Rezension: Unsere 60er Jahre in Dorsten von Anke Klapsing-Reich

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(Foto: Wartberg-Verlag)

Hully – Gully und toupierte Haare, so beginnt das pralle Leben der 60er Jahre, lese ich schmunzelnd. Es werden Erinnerungen wach, obwohl ich etwas jünger bin, als die beschriebene Jugend in diesem Buch. Damals waren meine Haare noch glatt oder geflochten; das Wort „gestylt“ kannte ich noch nicht. Und ja, die Ordensschwestern legten ihre Ordenstrachten ab! Ich wunderte mich damals, als ich davon hörte. Saß möglicherweise eine Nonne mit mir zusammen auf einer Bank und ich wusste nichts davon?

Dann geht es los mit den Dorstener Stadtansichten. Hier möchte ich auf meine Gespanntheit aufmerksam machen, denn ich bin erst 1969 nach Dorsten gezogen, unfreiwillig, als Noch-Kind, und habe darum die Stadt erst einmal abgelehnt. Ich wollte sie niemals als meine Heimat sehen. Also lebte ich hier und hörte weg, wenn das Fach „Heimatkunde“ an die Reihe kam. Ein Fehler, aber normal. Mein Nachholbedarf ist geweckt, und ich blättere erst einmal durch, verharre hier und da und stelle fest, dass es in diesem Buch keine Struktur gibt. Mal bin ich in diesem Ortsteil, dann in einem anderen und wieder zurück.

1962 wurde das Freibad in Dorsten eröffnet, lese ich und es macht mich traurig, dass es doch nach relativ kurzer Zeit wieder geschlossen wurde. 2001 war alles vorbei. Was sind schon knapp 40 Jahre für drei Generationen Freiheit im Bad? Doch - es war schön dort - verliere mich in Erinnerung.
1965 wurde das Baugelände für die „Neue Stadt Wulfen“ erschlossen. Eine wirklich tolle Idee. Noch heute könnte ich von dieser schönen Stadt im Grünen schwärmen, die ich erst 1971 kennenlernen durfte. Jetzt erfahre ich so einiges, was mir damals einfach so entging . . .

Und da, auf Seite 15, trägt eine fremde Frau das Blumenkleid meiner Mutter.
Oh ja, „Welche Beine gehören wem?“, das wurde 1973 noch gespielt; es war jedoch nicht mein Ding! Ich konnte es nicht ausstehen.

Jetzt aber schön Seite für Seite! Ein interessanter Rückblick. Viele schwarzweiße Fotos - viel Schule, viel Sport, viel Leben - sogar der streitbare Literat, im Jahr 2015 verstorben, Günter Grass kann auf einem Bild bewundert werden. Ein Werk der Erinnerung, besonders für die, die eng mit dieser Stadt verbunden sind. Ein schönes Geschenk oder auch Nachschlagewerk, handlich, leicht, hilfreich bei der Betreuung von Menschen mit Demenz, eben der Erinnerung wegen.
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