Alter Hase: Der älteste Fahrlehrer Deutschlands mit 92 am Steuer

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In seiner Fahrschule schwört Gunther Meyer auf japanische Wagen: „Das ist der beste, den ich je hatte“, schwärmt er von seinem aktuellen Modell. „Der geht ab wie eine Rakete.“ (Foto: Schmitz)
 
In seiner Fahrschule an der Wilhelmstraße finden sich viele Unterrichtstafeln aus den letzten 50 Jahren (Foto: Schmitz)

Über 7000 Dortmundern hat er das Autofahren beigebracht, und noch immer ist der Fahrlehre Gunther Meyer, Geburtsjahr 1923, in seiner Fahrschule aktiv.

Die Fahrschule, sie ist nicht sein zweites, sie ist sein erstes Zuhause. Dort sitzt er an seinem Schreibtisch. "Ich mache hier noch ganz viel", erklärt er. Hinter ihm an den Wänden hängen Unterrichtstafeln aus fünf Jahrzehnten Fahrschulunterricht. Seine beiden Kinder führen die Fahrschule weiter, täglich sind Sohn, Tochter, der Senior und die fünfjährige Enkelin zusammen in der Fahrschule in der Wilhelmstraße.

"Das Fenster, da", Meyer zeigt auf ein Schaufenster, "das will ich neu dekorieren." Die Bilder hat er schon zusammengesucht: Fotos von alten und neuen Flugzeugen. "Das da", zeigte er auf eine Focke-Wulf, "das ist die Maschine, die ich im Krieg geflogen habe."

Täglich trainiert er mit Expander

Im Moment muss Gunther Meyer es „etwas langsamer gehen lassen“, aber sobald es ihm wieder besser geht, will er wieder Fahrstunden geben. Damit er fit bleibt, macht der 92-Jährige täglich seine Übungen: „ Ich habe hier so einen Gummi-Expaner in der Fahrschule, damit trainiere ich täglich.“

In Dortmund geboren

Geboren wurde Meyer in Dortmund, ging in der Hamburger Straße auf sie Schüchtermann-Schule und später auf das Bismarck-Realgymnasium in der Luisenstraße. Im gleichen Gebäude drückt nun seine Enkelin die Schulbank.

Dann kam die NS-Zeit, die Pogrome gegen Juden in der sogenannten „Kristallnacht“ erlebte der damals 17-Jährige mit, noch heute kann sich Meyer an Details erinnern.
Im Krieg kam Gunther Meyer zur Luftwaffe, wurde Pilot und später Fluglehrer, gegen Ende des Krieges bis zur Invasion der Alliierten war er in Frankreich stationiert.

Nach dem Krieg schlug er sich nach Dortmund durch, wurde für kurze Zeit Bergmann auf der Zeche Kaiserstuhl und kaufte sich anschließend einen Lastwagen. „Damit habe ich den Bauschutt weggefahren. Dortmund war ja ganz kaputt, da hatte ich jahrelang zu tun.“

"Nie einen Unfall gehabt"

1960 machte er seine Fahrlehrer-Ausbildung, gründete 1961 seine Fahrschule. „Wir haben nie einen Unfall in der Fahrschule gehabt, nur einmal ist uns einer reingefahren“, erzählt er stolz. „Wenn ich auf dem Beifahrersitz sitze, dann sehe ich jedes Auto in einer Straße, und ich sehe auch, ob in den geparkten Wagen ein Fahrer sitzt.“

"Der geht ab wie eine Rakete"

Auch Günther Schmitz, den viele Dortmunder als Fotograf des Stadt-Anzeigers kennen, hat seinen ersten Führerschein bei Gunther Meyer, damals in der Filiale an der Hermannstraße gemacht. "Das war vor 50 Jahren", erzählt Schmitz. Damals habe ich am Josefs-Hospital gewohnt und bin immer mit meiner Kreidler durch Hörde geflitzt."

Früher schulte Gunther Meyer auf DAF und Opel, heute bevorzugt er japanische Modelle: „Der Wagen, den wir jetzt haben, ist der Beste, den ich je hatte. Der geht ab wie eine Rakete.“

Technikbegeistert

Technikbegeistert ist Gunther Meyer nach wie vor, und auch die Fliegerei hat ihn nie so richtig losgelassen, obwohl er nach dem Krieg nicht mehr selbst geflogen ist: „Da war letztens auf dem Flugplatz in Iserlohn so ein Leichtbauflugzeug, da bin ich hin und habe mir das angesehen.“
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