Ein Rezept gegen Langeweile und Einsamkeit

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Volles Haus - Parkettraum im Beetsaal Bruch.
 
Erika Tempel
Erzählcafé im Betsaal Bruch feiert 10-jähriges Bestehen

Beim ersten Mal kamen zwölf Gäste. Und das Programm wurde aus „Bordmitteln“ bestritten. Damals trug die Jugendleiterin Sabine Fischer- Borgardts Herbstgedichte vor und Pfr. Karl-Heinz Tackenberg spielte Gitarre. Das war vor zehn Jahren. Am ersten Sonntag im Oktober diesen Jahres waren es über 60 Gäste. Und das Programm war professionell.

Die Kabarettistin und Sängerin Elisabeth Kuhs trug, vom Konzertpianisten Michael Carleton am Klavier meisterlich begleitet, Literatur und Chansons vor. Eingangs warnte sie mit einem Augenzwinkern die Gäste, dass es sich bei ihrem Programm „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ eigentlich um ein Programm für den späten Abend handele, weil es bisweilen pikant zugehe. Sie trug Lieder aus den 20er Jahren vor, präsentierte Gedichte über Liebe auf Um und Abwegen von Kästner bis Prévert. Und spätestens beim Zarah-Leander-Medley begannen die Gäste an den Tischen leise mit zu summen. Dabei schlüpfte die Künstlerin in verschiedene Rollen, mal war sie „“Berliner Schnauze“, mal die „Unscheinbare“ mit Wiener Dialekt und mal gab sie einen Einblick in die russische Seele. In all diesen Facetten überzeugte sie mit schauspielerischem Können und vor allem mit ausdrucksstarker Mimik.

Sicher trägt auch das hohe Niveau des Programms dazu bei, dass das Erzählcafé im Parkettraum des Betsaal Bruch in der Wilhelminenstraße in Dinslaken immer beliebter wird. Seit 10 Jahren lädt es immer am ersten Sonntag von Oktober bis März zwischen 15 und 17 Uhr zu Kultur und selbstgebackenem Kuchen ein. Der Eintritt kostet incl. Kaffee und Kuchen 5 € (vor 10 Jahren waren es 4 €). In all den Jahren wurde der vorzügliche Kuchen immer von fleißigen Händen in der Gemeinde zubereitet und gespendet. Von Ostkuchen bis Schokosahnetorte ist alles vertreten. Ohne diese vielen fleißigen Hände im Hintergrund würde das ganze Konzept nicht funktionieren.
Das Programm stellt Erika Tepel ehrenamtlich zusammen. Und sie tut dies mit viel Herzblut. Mit einem guten Gespür für passende Angebote ist sie unermüdlich auf der Suche nach neuen Künstlern und Musikern, um das Programm abwechslungsreich zu gestalten. Sie verhandelt mit den Vortragenden über die Gage und moderiert als die gute Seele des Ganzen auch die Nachmittage. Die Idee, die hinter dem Konzept des Erzählcafés steckt erschöpft sich aber nicht allein in der Gestaltung von Kulturprogrammen. Erika Tepel ist der zweite Aspekt, nämlich der Aspekt von Begegnung und persönlichem Miteinander beim Kaffeetrinken genauso wichtig. „Es gibt doch wirklich etwas Besseres, als sich in der dunklen Jahreszeit an Sonntagnachmittagen alleine zu Hause zu langweilen!“ erklärt sie die Idee, ihres Erzählcafés.

Erika Tepel wird bei ihren Cafénachmittagen verlässlich unterstützt von einem Team, das für das Schmücken des Raumes genauso verantwortlich ist wie für das Eindecken, Bewirten, Spülen und Aufräumen. Im Team von sieben Ehrenamtlichen gibt es noch zwei, die seit den Anfängen dabei sind: Küsterin Ursula Söker und das Gemeindemitglied Monika Schlotzauer. In all den Jahren hat sie vielleicht ein Mal gefehlt, erzählt die Ehrenamtliche. In all den Jahren waren es 60 Veranstaltungen. Erika Tepel weiß, dass sie ohne ihr Team das Erzählcafé schließen könnte. Darum bedankte sie sich beim Jubiläums-nachmittag am 6.Oktober bei ihren MitstreiterInnen sehr herzlich mit einer roten Rose. Auch die Kirchengemeinde, vertreten durch die Vorsitzende des Presbyteriums und Pfarrerin des Bezirkes Sabine Röser-Blase, sprach am Ende der Veranstaltung Erika Tepel ihren herzlichen Dank für ihr 10-jähriges großes Engagement im Erzählcafé aus.
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