Vorhaben in Grund und Boden zu stampfen. Die Emschergenossenschaft ist verpflichtet, die europäische Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Dies respektieren wir. Allerdings muss dann auch über die Verhältnismäßigkeit der Mittel nachgedacht werden. Und dies bedeutet für mich: wie erreiche ich den größtmöglichen Nutzen bei möglichst geringem Ressourcenverbrauch? Weshalb nun ohne Rücksicht auf die betroffenen Bürger ein vorzeitiger Baubeginn im Sommer 2013 beantragt wird und auch nicht der Abschluss von notwendigen Enteignungsverfahren abgewartet werden soll, ist im Antrag mit dem öffentlichen Interesse begründet. Es gibt an keiner Stelle eine Alternativenprüfung, inwieweit durch veränderte Abläufe der Baumaßnahme die Eingriffe und die Belastungen für die Bewohner von Eppinghoven reduziert werden können.

Helga Franzkowiak führt weiter aus: „Die Stadt Dinslaken hat noch die Möglichkeit, bis Mai eine Stellungnahme bei der Bezirksregierung abzugeben. Sie sollte dies im Sinne ihrer Bürger tun. Letztendlich ist aber wieder die Politik gefragt, denn der Stadtrat muss einen Beschluss fassen und kann selbstverständlich noch Anregungen und Bedenken einbringen.“
Wie Helga Franzkowiak, die seit 2007 die Naturschutzverbände im Verfahren vertreten hat und nunmehr Stadtverordnete im Rat der Stadt Dinslaken ist, erklärt, hat sie bereits die gemeinsame Stellungnahme der Naturschutzverbände an die Stadtverwaltung Dinslaken gesandt und ihre Bereitschaft zu einem erneuten Meinungsaustausch angeboten.
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