Adventskalendergeschichte: Das Lächeln des Rentieres (Tor 8)

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Rentiermops Murphy wünscht schöne Weihnachten. (Foto: jape)

Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Teilen. Fast so glücklich machend wie Schokolade, aber dafür kalorienarm.

23.12.2013 | 21 Uhr.
Daniels Liste ist immer noch recht überschaubar. Unter der fetten Überschrift „Opfergaben für Ruth“, seiner angestrebten Schwiegermutter, steht einsam und alleine „Etwas Persönliches“. Er findet es schon schwierig genug, seine Freundin Marie bei Laune zu halten, aber nun auch noch ihre Mutter happy zu machen, macht ihn fertig.
Er muss an Maries Geburtstag denken, der nun schon einige Monate zurückliegt, aber immer noch heiß diskutiert wird. Es wurde Singstar gespielt; das ist dieses eine Konsolenspiel, wo sich das heimische Wohnzimmer in eine Karaokebar verwandelt und sich jeder für Celine Dion hält.
Die gesamte Sippe, die sich an Maries Geburtstag eingefunden hatte, machte mit. Daniel hätte nie gedacht, dass eine Familie so groß sein kann, und vor allem nicht, dass sie alle in ein Wohnzimmer passen würden. Aufgrund der zahlreichen Teilnehmer kam jeder maximal zweimal an die Reihe und durfte sich öffentlich zum Gespött machen. Zugegeben, Tante Martha trug eine überzeugende Interpretation von MC Hammers „U can't touch this“ vor, aber das war es dann auch. Ruth, Maries Mutter, versuchte sich am Klassiker „Country Roads“, wobei sie den Text nicht allzu ernst nahm.
„Kaunthrie Rrrohds..
Täik mie hohm..
Tuh zäh pläiss..
Ei bielonk.
Wäst Vätscheina..“
Daniel schaute direkt belustigt in Maries Richtung. Sie bemerkte Daniels Blick, wusste aber nicht, was er von ihr wollte. Er flüsterte ihr ins Ohr, dass Ruth Vagina statt Virgina gesungen hätte – mit ihrem miserablen Englisch. Das fand Marie wenig überraschend überhaupt nicht lustig und schaute Daniel an, als wäre er gerade beim Schlüpferschnüffeln erwischt worden. Neudeutsch betitelt man so eine Situation als „Fail“.
Noch interessanter wurde die Situation, als Marie ihrer Mutter davon erzählte. Die sind nämlich sowas wie beste Freundinnen, was Daniel aber viel zu spät realisierte. Er hat das darauf folgende Gespräch noch genau im Ohr.
„Daniel, Du bist also der Meinung, mein Englisch würde nicht genügen?“
„Nein, also … Ich wollte nur einen Witz machen, ehrlich!“
„Über Vaginas?“
„Nein, Quatsch! Darüber macht man keine Witze!“
„Hast Du aber. Auf dem Geburtstag meiner Tochter.“
In dem Moment tat sich leider nicht der Erdboden auf. Daniel konnte sich nirgendwo schnell vergraben und warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist.
Es gab noch weitere Szenen dieser Art. Einmal nannte er z.B. Ruth scherzhaft eine „Milf“, wobei Marie nicht einmal wusste, was eine „Milf“ sein soll. Sie fand es aber wenig später heraus und textete es ihrer Mutter, die sich per Gruß herzlich bei Daniel bedankte. Danke auch, Google.
Zurecht fühlte er sich in solchen Momenten wie Ben Stiller und sah in Ruth die weibliche Fassung von Robert de Niro.

Opfergaben für Ruth. Daniel starrt auf seine eigens hingekritzelten Wörter. Er braucht ganz dringend eine zündende Idee, damit er ihre Gunst gewinnen kann.
Er schreibt „Englisch-Wörterbuch“ hin, streicht es aber direkt durch.

Tuh bie kontinnjuht.
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