Die zweite Heimat

Anzeige
Zwölf Frauen aus der Nordstadt hat die Dortmunder Fotografin Sabrina Richmann fotografiert. Ihre Bilder und die dazugehörigen Geschichten sind am Donnerstag (8. Oktober) in der Nordstadtgalerie zu sehen und zu hören. (Foto: Schmitz)

Zwölf Frauen - elf Bilder: zwölf Frauen haben aus ihrem Leben erzählt, elf haben sich fotografieren lassen. Sie kommen aus der Türkei, aus Russland oder Syrien, und sie haben hier eine zweite Heimat gefunden.

Was es heisst, eine zweite Heimat zu haben, das haben sie erzählt, und sie haben einen Fragebogen ausgefüllt und ihre Wünsche und Hoffnungen beschrieben.
Sie heißen Lina, Marlein, Canan, Mahbuba, Cheraz, Judy, Gönül, Olga, Sühyla, Kaya, Nermin und Yeter, und sie wünschen sich zum Beispiel das: „Ich möchte wieder als Englischlehrerin arbeiten“, oder: „ich wünsche mir, dass meine Kinder hier ihre Träume verwirklichen können.“

Oft geht es in ihren Aussagen um eine Ausbildung, einen gewünschten Beruf, oder die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt. Bei allem Heimweh nach ihrem Herkunftsland schätzen sie in Deutschland die Toleranz, die Achtung von Frauen- und Kinderrechten, und die Freiheiten, die sie hier genießen.

Kennengelernt haben sich die Frauen beim MAI-Jobcafé des Migrantenverbandes VMDO, das Rojdas Savas geleitet hat. Das Projekt ist mittlerweile ausgelaufen. „Das Jobcafé sollte die Frauen fit machen für den Arbeitsmarkt“, erklärt Savas. „Oft hakt es schon bei der Sprache. Frauen mit Migrationshintergrund haben es allgemein schwer, oft gibt es auch noch familiäre Probleme. Wir haben zuerst einmal versucht, einige Frauen mit der Kultur hier vertraut zu machen, und sie dazu angeregt, erst einmal die Außenwelt kennenzulernen.“

Einmal in der Woche haben sich die Frauen im Jobcafé getroffen, als die Idee entstand, sie in Fotos zu porträtieren. Die Dortmunder Fotografin Sabrina Richmann hat die Fotos gemacht, die jetzt in der Nordstadtgalerie der Fachhochschule zu sehen sind.

Sie zeigen aufgeschlossene und souveräne Frauen, die selbstbewusst in die Kamera blicken. Kaya Mükerrem ist eine von ihnen. „ Als wir von diesem Projekt gehört haben, haben wir uns zuerst gar nicht getraut. Aber dann haben wir gesagt: Warum nicht?“

Als Kind ist die türkische Alevitin nach Deutschland gekommen, hatte hier eine Ausbildung als Arzthelferin angefangen. „Aber als ich geheiratet habe und mein Mann aus der Türkei nachgekommen ist, habe ich meine Arbeitserlaubnis an ihn abgegeben, und musste meine Ausbildung abbrechen.“ Heute arbeitet sie als Verkäuferin. Sie ist in der alevitischen Gemeinde aktiv, nutzt dort die Sportangebote. „Nach dem Sport das Jobcafé, das war immer so eine „Lustzeit“ für mich ganz allein. Durch das Jobcafé und das Fotoprojekt sind wir selbstbewusster geworden, das kann man schon sagen.“

Friederike Becker hat von Seiten der Fachhochschule das Projekt begleitet und dabei Vorurteile abgebaut: „Man hat ja so seine Klischees im Kopf, nachdem ich die Frauen kennengelernt hatte, habe ich viele andere Eindrücke bekommen. Das sind ja ganz verschiedene individuelle Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, da ist eine Bauingenieurin und eine Wirtschaftswissenschaftlerin dabei, eine Lehrerin. Sie sind alle sehr motiviert und wollen etwas machen.“ Das scheitert oft an der Anerkennung der Ausbildung hier in Deutschland.

Wer jetzt neugierig geworden ist auf die verschiedenen Lebensgeschichten der Frauen, und darauf, was sie über ihre zweite Heimat Dortmund und Deutschland zu erzählen haben, kann am Donnerstag, 8. Oktober , von 14 - 21 Uhr in der Nordstadtgalerie, Bornstraße 142, die Ausstellung besuchen und mit den Frauen sprechen.

Die Nordstadtgalerie ist Teil des Projekts „Hochschule vor Ort“ der Fachhochschule Dortmund. Das nächste Projekt der Nordstadtgalerie ist ein „Nashorn für die Nordstadt“. Ab dem 12. Oktober wird es in der Galerie mit Schaufenstercharakter gebaut, bevor es dann am 31. Oktober am Nordmarkt aufgestellt wird.

Hintergrund:


 “Hochschule vor Ort in der Nordstadt“ hat sich aus einem Projekt heraus fest in die Hochschulstrukturen der Fachhochschule etabliert. Seit 2011 engagiert sich die Fachhochschule mit ihrem Büro und der Nordstadtgalerie im Dortmunder Norden. Oberstes Ziel ist es, neben Forschung und Lehre der Gesellschaft den Mehrwert der Fachhochschule zurückzugeben und darüber hinaus junge Talente zu einem Hochschulstudium zu motivieren.

 Mehr Nachwuchs in die Hochschule und mehr Hochschule in die Nordstadt zu bringen, sind dabei gleichrangige Ziele. 40 Prozent der Anwohner in der Nordstadt haben einen Migrationshintergrund. Die Nordstadt gilt als Zentrum kultureller Vielfalt und verbirgt großes Potenzial. Es zu fördern und Bildungswege auf zuzeigen ist ein Ziel von Hochschule vor Ort.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.