90 Jahre Flughafen Dortmund: Das Alte Flugfeld in Brackel

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Das Alte Flugfeld in Brackel im Jahr 1927 (Foto: gemeinfrei)
 
Flughafenbetrieb im Jahre 1927 (Foto: Flighafen Dortmund)
Das Alte Flugfeld

Für viele Nicht-Dortmunder ist es verwirrend: Es gibt eine Flughafenstraße in Brackel, aber keinen Flughafen. Aber auch viele Dortmunder wissen nicht mehr, dass man einst von Brackel aus abheben konnte in die große weite Welt.

An der Flughafenstraße, die von Brackel bis nach Scharnhorst führt, lag das alte runde Flugfeld, dort, wo heute das Wohngebiet Hohenbuschei noch mit einigen Straßennamen an die große Geschichte des Geländes erinnert. Dort wohnt man sozusagen auf historischem Boden: Schon vor dem Ersten Weltkrieg soll der westliche Bereich gelegentlich als Landeplatz genutzt worden sein.

Die ersten öffentlichen Pläne zur Einrichtung eines Flughafens stammen aus dem Jahr 1917 vom damaligen Dortmunder Oberbürgermeister Ernst Eichhoff. Mit der Eingemeindung des Dorfes Brackel im Jahr 1918 in die Stadt Dortmund konnten die Pläne dann realisiert werden und am 27. April 1925 wurde der Flughafen Brackel in der damals üblichen runden Form eröffnet.

Flugziele waren zunächst Kopenhagen, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Stuttgart und Zürich, später gab es weitere Direktverbindungen nach Hannover, Berlin, Halle, Leipzig und Amsterdam. 1937 konnte man von Dortmund außerdem Basel, Paris, Rom und Stockholm anfliegen.

Im Jahr 1926 wurde neben einem Signalturm und einem Hangar auch ein Hotel samt Gaststätte auf dem Gelände gebaut, alles im hochmodernen Bauhaus-Stil. Im gleichen Jahr wurde die Dortmunder Flughafen GmbH gegründet, und der Flughafen entwickelte sich nach Köln und noch vor Düsseldorf und Essen zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt.

Nach dem Zusammenschluss von Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr AG im Januar 1926 zur „Deutschen Luft Hansa AG“ starteten und landeten täglich zwölf Maschinen auf dem Flughafen.1928 gab es bereits mehr als 8000 Starts und Landungen, und Dortmund hatte sich zu einem wichtigen Verkehrslandeplatz in Westdeutschland entwickelt.

Die Fortbewegung mittels Flugzeug oder Zeppelin war kostspielig und aufregend, und so ist es nicht verwunderlich, dass zur Landung des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ rund 120000 Menschen am 10. August 1930 auf das Flugfeld kamen, um die Zeppelin-Landung mit eigenen Augen mitzuerleben.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieg wurde 1939 die zivile Luftfahrt eingestellt und aus dem Flugfeld wurde ein Fliegerhorst der Luftwaffe. Rund tausend Soldaten sollen dort während des Krieges stationiert gewesen sein.

Am 28. März 1945 verließen die letzten Flieger den Flugplatz, einige Monate später besetzten die Briten das Gelände und die Royal Air Force übernahm den zerstörten Flughafen. Die zivile Luftfahrt lag durch das Verbot jeglichen deutschen Luftverkehrs brach. In den ersten Nachkriegsjahren wurden auf dem Standort verschiedene Einheiten englischer Waffengattungen stationiert.

1950 gründeten die Gebrüder Theo und Hans Hengsbach mit anderen Flugbegeisterten den Aero-Club e.V. als Nachfolger des Dortmunder Luftfahrtvereins. Drei Jahre später, am 13. Juni 1953, startete das erste deutsche Segelflugzeug in Brackel, 1955 machten die Gebrüder Hengsbach erste Rundflüge.

1956 durften offiziell auch Motorflugzeuge wieder starten und landen, die Brüder Hengsbach boten einen Seebäderdienst zu den Nordseeinseln an und eröffneten eine Flugschule. Doch durch die Stationierung von neuen Raketeneinheiten der Rheinarmee im Jahr 1959 musste der private Flugbetrieb auf dem Flugfeld endgültig eingestellt werden.

Am 5. Mai 1955 erhielt die Bundesrepublik Deutschland die Lufthoheit zurück. Allerdings war der Dortmunder Flughafen nicht mehr im Netz der Lufthansa vertreten, weil die zivilen Nachkriegsmaschinen bis zu 2000 Meter lange Start- und Landebahnen benötigten. Das Brackeler Gelände hätte nach Osten hin erheblich ausgedehnt werden müssen, das war wegen der nahen Bahnlinie nicht möglich. Die Sportflieger und auch die zivile Luftfahrt verlagerten sich schließlich nach Wickede.

Die Briten bauten auf der ehemaligen Landebahn verschiedene Gebäude, und der nördliche Flughafenteil wurde zu einem - jetzt noch bestehenden - Golfplatz umgestaltet. Südlich des ehemaligen Flughafens schlossen sich ringförmig Kasernen-, Wohn- und Verwaltungsgebäude sowie ein Schießplatz an.

Der zivile Teil des Flughafens mit Empfangsgebäude und Flugzeughallen an der Flughafenstraße wurde Anfang der 70er Jahre abgerissen und durch ein Gewerbegebiet überbaut. Mit dem Abzug der Rheinarmee wird auch deren Standort in Brackel im Jahr 1995 aufgegeben. 2003 folgt der Abriss einer Reihe von Gebäuden und der Startbahn – aus dem ehemaligen Flughafen wird ein Wohngebiet.
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