Sanierung des Sportplatzes Bruckhausen: Finanzierung durch Teilbebauung? - Entscheidung fällt im Frühjahr

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Gut besucht war das Vereinsheim des TV Bruckhausen beim Bürgerdialog über die Neugestaltung des Sportplatzes. (Foto: Heinz Haas)
 
Bürgermeister Dirk Buschmann warb für eine Teilbebauung, um die Sanierung des Sportplatzes finanzieren zu können. (Foto: Heinz Haas)
von Heinz Haas

Sie sprechen hier von Kleinod und Dorfanger. Und so ist auch die Atmosphäre im Vereinsheim des TV Bruckhausen (TVB): friedlich, dörflich und persönlich. Man kennt sich. Das „Du“ ist eher die Regel, als das unpersönliche „Sie“. Obwohl es bei dem Bürgerdialog um ein sehr strittiges Problem geht: Der „Dorfsportplatz“ ist in die Jahre gekommen. Eine Überarbeitung ist mehr als dringend geboten. Doch Verwaltung, Parteien, Sportverein und besonders die Bruckhausener selber sind unterschiedlicher Meinung über die Neugestaltung.

Darum hatte die SPD ins Vereinsheim des TVB zu einem Bürgerdialog eingeladen. Rappelvoll war das Vereinsheim. Horst Meyer, SPD-Ratsherr und -Fraktionschef, begrüßte mit der Frage: „Warum haben wir eingeladen?“, um dann die Antwort sofort selbst hinterher zu schieben. „Der derzeitige Zustand der Sportanlagen ist nicht so prickelnd. Wir wollen etwas bewegen und Sie auf den neuesten Stand der Dinge bringen.“
Das passierte dann in Form einer PowerPoint-Präsentation. Zu lesen war dort: Es sind bereits 250.000 Euro im Haushalt zur Finanzierung eingestellt. Allerdings seit Jahren schon. Weil aber der Sportplatz des STV Hünxe mit Schadstoffen belastet war und gesperrt werden musste, musste zunächst diese Anlage - mit Zustimmung des Vorsitzenden des TVB - saniert werden. Das ist jedoch schon einige Jahre her, in Bruckhausen ist weiterhin nichts passiert, sodass der Sportplatz sowie die angrenzende Turnhalle mittlerweile nur noch bedingt nutzbar sind. „Eine mittlere Katastrophe!“, wie so manch Anwesender stöhnte. Und einen weiteren Bürger zur Aussage veranlasste: „Hünxe kriegt alles in den Hintern geblasen. Bruckhausen: Danke, dass wir drüber gesprochen haben.“
Dann ging es in die Diskussion und den Meinungsaustausch. „Wir sind uns alle einig, dass hier dringend etwas getan werden muss“, meinte Ratsherr Ralf Lange von den „Engagierten Bürgern Hünxe“ (EBH) und gleichzeitig Vorsitzender vom STV Hünxe. Auch warf er die Frage in den Raum: „Wo kommt das Geld für die spätere Pflege her?“ Dieser Punkt sei nicht zu unterschätzen und als Lösung schlug er die Einrichtung eines Arbeitskreises vor.
Dann wandte sich der jetzige Sportwart des TVB, Eduard Strych, an die Leute. „Seit mittlerweile fünf Jahren bin ich jetzt mit dem Problem konfrontiert und beschäftigt. Wir geben jede Menge Anregungen und Hinweise für die Erstellung eines Nutzungskonzeptes. Doch wir haben nicht die Weisheit gepachtet. Darum freuen wir uns als Verein, dass jetzt hoffentlich und endlich die Diskussion weitergeht und letztendlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.“ Bis dahin hatte sich noch niemand so richtig festlegen wollen, wie denn ein neues Gestaltungskonzept aussehen sollte. Das änderte sich mit dem Auftritt des parteilosen Bürgermeisters Dirk Buschmann. Er steht dem Gemeinderat aus den Ortsteilen Hünxe, Bruckhausen, Bucholtwelmen, Drevenack, Gartrop-Bühl und Krudenburg vor. Mit einigen Zahlen positionierte sich Buschmann ganz eindeutig auf eine teilweise Bebauung der vorhandenen Sportfläche. Damit sollen dann Erlöse erzielt werden, die zur Sanierung und Erneuerung der Sportanlagen benötigt werden. „Wir brauchen Wohnraum, der wird mehr als dringend benötigt. Besonders für ältere Mitbürger. Und alles hat Vor- und Nachteile“, führte er weiter aus - und bekräftige mit Hinweis auf den demografischen Wandel seinen Standpunkt. Damit nahm die Diskussion Fahrt auf. Hans-Günter Odebrecht entgegnete: „Wir müssen dem demografischen Wandel entgegentreten. Junges Wohnen muss gefördert werden. Wir brauchen junge Leute hier. Aber bitte nicht auf unserem Sportplatz.“ Dem stimmte Buschmann zu: „Wir sollten vielleicht auch ältere Leute dazu bewegen, ihren jetzt vorhandenen großen Wohnraum frei zu geben. Aber dann müssen wir für die Älteren bedarfsgerechten Wohnraum schaffen.“ Gegen eine Bebauung stemmen und wehren sich jedoch die Bruckhausener. „Wenn der Platz erst einmal bebaut ist, wird es immer weiter gehen. Und dann ist das für die nächsten 500 Jahre festgeschrieben“ - eine mit viel Applaus unterstütze Meinungsäußerung. „Wir müssen Attraktivität schaffen für junge Leute. Das gelingt nicht durch die Abschaffung von Sportplätzen und der Schaffung von Wohnraum darauf.“ Eine weitere eindeutige Meinung und Ablehnung einer Bebauung. „Es ist noch genügend Platz an anderen Stellen.“ Jürgen Kosch von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Hünxe (UWH) schlug vor: „Wünschenswert wäre, wenn es ohne Bebauung klappen würde. Doch als Lösung könnte eine Teilbebauung infrage kommen, wenn finanzielle Mittel fehlen.“ Es folgten noch flammende Appelle und eindeutige Beispiele, dass es nicht zu einer Bebauung kommen darf. Klaus Friese, seit 25 Jahren freiwilliger und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Jugendheim: „Am Jugendheim fing es auch so an. Das ist ein einziges Dilemma. Erst ein wenig Bebauung. Dann immer mehr. Heute ist das Jugendheim tot, weil die Grundvoraussetzungen für Spiel und dem damit zwangsläufig verbundenen Lärm genommen sind.“
Eine Entscheidung, wie es in Bruckhausen mit der Neu- oder Umgestaltung des Platzes weitergeht, wird spätestens im Frühjahr 2018 fallen. Die beiden SPD-Ratsherren Horst Meyer und Jan Scholte-Reh bekräftigten in ihrem Schlusswort erneut ihr „Nein“ zu einer möglichen Wohnbebauung: „Wir sind klar dagegen. Und heute Abend wurde klar: Die Mehrheit der Bruckhausener lehnt sie auch ab.“
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