Auf Schusters Rappen

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Dirk Gebhardt erwanderte Deutschland: auf 780 Kilometern von West nach Ost und schrieb "Quer durch Deutschland von West nach Ost". (Foto: Schmitz)

Ein Dortmunder Professor wanderte quer durch Deutschland und schrieb ein Buch. Wie leben die Deutschen? Das fragte sich Dirk Gebhardt, Bildjournalist und Professor im Fachbereich Design an der Fachhochschule. Die Antworten auf seine Frage hat er als Fotoband veröffentlicht.

Angetrieben von der Erkenntnis, dass er viele Geschichten aus fremden Ländern erzählt hat, aber nicht wirklich weiß "wer die Deutschen sind", machte sich der visuelle Geschichtenerzähler im 25. Jahr nach der Wiedervereinigung auf den Weg. In elf Etappen an 44 Tagen durchquerte er Deutschland von Isenbruch im Westen bis Zentendorf im Osten.

Auf Gastfreundschaft gesetzt

Auf seiner Wanderung hat Dirk Gebhardt "bewusst auf die Gastfreundschaft der Menschen gesetzt, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen."Es hat gut funktioniert: Übernachten konnte er in Gästezimmern, im Wohnwagen, auf der Empore eines Museums oder in einer Jagdhütte. Seine Gastgeber waren Mönche, Förster, Heimatforscher, Landärzte, Ziegenhirten, Bauwagenbewohner, Bürgermeister, Künstler, Flüchtlinge und Landwirte. Er beobachtete das Alltagsleben der Menschen und hielt seine Begegnungen mit der Kamera fest.

Alle 50 km ein neuer Dialekt

Festgestellt hat er, dass die Menschen regional sehr verortet sind: "Alle 50 Kilometer gibt es einen neuen Dialekt und ein anderes regionales Bewusstsein“, erzählt Dirk Gebhardt, natürlich gebe es auch Unterschiede zwischen Ost und West. Überrascht hat ihn, dass die meisten Klischees sich nicht bewahrheiteten.

Sehr engagierte Menschen getroffen

„Ich war erstaunt darüber, wie viele sehr engagierte Menschen mir begegnet sind, die sich um ihr soziales Umfeld bemühen, um alles, was ihnen wichtig ist: die Familie, die Umwelt, den Dorfplatz, den Verein.“ An der Seite von Dirk Gebhardt wanderte der Journalist Jörg-Christian Schillmöller, der für den Deutschlandfunk einmal im Monat von den Etappen berichtete. Die meisten Begegnungen ihrer Reise waren zufällig, manche Punkte, wie der Besuch der Leuna-Werke bei Halle aber auch geplant. Manchmal wurden die zwei Wanderer auch gezielt eingeladen, vorbeizuschauen.

Auch Wünsche flossen ein

In ihre Beobachtungen flossen auch die Hoffnungen, Zweifel und Wünsche der Menschen mit ein. Es entstand eine Sozialreportage in mehr als 180 Bildern. Das aus diesem Material zusammengestellte Buch ist Roadmovie, Sozialstudie und Reiseführer und eine Hommage an die Menschen geworden, die Dirk Gebhardt mit seinem Wanderkollegen unterwegs getroffen hat.
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