Die Geigenbauerwerkstatt im Kreuzviertel

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Bei Volker Bley hängt der Himmel voller Geigen.
 
Verkauft und repariert werden Geigen, Violas, Celli und Bässe.

Volker Bley ist nicht nur im Kreuzviertel eine Institution. Er ist der einzige Geigenbauer in Dortmund - und seine Werkstatt mit Laden an der Arneckestraße eine Sehenswürdigkeit.

Wenn man sich dort umsieht, meint man in einer anderen Welt oder anderen Zeit gelandet zu sein. Jedes Fleckchen ist dekoriert und belegt, überall in der Werkstatt und in vielen Fächern und Schubladen lagern Werkzeug, Holz, Instrumente in Reparatur und unzählige Ersatzteile.

Alles ist ein wenig nostalgisch, und das schätzen wohl auch die Kunden: "Elektrische Geigen und solche aus Kohlefaser sind bei uns überhaupt nicht gefragt. Eine Geige ist ein Kulturgegenstand. Die Optik ist wichtig, wie sie riecht, und wie sie in der Hand liegt."

Insgesamt fünf Personen arbeiten in der Geigenbauerwerkstatt, Volker Bley mit Sohn Jonathan und zwei weiteren Geigenbauern, davon einer in der Ausbildung, in der Werkstatt, eine Mitarbeiterin organisiert das Büro. Anna Görlitz, die dritte ausgelernt Geigenbauerin, hat ihre 2007 Lehre bei Bley absolviert und konnte anschließend übernommen werden.

Seit 35 Jahren ist Bley nun schon in der Arneckestraße, vorher hatte er seine Werkstatt am Neuen Graben, 1981 hat er sein Geschäft hier eröffnet, nach Wanderjahren als Theatermann in ganz Deutschland. Sein Handwerk als Geigenbauer hatte er schon vorher in Mittenwald erlernt, die deutsche Adresse für Geigenbauer.

"Bevor ich mich hier niedergelassen habe, bin ich 26 Mal umgezogen" - in ganz Deutschland war Bley unterwegs. Nach Dortmund kam er als musikalischer Leiter des Kinder- und Jugendtheaters. In einer schwierigen Zeit, denn damals gab es Pläne, das Schauspiel und damit das KJT zu schließen - aus Kostengründen.

"Dann ist der letzte der noch hier ansässigen Geigenbauer in Rente gegangen, und ich habe gesagt, jetzt bleibe ich mal hier seßhaft." Bis zu sechs Geigenbauer gab es vor dem Zweiten Weltkrieg in Dortmund, später waren es noch zwei, und ein Bastler.

Dortmund empfand Bley alles andere als schön, "das war eine Malocherstadt. Bier, Stahl und Fußball, das wars." Noch heute kämpft Bley dagegen an, dass der Fußball immer in den Vordergrund rückt. Er war sogar mal im Stadion, aber nur einmal: "Zuviele Menschen auf einen Haufen dort."

Doch die Menschen im Ruhrgebiet, die mochte er: "Die Leute hier haben mir gefallen, die Offenheit. Wenn man wusste, die der BVB gespielt hatte, reichte das, um mit jemanden ins Gespräch zu kommen."

Während Bley das erzählt, arbeitet er an einem Geigenbogen, der neu bespannt werden muss. Die Arbeit sieht knifflig aus, kleinteilig. Dünne Strähnen Pferdehaar bearbeitet er und spannt sie in die Halterung. "Die beste Qualität kommt aus dem Himalaya, das sind Schweifhaare von Hengsten, die ist schwer zu bekommen." Und wie er das so erzählt, weiß man gar nicht genau, ob das nicht geflunkert ist.

Derweil arbeitet Jonathan Bley an der Reparatur einer gebrauchten Geige. "Geduld ist das Wichtigste, was man als Geigenbauer braucht." Viele kleine Arbeitsschritte stecken in so einer Reparatur, gearbeitet wird mit Knochenleim, der Zeit zum Trocknen braucht.

Die Geige, die er bearbeitet, ist eine französische Violine aus dem Jahr 1947. Sie wird poliert und aufbereitet, wenn sie fertig zum Verkauf ist, stecken rund 30 bis 40 Arbeitsstunden darin.

Zur Kundschaft gehören hauptsächlich Privatkunden, die Berufsmusiker am Theater haben in der Regel ihre Instrumente schon. Neben der Reparatur und dem Verkauf von Violine, Viola, Cello und Bass hat sich die Vermietung von Instrumenten zum dritten Standbein des Betriebs entwickelt.

"Früher wäre das undenkbar gewesen", erzählt Jonathan Bley. "Doch heute erlernen immer mehr Erwachsene und ältere Menschen das Geigespiel. Sie probieren das erst einmal aus. Oft entscheiden sie sich dann, ein Instrument für mehrere Jahre zu mieten. Das ist heute ganz normal."

Eine Entwicklung, mit der die Geigenbauer sehr zufrieden sind, denn sie sichernt nicht nur die Arbeitsplätze, sondern sorgt auch für regelmäßige Auslastung und Einnahmen. Viele Stammkunden der Werkstatt kommen aus dem Ausland, aus England oder Skandinavien. "Unsere Geigen sind günstiger als die skaninavischen", erklärt Volker Bley. "In Skandinavien gibt es viel mehr Geigenbauer als hier, aber es gibt auch viel mehr Menschen, die Geige spielen."

Etwa alle fünf Jahre bildet Bley einen Azubi aus. "ES gibt erstaunlich wenig Bewerber, aber die, die eine Ausblidung gemacht haben, haben aller irgendwo eine Stelle gefunden." Hauptvoraussetzung neben der Geduld und der Geschicklichkeit: Man muss ein Streichinstrument spielen können, "das bremst so manchen aus."
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