Stehende Ovationen für „Die Show“-Premiere im Theater Dortmund

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Katakomben und Kalaschnikows, ein Horrorhaus und Folter überlebt der wagemutige Kandidat (Sebastian Kuschmann), doch erreicht er lebend die Bühne der Live-TV-Show? Das fragen sich die Moderatoren Frank Genser, Julia Schubert und das Publikum. (Foto: Birgit Hupfeld)

Fans des Dortmunder Schauspiels wissen, das Direktor Kay Voges gern noch einen drauf legt. Das ist ihm auch mit „Die Show“ gelungen. Nach großem Kino, Meschenfressern und Punk-Band brachte er erstmals eine große Samstagabend-Fernsehshow auf die Theaterbühne.

„Wetten dass ...? war gestern“, so die Ankündigung und schnell wird dem Zuschauer klar, dass es bei diesem Millionenspiel um Leben und Tod geht.
Und so ging Dortmund live auf Sendung mit einem bestens aufgelegten Moderatorenteam, Top-Stars auf dem Sofa und einem mutigen Bäckerburschen, der eine Woche lang, in Einspielern gerafft, gegen ein Killerkommando um sein Leben kämpft.

Hat der Kandidat ein besseres Leben verdient?

„Diese Chance, in einer Woche eine Million zu verdienen - das ist soziale Gerechtigkeit“, wird die tödliche Spielidee des TV-Formats gepriesen. Und äußerst kurzweilig und ideenreich bekommen alle ihr Fett ab: die Politiker und Kritiker, die Raabs und Lanz‘. Es gibt in Kay Voges, Anne-Kathrin Schulz und Alexander Kerlins brandaktueller Mediensatire auch die reizende holländische Assistentin wie irrwitzige internationale Top-Acts: Eva Verena Müller als lebendig gewordene Animé-Figur, deutsche Schlagerköniginnen und Jesus (Christoph Jöde). Und auch letzterer Musicalstar ist nur einer von vielen absurden aktuellen Abbildern.

Kritiker: Wer vor dem Fernseher sitzt, kann wenigstens gleichzeitig niemanden foltern"

„Ist man heute denn nur noch etwas wert, wenn man im Fernsehen ist“, fragt in der Live-Sendung ausgerechnet die Mutter der Kandidaten, der das Casting gewann.
Und wie auch daheim kann sich der Zuschauer entspannt zurück lehnen, während der Kandidat gemartert, gefoltert und gejagt wird, denn die drei bissigen Hunde, die in den dunklen Katakomben der verlassenen Phoenix-Halle über ihn herfielen, wurden ja reanimiert.

Wer bekommt den Geldkoffer mit der Million?

Und die Live-Schalte auf den Westenhellweg beweist: „Der Volksmund putzt sich nicht die Zähne“, wie der Modertor lachend den Stimmenfang der Reporter kommentiert. Doch auch das gemeine Volk, eben noch als Quote für den Sender gezählt, und selbst ein BVB-Stürmerstar werden in die brutale Hatz verwickelt. Im FZW nachts gibt es Tote, als das Killertrio dem ums Überleben kämpfenden Kandidaten zu nah kommt. Das alles erleben die Zuschauer perfekt arrangiert, Aufwärmer, Produkt Plazierung, Werbespots, Kritiker und aktuelle Quoten inklusive.

Die Jäger haben am 6. Tag die Lizenz zum Töten

Doch mehr sei nicht verraten, nur, dass die über 100, die halfen, die tödliche Show auf die Bühne zu bringen, sich über den sehr langen tosenden Applaus sehr freuten.
Eine grandiose, glänzend gespielte und herrlich von Mona Ulrich kostümierte und von Jan Voges gedrehte Inszenierung. Es lohnt sich Karten für einen der weiteren Termine im Schauspielhaus zu sichern: 29. August, 13., 30. September, 10. Oktober und 12. November Tel: 0231- 50-27222.
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