Kleines Juwel in der Nordstadt: Das Rockaway Beat

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Hinter dem Tresen mit Fußballhintergrund schenkt Berndt Stähler seinen Hafenlikör aus. (Foto: Schmitz)
 
Die CD "11 Ways to Survive the City" gibt es demnächst im Rockaway Beat.

Ist es ein Gitarrengeschäft, ein Café, eine Kneipe oder einer Versorgungsstation für Devotionalien der 60er Jahre? Das Rockaway Beat ist schwer einzuordnen.

Es ist ein Gesamtkunstwerk, und vor allen Dingen natürlich völlig unvernünftig, sagt sein Inhaber Bernd Stähler. Es ist Zen, oder Dada, vielleicht auch beides. Es ist eine kleine Oase für Zeitreisende, mit seiner Theke von 1962, die aus Oer-Erkenschwick stammt und an der schon Horst Szymaniak, Uwe Seeler und vielleicht sogar Günther Netzer gestanden haben. „Beckenbauer ist immer zum Bier holen geschickt worden“, haben ihm die Vorbesitzer erzählt.

Es ist ein Geschäft für gebrauchte Gitarren, in dem Stähler seine Schätze stilvoll präsentiert: Sammlerstücke aus den 60er Jahren, gebaut von obskuren kleinen Marken, denen der Look zum Teil wichtiger war als der Sound, der logischerweise aber auch immer schräg klingt. „Manche Modelle sehen einfach geil aus, sind aber komplett unspielbar.“ Stähler hat sie schon gesammelt, bevor es das Rockaway Beat gab.

Im Sommer 2012 kam er dann auf die Idee, dass die Gitarren auch besondere Gehäuse brauchten. So baute er Showcases, in denen die Instrumente jetzt ruhen. Sie sind zu verkaufen, ebenso wie die Gitarren. Dann machte sich Stähler auf die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal. Er fand es in der Gneisenaustraße in einem alten Tapetengeschäft. Es bildet nun mit dem subrosa und dem Rekorder ein ziemlich spitzwinkliges Vergnügungs-Dreieck.

Die alten Tapete, die im dem Laden noch hing, verteidigte Stähler vor den Handwerkern, die Fensterfront aus den 60ern und die alten Linoleumplatten vor dem Renovierungswillen der Immobilienbesitzerin.

Die Theke fand ihn zur rechten Zeit im Internet: „Sie war eigentlich schon verkauft, an einen Club in Düsseldorf. Ich habe dann dem Verkäufer gesagt, falls doch was dazwischenkommt, soll er sich melden.“ Es kam etwas dazwischen: Die Düsseldorfer mussten die Theke im Vereinsheim 'Zum Sportler' stehen lassen, sie konnten sie nicht auseinanderbauen.

So kam Bernd Stähler zum Zuge. Er demontierte die Theke, bekam sie mit Mühe durch die Eingangstür und baute sie im Rockaway Beat wieder auf – das Herzstück des Ladens, gemeinsam mit einer Kaffeemaschine, die im schönsten 911er-Orange erstrahlt, eine Farbe, die bei Tom Wolfe wohl als Tangerine-Rot durchgegangen wäre. „Das Ergebnis meiner allerersten Internet-Auktion.“

Dann kam der Rekorder in die Kellerkneipe ein paar Häuser weiter, Annette Kritzler führte ihre Gäste bei ihren Touren durch die Nordstadt ins Rockaway-Beat, auch der Oldtimer-Bus macht dort bei seinen Touren Station. „Eines Nachts habe ich dann vom Hafenlikör geträumt“, erinnert sich Bernd Stähler.

„Jetzt machen wir unseren eigenen Likör“, in verschiedenen Geschmacksrichtungen, ein handwerklich anspruchsvolles und hochwertiges Produkt.Man kann ihn im Laden kaufen und auch gleich dort verkosten.

Zwischendurch, 2014, kam Kalle Wirsch mit seinem Sohn Rocco vorbei und gab ein berüchtigtes Konzert. Der Förderverein Rockaway Beatclub wurde gegründet, der Konzerte und Lesungen dort veranstaltet. Und es gab immer wieder Begegnungen der dritten Art, etwa wenn Gitarrenspieler in EDG-Uniform dem Laden eine kleine Blues-Auffrischung gaben. „Die konnten alle Blues-Gitarre spielen, irre.“

Oder, wenn wie beim Interview, zuerst der Gitarrist einer israelischen Band kommt, „um mal zu gucken“, und nach ein paar Minuten der Rest der Band. Schnell ist man auf einem gemeinsamen Nenner, weiß: „Die Gitarre sieht aus wie ein Ufo“.

Die neueste Idee von Bernd Stähler schlägt sich in Kürze in einer CD nieder: „Es kommen hier so viele Leute rein, die haben keine Arbeit, aber die haben diese Liebe zur Musik.“ Statt immer nur zu erzählen, was wäre, hätte sein können, wenn, haben sie nun alle gemeinsam eine CD aufgenommen: „ 11 Ways to Survive the City.“ In Kürze wird sie fertig sein und ist dann im Rockaway Beat zu haben. Der Erlös der CD geht als Spende an den Förderverein.

Zu haben ist auch das ganze Ladenlokal, zum Beispiel als Location für Events und private Feiern, gerne Hochzeiten. Geplant sind in Zukunft Open Sessions mit verschiedenen Musikern immer dienstags. Auch „Crazy Clubabende“ soll es demnächst einmal im Monat geben. Der nächste Konzerttermin ist am Freitag, 28. Oktober um 20 Uhr der Besuch von Sedlmeier.


Öffnungszeiten:

Dienstags bis freitags ab 13 Uhr bis abends 19 Uhr

Es gibt Lesungen, Nachmittags- und frühe Abendkonzerte, Testauftritte, Clubabende und Workshops

Rockaway Beat, Gneisenaustraße 61, 44147 Dortmund Tel. 0172 232 6878, E-Mail: info@rockawaybeat.de
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