Bundeswehr: Drehscheibe Wulfen

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Nur Gast in Wulfen: Der imposante Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6M wurde für den Tag der offenen Tür von der Panzertruppe ausgeliehen. Fotos: Borgwardt
 
Neugierige Besucher: Viele Fahrzeuge konnten von den großen und kleinen Gästen von innen und außen begutachtet werden. Hier stehen Ben (links) und Tom auf dem Beifahrersitz eines Sani-Unimogs.
Dorsten: MUNA Wulfen |

Normalerweise ist vom größten Munitionsdepot Deutschlands nicht viel mehr zu sehen, als ein grüner Zaun. Am Wochenende änderte sich das: Für einen Tag gewährte die Muna Wulfen einen Einblick in ihr Gelände. Dabei gab es nicht nur Waffen zu sehen.

Lange Zeit war das Gelände der Muna für die meisten Bürger ein geheimnisvoller Ort: Was da in den Wäldern zwischen Wulfen und Dorsten hinter siebeneinhalb Kilometern Zaun verborgen war, wussten bis 1997 nur die britischen Soldaten, die hier arbeiteten. Zu sehen bekamen die Wulfener nur die ein- und ausfahrenden Laster mit Tarnbemalung und Rechtslenker, die in besonders heißen Phasen der Weltgeschichte auch schon einmal nachts in Kolonnenstärke durch den Ort brummten. Kein Wunder, dass in den Wirtshäusern so manche abenteuerliche Geschichte die Runde machte, was da hinter dem Zaun so liegen mochte - bis hin zur Atomrakete reichte die Gerüchteküche.

Größtes Depot der Bundeswehr


Die Wahrheit war viel weniger spektakulär: Nachdem die Briten die ehemals deutsche Munitionsanstalt - abgekürzt MUNA - nach dem Zweiten Weltkrieg für ihre Zwecke übernommen hatten, wurde hier zunächst britische und später dann NATO-Munition gelagert. 1987, als ein Ende des Kalten Krieges trotz Entspannungspolitik noch nicht abzusehen war, baute die britische Armee das Gelände noch einmal von Grund auf um - und zu dem größten Munitionslager Westdeutschlands aus. Als die Bundeswehr das Lager zwölf Jahre später dann übernahm, verfügte sie in Wulfen über ein riesiges Depot. 381 bunkerartige Lagerhäuser fassten auf der 210 Hektar großen Fläche bis zu 62.000 Tonnen Munition.

Keine "Area 51" mehr


Das erste und vielleicht auch einzige, womit die deutschen Soldaten nach der Übernahme des modernen Lagers aufräumen mussten, waren die Vorurteile der Nachbarn. Da niemand so genau wusste, was die "Tommies" - wie die Engländer im Dorf genannt wurden - da in der Muna hinter hohen Zäunen aufgebaut hatten, war die Skepsis groß. Mit den ersten Tagen der offenen Tür zeigte sich die Bundeswehr von einer hier zuvor unbekannten Transparenz: Die Besucher durften hinter die Kulissen und in die Werkstätten und Bunker hinein schauen, und von dem Mythos der geheimen Militärbasis im Stil der berühmten "Area 51" blieb nur das nüchterne Bild einer ordentlich geführten Munitionslagerstätte übrig.

Offene Türen zum Geburtstag


Pünktlich zum 60. Geburtstag der Bundeswehr setzte der noch junge Kommandeur David Helm den offenen Kurs seiner Vorgänger fort: Am Samstag öffnete die MUNA ihre Pforten wieder einmal, um sich den Besuchern zu präsentieren. Natürlich legte die Bundeswehr großen Wert darauf, die Bedenken der Gäste über eine mögliche Gefährdung durch das Depot zu zerstreuen: Detailliert erklärten die Fachleute, wie akribisch die Munition verpackt und verladen wird, um Unfälle zu verhindern. Hundeführer zeigten, wie konsequent ihre Tiere mögliche Einbrecher stoppen können, und die Feuerwehr gab eindrucksvolle Einblicke in ihre Fähigkeiten, jeden ausbrechenden Brand sofort ersticken zu können.

Die meisten Blicke zogen aber die mächtigen Maschinen der deutschen Armee auf sich, die oft nur für diesen besonderen Tag von anderen Truppenteilen ausgeliehen worden waren. Besonders eindrucksvoll war natürlich der über 60 Tonnen schwere Kampfpanzer Leopard 2A6M, der unter Begleitung eines fachkundigen Soldaten von allen Seiten begutachtet werden konnte. In vielen Fahrzeugen durfte man auch Probe sitzen, was nicht minder interessant sein konnte: In der gepanzerten Kabine des neuen LKW "Zetros" oder hinter dem Steuer eines kleineren Lastwagens vom Typ "Yak" fühlte man sich schon deutlich anders aufgehoben, als im Cockpit eines normalen Autos.

Wer solchem Rüstzeug eher skeptisch gegenüberstand, konnte sich aber auch ganz friedlich amüsieren: Polizei, Feuerwehr und THW hatten auch für die jüngeren Gäste viel zu bieten, und lokale Vereine wie etwa der MGV Wulfen trugen zum Gesamtprogramm bei. Von den ehemaligen Herren der MUNA gab es übrigens auch noch etwas zu sehen: Die Briten gaben sich diesmal ganz zivil und luden in einer bunt geschmückten Lounge zu einem kühlen Guinness ein, stilecht unter dem Portrait der Königin, natürlich.

Wulfen wird 2016 noch wichtiger


Die Veranstaltung, die 6500 Gäste auf das Gelände lockte, ist übrigens die letzte unter dem Namen des Munitionsdepots Wulfen: Zu Silvester diesen Jahres wird die Muna offiziell umorganisiert. Ab 2016 wird im neuen "Munitionsversorgungszentrum West" die Verwaltung für gleich drei Standorte übernommen. Die Rolle der Muna Wulfen für die Bundeswehr wird also in Zukunft noch wichtiger werden.
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1 Kommentar
Oliver Borgwardt aus Haltern | 29.09.2015 | 09:26  
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