Der Pott hop(p)t!

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Tanzen und zuschauen macht Freude: Lindy Hopper in Aktion im Westpark (Foto: Schmitz)
 
Der Mann der ersten Stunde in Dortmund: Peter Bieniossek

Sie brauchen zum Tanzen vor allem Swing-Musik, bequemes Schuhwerk, der Herr eine Schirmmütze, die Dame einen möglichst schwingenden Rock: Die Lindy Hopper sind los im Ruhrgebiet.

Entstanden ist der Trend zum Tanz, der seine Blütezeit etwa von den frühen 30ern bis Ende der 40er Jahre hatte, in den USA. Vor rund 15 Jahren, als die Swingmusik auch mit dem Neoswing wieder angesagt war, kam er auch in Deutschland auf.

Peter Bieniossek ist am hochansteckenende Lindy-Hop-Fieber nicht ganz unschuldig, obwohl seine Tanz-Anfänge ganz und gar konventionell waren: "So etwa im Jahr 1996 wollte ich tanzen lernen, bin mit meiner Schwester in die Tanzschule gegangen. So etwa eineinhalb bis zwei Jahre haben wir zusammen dann Standardtänze getanzt. Ich wollte aber was Peppigeres machen." Im Fletch Bizzel wurde damals en Wochenendkurs im Boogie-Woogie angeboten, " da sind wir hin".

Der Trainer dort sagte: "Mensch, da gibt es noch was anderes." Das andere, das war der Lindy Hop. Er führte die Geschwister zu einem Seminar nach Lippstadt. "Da habe ich den Tanz zum ersten Mal gesehen. Ich bekam weitere Infos, wo man das lernen konnte." Gemeinsam reisten die Geschwister durch ganz Europa, nahmen so viele Veranstaltungen und Workshops mit wie möglich.

Fasziniert hat Peter Bieniossek die Andersartigkeit des Tanzes: "Die Bewegungen waren so ganz anders, interessant und fremd. Der Boogie ähnelte ja noch dem Jive, aber der Lindy Hop war ganz anders aufgebaut. Es haben sich immer neue Variationen ergeben, ohne dass man bestimmte Formen machen muss. Man kann sich ganz vom Partner lösen, es entwickelt sich so eine Art Dauergespräch im Tanz. Das ist wie beim Autofahren: Das Gefühl dafür entwickelt sich bei der Bewegung."

Die Partnerin hatte inzwischen gewechselt, Bieniosseks Schwester war nach der Babypause ausgestiegen, dafür war Bieniosseks jetzige Ehefrau Marina Fischer dazugekommen.

"Der Lindy-Hop-Virus hat sich immer mehr ausgebreitet, bei Veranstaltungen von Rock'n'Roll-Tänzern wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, LIndy Hop mal zu unterrichten." Hatte er, und so baute sich langsam ein Netzwerk auf. Jahrelang gab es Workshops und Einsteiger-Kurse in der Dortmunder Kneipe Kaktusfarm, auch in Essen und Bochum bildeten sich Gruppen.

Rund 300 bis 400 aktive Tänzer gibt es im Ruhrgebiet, für sie bieten Peter Bieniossek und Marina Fischer mit "Lindy Pott" das komplette Paket an. In der Schaltzentrale an der Güntherstraße 42 werden Einsteigerkurse, Partys, Veranstaltungen und Workshops für fortgeschrittene Tänzer angeboten. "Wir verstehen uns als Gemeinschaft. jeder kann sich äußern und etwas dazu beitragen."

Während der Sommerzeit sind die Lindy Hopper aber auch sonntagsnachmittags auf der Tanzfläche im Westpark anzutreffen. "Mittlerweile organisieren die Tänzer immer mehr selbst, das ist auch wichtig, damit das Ganze leben kann."

Nach und nach wurden weitere Tänze angeboten, so kann man den Charleston, der den Weg für den Lindy Hop bereitete, den Shag oder den Balboa erlernen und tanzen. "Die meisten Tänzer machen alles. Bei den Neueinsteiger-Kursen gibt es eine starke Nachfrage." Rund alle vier Wochen gibt es einen neuen Workshop, "die sind alle voll."

Lindy Hop ist übrigens nicht nur für aktive Tänzer hochansteckend: "Er ist auch was fürs Auge, also zum Zugucken. Es wird immer spannender, und viele Leute interessieren sich dafür."
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