Tragische Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum in der GSW

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Die Holocaust-Überlebende Halina Birenbaum war zu Gast in der Gesamtschule Wulfen und sprach mit den Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 13. (Foto: GSW)
 
Zu Gast in der Gesamtschule Wulfen: Schulleiter Hermann Twittenhoff (rechts) begrüßte die Holocaust-Überlebende Halina Birenbaum (Mitte), die den Schülern im Forum ihre Lebensgeschichte erzählte. Begleitet wurde sie von ihrer Enkelin Yael Birenbaum (links). (Foto: GSW)

Barkenberg. Wer meint, dass Holocaust und Hoffnung nicht zusammenpassende Wörter sind, den belehrte Halina Birenbaum im Forum der Gesamtschule Wulfen eines Besseren. Anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus war die Holo­caust-Überlebende einer Einladung der Schule ge­folgt und erzählte den zahlreich erschienenen, jungen Schülern aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13 in beeindruckender Weise von ihrer schicksal­träch­tigen Geschichte. Begleitet wurde sie von ihrer Enkelin Yael Birenbaum.

Halina Birenbaum lächelte kurz. Dann begann sie ohne Bitterkeit zu sprechen, während die Zuhörer regelrecht an ihren Lippen hingen: „Die Vermittlung der Wahrheit über Auschwitz ist eine große Lehre, eine große Antwortsuche. Man fragt mich immer wieder, woher ich die Kraft schöpfe, mich mit diesen grausamen Erinnerungen und den Schauplätzen der Vernichtung auseinanderzusetzen. Ob diese keine negative Wirkung auf mich haben? Wie es dazu kam, dass die Deutschen so geworden sind, und ob andere heute auch zu solchen Menschen werden könnten?“ Das Gute und die Liebe könnten in jedem Menschen entstehen, genauso wie das Böse bei jedem Menschen zutage treten könne, unabhängig von seiner Herkunft, Konfession, Religiosität. Davon habe sie sich mehrmals in ihrem Leben überzeugen können.

Viele der Holocaust-Überlebenden sind der Meinung, dass man zu den Deutschen keinen Kontakt pflegen, geschweige denn nach Deutschland reisen sollte. Sie dagegen sei der festen Ansicht, dass das Fest­halten an Hass- oder Rachegefühlen dazu führe, dass das Böse die Menschen vergifte. „Die Kinder und Enkel tragen keine Schuld an den Taten ihrer Väter und Großväter. Aber sie müssen darüber Bescheid wissen und Verantwortung angesichts der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überneh­men“, sagte Halina Birenbaum und weiter: „Wenn ich jungen Menschen von meinen Erlebnissen erzähle, wirken sie irgendwie verwandelt. Sie schauen mich anders an, betrachten sich selbst und ihr Leben sowie ihre Umgebung mit anderen Augen.“ Halina Birenbaum hatte als junges Mädchen Majdanek, Auschwitz und den Todesmarsch überlebt. Hermann Twittenhoff, Leiter der Gesamtschule Wulfen, meinte, dass noch beachtlicher als diese "Leistung" die Lehren seien, die die heute 87 Jährige daraus gezogen habe. Der Vortrag von Halina Birenbaum sei geprägt gewesen von dem Glauben an die Menschheit.
1929 wurde Halina Birenbaum in Warschau geboren. Ihre Kindheit fand in den Lagern von Majdanek, Auschwitz und Ravensbrück ein frühes Ende. Als sechzehnjähriges Mädchen kehrte sie nach Warschau zurück. Dort traf sie ihren Bruder Marek, der den Holocaust ebenfalls überlebt hatte. 1946 verließ sie illegal Polen. Mit einer Gruppe von jüdischen Jugendlichen erreichte sie am 3. Dezember 1947 mit einem Schiff den Hafen von Tel-Aviv. Seitdem lebt Halina Birenbaum in Israel. In den letzten Jahren besuchte sie mehrmals die Gesamt­schule Wulfen, um sich mit Jugendlichen zu treffen und mit ihnen auf eine beeindruckend emotionale Art und Weise ihre tragischen Erinnerungen zu teilen.
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