Versteckte Denkmäler

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Dieser Lochstein erinnert an die Zeche Marienstein, die bereits im Jahr 1857 den Betrieb einstellte. (Foto: Bruno Wittke)

Ohne ihren Standort zu kennen, wird man einige der kleinsten Denkmäler im Dortmunder Stadtgebiet kaum finden.

Und selbst wenn man sie sieht, wird man sich fragen, was es mit diesen „merkwürdigen“ Steinen auf sich hat. Und doch sind diese Lochsteine Teil einer Vergangenheit, die bis heute noch im Leben der Stadt nachwirkt. Deshalb stellt sie die Denkmalbehörde als Denkmäler des Monats Mai 2014 vor.

„Versteckt“ bedeutet hier nicht, dass jemand sich die Mühe gemacht hat, diese Denkmäler zu verbergen. Aber man kann sie leicht übersehen. Kaum eine Handvoll dieser Steine findet sich noch im Stadtgebiet. Einige stehen auf Privatgrundstücken, einer im Berghofener Wald. Am leichtesten kann man den Lochstein in der Baroper Hugo-Heimsath-Straße entdecken, dort ist er in die Grundstücksmauer von Nr. 48 eingelassen und damit für jeden sichtbar.

In ihrer Form und Größe - höher als breiter, oben abgerundet und etwa 50 bis 60 Zentimeter hoch - erinnern sie an kleine Grabsteine. Die Inschriften machen aber deutlich, dass es sich um etwas anderes handelt: „Henriette No. II, 1849“ oder „Zeche Marienstein 1857“ heißt es beispielsweise. Die Lochsteine müssen also etwas mit dem Bergbau zu tun haben. Aber ein Loch sucht man vergeblich. Laut Wikipedia stammt der Name Lochstein von der mittelalterlichen Bezeichnung „Lachstein“ für einen Grenzstein. Die Lochsteine begrenzten die Grubenfelder der jeweiligen Zechen.
Es gibt zwar seit einigen Jahrzehnten keinen Zechenbetrieb mehr in Dortmund.

Trotzdem fragt man sich, warum nur so wenige Grenzsteine des Bergbaus erhalten sind. Schließlich war der Bergbau lange Zeit - neben Stahlfertigung und Bierbrauerei - der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt. Zweierlei hat zum Verschwinden der Lochsteine beigetragen: Mit der Zunahme des Tiefbergbaus nach der Mitte des 19. Jahrhunderts legte man die Grenzen der immer größeren Betriebe unterirdisch fest.
Der nur wenige Meter in die Tiefe gehende Bergbau der kleineren Zechenbetriebe rentierte sich ab dieser Zeit kaum noch. Die Lochsteine wurden funktionslos. Die folgende Geschichte eines Steins macht diese Entwicklung greifbar.

Nur wenige Jahre bestand die Zeche Marienstein in Holzen. Der Besitzer des Sänger-Hofes an der Grenze zu Schwerte bat 1854 beim zuständigen Bergamt in Bochum um eine Erlaubnis zum Zechenbetrieb. Bereits 1852 waren in ungefähr zehn Metern Tiefe zwei Flözlagen mit Kohleneisenstein festgestellt worden. Ein Abbau schien sich zu lohnen. Neu gegründete Hüttenwerke waren dankbare Abnehmer. Nach einem rasanten Aufschwung zwischen 1853 und 1857, der auch dem Ausbau des neuen Eisenbahnnetzes zu verdanken war, setzte eine Flaute ein.

Besonders die kleinen Betriebe wie die Zeche Marienstein traf dies hart. Die Vermessung des Abbaureviers und das Setzen der Lochsteine kamen 1857 im Grunde zu spät. Als im Jahr 1859 der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein kein Erz mehr abnahm, musste der alleinige Gesellschafter, der „Ackersmann“ Kasper Sänger den Betrieb aufgeben. Seine Nachfahren bewirtschaften noch immer den Hof. In einer Ecke ihres Gartens hüten sie den einzigen verbliebenen Lochstein mit der Aufschrift „Zeche Marienstein 1857“ als Zeugnis des „industriellen Abenteuers“ ihres Vorfahrens.
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