Adventskalendergeschichte: Das Lächeln des Rentieres (Tor 20)

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Rentiermops Murphy wünscht schöne Weihnachten. (Foto: jape)

Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Teilen. Fast so glücklich machend wie Schokolade, aber dafür kalorienarm.

24.12.2013 | 09:00 Uhr
Lena erschrickt. Der Radiowecker zeigt neben der Uhrzeit das No-Go-Datum an und sie ist immer noch daheim. Sie springt aus dem Bett und holt fix eine Trittleiter aus der Kammer, um sich ihren Koffer vom Kleiderschrank zu holen.
Sie legt den Koffer aufs Bett, öffnet diesen und beginnt Klamotten aus dem halb begehbaren Kleiderschrank gekonnt in den Koffer zu werfen. Mit Musik geht alles besser, drum unterbricht sie kurz und schaltet ihren Lieblingssender ein. Last Christmas. Sie schaltet direkt wieder ab.
Der Koffer füllt sich Stück für Stück, wobei Lena eine gute Mischung aus Sommer- und Winterkleidung auswählt. Ein neongrüner Bikini findet neben einem regenbogenfarbenen Schal Platz; die unverzichtbaren Flip-Flops wurden einfach in die Winterstiefel gequetscht. Lena muss sich kurz auf den prall gefüllten Koffer setzen, damit er überhaupt verschlossen werden kann – fertig. Sie schleppt das beinahe berstende Ungetüm in den Hausflur, bereit zur Abreise. Im Kopf hakt sie die übliche Liste ab bzw. geht den Fluchtplan durch. Demnach steht nun die schnellste Morgenroutine des Jahres auf dem Programm, wozu eine hastige Dusche und ein kaum gekautes Frühstück gehören. „Go Go Go!“ spornt Lena sich selbst an doch bleibt wenige Schritte später stehen. Einer der Weihnachtssterne, die sie vor wenigen Stunden am Fenster befestigte, strahlt sie an. Sie atmet durch. Alte Gewohnheiten und ein fast schon natürlicher Fluchtreflex hatten sie erneut im Griff. Dieser Gedanke gefällt ihr gar nicht. Sie möchte unbedingt den „Feind Weihnachten“ bezwingen und nicht mehr ständig das Gefühl haben, als ob der Weihnachtsmann ihr an die Kehle möchte. Sie nimmt sich vor, den Koffer nach einem entspannten Frühstück wieder zu leeren und sich dann weitere Vorbereitungen für einen ganz persönlichen Weihnachtsabend Marke Lena zu treffen.
Ihr fällt auf, dass sie eigentlich gar nichts weiter in der Wohnung hat. Nichts von alledem, was man so braucht. Tannenbaum, Geschenke, Dominosteine. Nichts.
Sie schaltet das Radio ein weiteres Mal ein. Es erklingt erneut ein Weihnachtslied, doch dieses Mal lässt Lena es laufen. Santa's back in town.
„So so“, sagt Lena. „Dann wollen wir dir mal einen Besuch abstatten.“

„Malte! Warte, verdammt!“
„Wenn wir noch länger warten, sind die Tannenbäume weg!“
Peter hat sich verheddert. Er bekommt den Reißverschluss weder auf noch zu. Malte hingegen ist schon lange bereit für das Kaufhaus. Ein Ausflug, den Peter sich natürlich liebend gerne gespart hätte, aber was tut man nicht alles für den Haussegen.
Die beiden wollen in das nächste größere Einkaufszentrum, um Geschenke und einen Tannenbaum zu kaufen. Peter konnte Malte überreden, auf so Kram wie Schnee-Spray und Nussknacker zu verzichten, auch wenn ihm ein Verzicht auf die Geschenke lieber gewesen wäre.
„Weißt du eigentlich, wie teuer Lego-Steine sind? Das ist Wucher.“
„Aber Playmobil finde ich blöd.“
„Das sind Plastikbausteine! Plastik! Ich mein, wenn die aus Gold wären ...“
„Peter, du willst doch nur Zeit schinden.“
„Nein! Der Reißverschluss klemmt wirklich.“
Es ist ihm sichtlich peinlich; normalerweise würde man vom kleinen Malte erwarten, dass er sich so unglücklich verfängt. Muss wohl in der Familie liegen.
„Wir müssen Mama auch was kaufen!“
„Oh je. Das stimmt. Wir wollten ja später eh zu ihr ins Krankenhaus.“
„Ich hoffe, du hast bereits eine Idee.“
„Was? Wieso ich? Sie ist deine Mutter!“
„Du kennst sie länger als ich!“
„Wir schauen einfach mal, okay?“
Peter zerrt ein weiteres Mal kräftig an seiner Jacke und löst endlich den verhakten Reißverschluss. Eins ist sicher: Nächstes Jahr wird er sich revanchieren, und sich bei einer solchen Jackensituation absichtlich einen Arm oder so brechen. Alles nur, damit seine Schwester ihn Weihnachten versorgen muss.
„Es kann losgehen. Bereit für das vollste Kaufhaus der Stadt, Malte?“
„Ja! Endlich.“ Malte lacht vor Freude laut auf.
„Können wir das schaffen?“
„Jo, wir schaffen das.“
Motiviert und fröhlich springen die beiden ins Auto.
Peter braucht ca. acht Minuten, um den Sicherheitsgurt im Auto zu befestigen.

Fortsetzung folgt.
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